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12:00 24.03.2014
Güstrow

Eine Liebeserklärung stand am Anfang: „Ich liebe den Norden, ich liebe den Backstein, ich liebe das Rot.“ So machte sich der Maler Alexander Dettmar auf den Weg durch Mecklenburg, einen Rucksack mit Ölfarben und Leinwand auf dem Rücken. Im Gedächtnis waren ihm zwei Künstler, die sich Jahrzehnte zuvor ebenfalls der Faszination der Klinkerbauten ausgesetzt hatten: „Norddeutsche Backsteingotik Auf den Spuren von Ernst Barlach und Theodor Däubler“ lautet der Titel des Projekts, dessen Resultate nun im Austellungsforum der Ernst Barlach Stiftung in Güstrow zu sehen sind.

Mit der Schau, die heute abend eröffnet wird, werde in den Barlach Museen ein neuer Ausstellungstyp erprobt, sagt der Geschäftsführer der Ernst Barlach Stiftung, Dr. Volker Probst. Denn die Stiftung habe sich zur Aufgabe gemacht, das Werk Barlachs zu bewahren, „und dazu gehört auch das Umfeld und die Rezeption.“ Gezeigt werden soll, wie mit Barlach umgegangen wird, auch in der zeitgenössischen Kunst.

Das Projekt des Barlach-Preisträgers Dettmar nimmt seinen Ausgangspunkt bei der Reise der beiden Freunde Barlach und Däubler im Jahre 1913, die über Wismar, Rostock, Bad Doberan, Stralsund, Neubrandenburg und Malchin führte. Auf deren „Spuren“ wandelt Dettmar nun auf seine Weise: „Ich wollte keine Dokumentationsveranstaltung machen als Maler 1999 / 2000“, bekennt er. Nachvollziehen aber wollte er den besonderen Reiz dieser Künstlerreise: Dettmar erinnert an das Wort Barlachs, er habe „seinen ganzen Krempel von der Straße geholt“, und erkennt eine Parallele zum eigenen Schaffen: „Er holte eben seine Menschen, ich meine Häuser.“

Menschenleer sind die Bilder Alexander Dettmars, und doch erzählen sie auf eine subtile Weise unentwegt vom Menschen. Die Klinkerbauten, die Dettmar malt, sind für den Künstler gewachsene Formen, die ein menschliches Maß haben, weil der Backstein mühsam aus dem Acker gewonnen wurde, weil in den gotischen Steinbauten ein „irrsinniges Wissen“ steckt nicht nur technischer Art.

In den abstrakten Darstellungen vorgefundener Gebäude-Ensembles wirken die Bauwerke selbst wie Lebewesen, die sich aneinander schmiegen, auf der Erde kauern oder emporragen. Als seien sie beseelt worden von den Menschen, die sie bauten, die in ihnen lebten. Und weil der Stein unvergänglich ist, erzählt er so zugleich von der Vergänglichkeit derer, denen er Schutz und sichere Behausung bot. Deshalb kommen in Dettmars Bildern Geborgenheit und Unheimlichkeit sich so nahe.

Dettmar malt vor Ort, auf dem Boden vor der Leinwand kauernd. Am liebsten sei es ihm, er werde für einen Bauarbeiter gehalten, dann hätte er die Ruhe, die er braucht. Wenn man in seinen Bildern eine Jahreszeit ausmachen will, dann ist es der Winter. „Im Sommer male ich auch, aber da müsste ich Grün reinmalen. Im Winter ist die Ursprünglichkeit des Nordens am klarsten“, sagt er. Der Maler setzt sich Wind und Wetter aus, flieht nicht ins beschützende Haus, das er malt. In unseren Zeiten ist das auch eine Geste der Rebellion gegen die Apparate, mit denen unsere Häuser vollgestopft sind. So kommt Dettmars archaische Produktionsweise zu ihrer Berechtigung.

Vor Ort auch entstehen die Rottöne, die bei Dettmar in nie gesehener Vielfalt faszinieren. Aus der Spontaneität des Augenblicks heraus angerührt, macht keine Rezeptur die jeweilige Mischung wiederholbar. Jedes Rot ist einmalig auch das eine Aussage gegen Uniformität: die Identität eines Farbtons kann bei Dettmar ebenso wenig von der Stange kommen, wie die einer Person.

Den Geist des in den Himmel strebenden Baustils „auf erdverbundene Weise nachempfinden“, das hatte sich der Künstler zum Ziel gesetzt. Seine wunderbare Malerei spannt den Bogen auf zwischen Himmel und Erde. Dort stehen seine Menschen die er nicht malt, weil er sie liebt.

Ernst Barlach Stiftung Güstrow, Ausstellungsforum, Heidberg 15; Eröffnung heute um 19 Uhr; zu sehen bis 18. Juni 2000, Di-So 10-17 Uhr; Katalog 22,90 Mark.



JÖRG PETER LÖBLEIN

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