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Kultur Rückgriffe auf Goethe
Nachrichten Kultur Rückgriffe auf Goethe
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01:17 18.04.2018
Manfred Osten, vorgestellt als Universalgelehrter, rief dem deutsch-polnischen Publikum vor allem Erkenntnisse Goethes zum Thema Flucht ins Gedächtnis. Quelle: Foto: Geert Maciejewski

Der Abend begann mit einer schlechten Nachricht. Thea Dorn, angekündigter Stargast der Lesung und geschätzte Autorin, hatte ihr Kommen kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen müssen. Das kostete die Veranstaltung zwar eine Hand voll enttäuschter Zuhörer, doch das prominent besetzte Auditorium – mit Cornelia Pieper als Generalkonsulin in Danzig;

Schriftsteller Manfred Osten sowie Karl-Heinz Paqué (Vize-Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung) – wusste ebenso kompetent wie zumindest ansatzweise kontrovers mit den existentiellen Themenkomplexen des Abends umzugehen.

Dass dabei einiges manchen Zuhörern zu intellektuell, ja akademisch und von den Alltagsproblemen abgehoben ’rüber kam, war beinahe zwangsläufig. Das Glück der Heimat in heimatloser Zeit, aufgeklärter Patriotismus, Migration, Flucht und Nationalismus sowie Globalisierung und regionale Verbundenheit der Menschen – all das steht für einen überaus vielfältigen Mix an Themen und Problemfeldern, so dass niemand erwarten durfte, mit selig machenden Rezepten nach Hause gehen zu dürfen. Nicht für die Europäer in ihrer Komfortzone und schon gar nicht für die mit schlichten Überlebensängsten befassten, „restlichen“ Milliarden von Menschen.

Für viele Zuhörer sicher ein Erkenntnisgewinn oder eine Wiederbegegnung, was Osten aus dem Werk Goethes an Erkenntnissen herausfilterte, die die Zeit nach der Französischen Revolution mit unserer heutigen Situation zweifellos verwandt sein lässt: Flucht und Migration, Fremdenhass und weltoffene Liberalität, vor allem aber die Suche nach Heimat. Die sei dort, „wo wir leben und nützen“. Pieper forderte – auch mit Blick auf die nicht ungetrübten Beziehungen zwischen Deutschen und Polen – vehement, den Dialog auch in schwierigen Zeiten zu führen, sich anderen Kulturen zu öffnen und Geschichte zu studieren, bevor abfällig über heutige Phänomene geurteilt werde. Paqué schließlich hob die Entwicklung hervor, dass immer mehr Menschen besonders eng mit ihrer Heimatregion verbunden sind. Mit Blick auf Katalonien würden indes auch die Gefahren von allzu starkem Nationalismus offenbar.

Bemerkenswert, dass sich auch etliche polnische Gäste in die Debatte einbrachten. Für den Veranstalter erklärte Thomas Hummel am Ende, dass die Gastlesung mit Thea Dorn in Kürze nachgeholt werde. Die Eintrittskarten von Donnerstag behalten deshalb ihre Gültigkeit. Aktuelle Infos auf der Literaturtage-Homepage.

St. Adler

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