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Rückkehr der Volkstheater-Chefs

Rostock Rückkehr der Volkstheater-Chefs

Sewan Latchinian und Stefan Rosinski sind nächste Woche wieder an ihrem Platz. Nun muss dringend der neue Spielplan fertig werden.

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Quelle: Thomas Häntzschel

Rostock. . Wohin steuert das Rostocker Volkstheater? Das ist eine Frage, die derzeit von niemanden ernsthaft beantwortet werden kann. Zu lange haben Streit und Unsicherheit das Traditionshaus geprägt.

OZ-Bild

Sewan Latchinian und Stefan Rosinski sind nächste Woche wieder an ihrem Platz. Nun muss dringend der neue Spielplan fertig werden.

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Seit 25 Jahren geht das Rostocker Theater durch schwere See. Finanzierungsprobleme, geringe Besucherresonanz und Personalturbulenzen beschäftigten die Menschen in der Stadt mehr als zuweilen international herausragende Produktionen. In der kommenden Woche werden nach mehrwöchigen Krankheiten Intendant Sewan Latchinian und der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski zurückerwartet. „Dann wird insbesondere die Planung für die kommende Spielzeit vorangetrieben“, sagt der Interimsgeschäftsführer und Rostocker Finanzsenator Chris Müller.

Allerdings sei die Planung im Verzug, doch zumindest der große Rahmen stehe. Noch stünden aber Rechtebeschaffungen, Organisation der Teams und Vertragsverhandlungen aus. Das Problem sei, dass viele externe Künstler vertraglich schon anderweitig gebunden sein könnten. Schon Anfang März hatte die Aufsichtsratsvorsitzende Eva-Maria Kröger wegen der Erkrankungen auf die Planungsprobleme hingewiesen.

Diese Probleme seien mit der Berufung von ihm und Steffen Knispel von der Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding behoben worden, sagt Müller, der nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit Latchinian steht. Nach der Rückkehr der beiden Geschäftsführer würden er und Knispel noch „ein paar Tage“ im Amt bleiben, kündigt er an.

Die Gesamtsituation des Hauses stellt sich als extrem schwierig dar. „Es gibt nahezu keine ruhige Front“, ist aus dem Haus zu hören. Auch Müller bestätigte, dass es bei den 265 Beschäftigten „teilweise Verunsicherung“ gebe. Es sei ihm und Knispel aber gelungen, für eine gewisse Ruhe und den Fortgang der Dinge zu sorgen. An der Theaterkasse ist hingegen mehr Ruhe als erwünscht. Schon das Jahr 2015 war mit gut 84200 Besuchern das schwächste nach der Wende. Im ersten Quartal 2016 wurden nur 17640 Karten verkauft. „Es bleibt abzuwarten, ob sich das durch das Jahr hindurch trägt“, sagt Müller. Er baue aber auf die „leider nicht große, aber trotzdem sehr treue Fangemeinde, die in schwierigen Zeiten fest zum Theater steht“. Dabei stehen Entscheidungen von langfristiger Bedeutung an. Seit knapp zwei Jahren wogt der Streit um die Schließung von zwei der vier Sparten. Dies war vom Land und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) gefordert und auch von der Bürgerschaft beschlossen worden. Latchinian hatte sich von Beginn an mit Vehemenz dagegen gewehrt, was nach Dauerstreit mit dem Rathaus und unglücklichen Äußerungen in der Öffentlichkeit zu seiner zwischenzeitlichen Entlassung führte. Beobachter rechnen nicht damit, dass er während seiner Auszeit in den vergangenen vier Wochen seine Meinung grundlegend geändert hat. Weiterer Streit scheint vorprogrammiert.

Rosinski, der im Sommer nach Halle an der Saale wechseln wird, hatte im Januar einen Vorschlag zur künftigen Theaterstruktur vorgelegt. Das sogenannte Hybridmodell sieht eine Neuordnung der Sparten mit Schwerpunkt Orchester und Musiktheater und eine Verkleinerung des Schauspiels vor. „Der Aufsichtsrat ist der Meinung, das Modell könnte eine gute Grundlage für die weitere Planung sein“, sagt Kröger.

Das Rosinski-Konzept könnte auch nach Ansicht des früheren Schauspieldirektors Jörg Hückler ein wichtiger Schritt sein, dem Haus eine gute Richtung vorzugeben. Allerdings sieht der intime Kenner des Theaters auch die Gefahr, dass durch das zwischenzeitliche Fernbleiben der Geschäftsführer wieder viele Züge ohne Entscheidung abgefahren sind. „Das ist vor allem problematisch für die Mitarbeiter, die nicht wissen, was ist und was kommt.“ Die Diskussion um das Volkstheater dauere schon seit den frühen 1990er Jahren. „Irgendwann ist eine Müdigkeit eingetreten, eine Mischung aus Frustration und Angst“, sagt Hückler. Seit Jahren sei die Politik wichtiger als die künstlerischen Aspekte. So könnten die Mitarbeiter das Gefühl entwickeln, dass vom Traditionshaus außer Querelen nichts mehr zu hören und zu sehen ist. „Die Angst in der Belegschaft ist, dass der nächste Schritt die komplette Abwicklung des Theaters sein könnte.“

Von Joachim Mangler

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