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Kultur Rügener Kabarett: Hintersinniger Humor statt platter Witze
Nachrichten Kultur Rügener Kabarett: Hintersinniger Humor statt platter Witze
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09:04 08.10.2018
Sieglinde Brandt (81, li) und Elke Klemm (65) sind das Sassnitzer Kabarett-Duo „Die Windflüchter“ Quelle: Maik Trettin
Sassnitz

Gute Freunde teilen alles – notfalls auch das Gebiss. Wer es nicht glaubt: Sieglinde Brandt und Elke Klemm überzeugen ihre Zuhörer ganz gewiss vom Gebiss-Sharing. Die Auswüchse der so genannten Gesundheitsreform und die Zustände im Gesundheitswesen sind eines der Themen, die in ihrem Programm auftauchen. Die Frauen machen Kabarett. Als „Die Windflüchter“ stehen sie vorwiegend auf den kleinen Bühnen der Insel und bringen die Lachmuskulatur ihres Publikums ebenso in Schwung wie dessen graue Zellen.Schenkelklopfer am laufenden Band zu produzieren, ist nicht das, was für die beiden Kabarett ausmacht. Die Begeisterung für die so genannte Comedy teilt Sieglinde Brandt nicht. „Ich brauche mich nicht auf die Bühne zu stellen um Witze erzählen.“ Da bleibt der Fernseher lieber aus. Kabarett sollte mehr sein, finden die „Windflüchter“. „Darin ist immer etwas Politisches“, sagt Elke Klemm. Das mag die frühere Sozialkundelehrerin.

Vor elf Jahren gegründet

Die stand in ihrem Beruf praktisch jahrelang „auf der Bühne“, wie sie mit einem Augenzwinkern sagt. Zahllose Jahrgänge von Berufsschülern hat sie unterrichtet. Im Ruhestand nimmt sie sich Zeit für das, was sie früher schon gern getan hätte: fürs Kabarett. Dem hätte sie sich in ihrer Jugend schon gern verschrieben, schaffte es als Studentin sogar bis zu einem Vorsprechen bei den Leipziger Academixern. Ins Ensemble aufgenommen wurde sie dann zu ihrem Bedauern nicht.Das geschah erst Jahre später in Sassnitz. Hier hatte 2007 Sieglinde Brandt, die zuvor jahrelang bei den „Donnerkeilen“ aktiv war, mit Fanny Ott die „Windflüchter“ gegründet. Die 81-jährige Brandt ist ursprünglich Gastronomin. Der hintersinnige Humor des Genres hatte es ihr schon lange angetan. Für sie ist es eine Möglichkeit, das, was viele Menschen beschäftigt, zu verarbeiten, auf Fehlentwicklungen und Missstände hinzudeuten, und zwar mit ganz feinen Nadelstichen statt mit der großen Keule.Diese politischen Spitzen standen einst, als die Führer und Lenker in diesem Teil des Landes noch dünnhäutiger waren, beim Publikum hoch im Kurs. Dass die Tradition nur schlummert und nicht verschüttet wurde, merken die Kabarettistinnen bei ihren Auftritten auf der Insel. Dort präsentieren sie ein Programm, in dem es sich in der Regel um Themen aus der Bundespolitik und dem Alltag dreht. Geschrieben werden die Stücke von Autoren anderer Kabaretts. Der Kontakt zu jenen und der Austausch der Texte läuft häufig über die Bundesvereinigung Kabarett, in der die „Windflüchter“ Mitglied sind. Viel an Erfahrung und Wissen nehmen sie auch von den Treffen der Amateurkabaretts in Aschersleben mit, die die Sassnitzerinnen zweimal im Jahr besuchen. Für die Darsteller gibt es zudem spezielle Workshops. Auch einen Regiekurs bei Gisela Oechelhaeuser haben die Jasmunder Kabarettisten belegt.

Weitere Mitstreiter gesucht

Viele Stücke warten noch darauf, gespielt zu werden, vor allem die, in denen mehr als zwei Akteure vorkommen. An Ideen und neuen Stoffen mangelt es nicht. „Da gibt die Insel genügend her“, sagt Sieglinde Brandt. Den Bauboom oder die Entwicklungen im Tourismus würden sie gern mal auf die Schippe nehmen – wenn sie denn einen Autor dafür fänden. „Das Schreiben der Texte ist kompliziert“, seufzt Elke Klemm. Die Sassnitzer Kabarettistinnen haben es versucht. Das Ergebnis hat sie nicht überzeugt. „Mit den Pointen, das hat nicht so geklappt“, erzählt Sieglinde Brandt, „die müssen einfach sitzen, sonst taugt die beste Geschichte nichts.“Wer pointierte Dialoge schreiben kann, wird bei den „Windflüchtern“ ebenso mit offenen Armen empfangen wie Leute, die sich dort als Techniker, Musiker oder als Darsteller auf der Bühne engagieren wollen. Letztere sollten Texte lernen und vortragen können, vor allem aber offen und ehrlich und nicht verklemmt sein, wünschen sich Sieglinde Brandt und Elke Klemm. „Ein guter Kabarettist muss auch über sich selbst lachen können.“

Maik Trettin

Monika Ortmann aus Wittenhagen stellte schon in Havanna, Chile und Argentinien aus. Aktuell plant sie ein weiteres Projekt, das sie nach Brasilien führen könnte.

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