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Ruhm und Schmerz: Die Tour de France aus Künstlersicht

Ausstellung in Düsseldorf Ruhm und Schmerz: Die Tour de France aus Künstlersicht

Die Tour de France ist das härteste Radrennen der Welt, ein Mythos, der auch Künstler und Fotografen in seinen Bann zieht. Zum Auftakt der Tour 2017 bietet Düsseldorf einen künstlerischen Blick auf das legendäre Etappenrennen.

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„Legs From The Peleton/Mauricio Soler“ von Timm Kölln.

Quelle: Federico Gambarini

Düsseldorf. Ausgezehrte und wettergegerbte Gesichter, vernarbte Beine, Drängelei der Meute im Hauptfeld, endlose Serpentinen bergauf, 3500 Kilometer in drei Wochen und Millionen Zuschauer an den Straßen. Das ist die Tour de France.

Das berühmteste Radrennen der Welt ist - trotz aller Doping-Skandale - Mythos und Leidenschaft, nicht nur für die Radrennfahrer und ihre Fans, sondern auch für Künstler. Robert Capa, Louis Malle, Andreas Gursky, Kraftwerk - die Tour hat seit jeher auch berühmte Fotografen, Filmemacher und sogar die Elektropopmusik in ihren Bann gezogen.

Passend zum Start der Tour mit dem Grand Départ in Düsseldorf am 1. Juli ist vom 19. Mai bis zum 30. Juli im NRW-Forum die Ausstellung „Mythos Tour de France“ zu sehen. Es ist eine hübsche Idee, das Radrennen aus der Perspektive der Kunst zu beleuchten, denn der millionenteure Tourstart in der NRW-Landeshauptstadt hat auch ziemlich viele Kritiker. Wer gar nichts mit Radrennen am Hut hat, dem wird in der Ausstellung mit rund 120 Arbeiten von 20 teils weltberühmten Fotografen und Künstlern nahegebracht, warum und wie die Tour de France Abertausende Menschen in ihren Bann zieht.

An den Fotos aus den 30er Jahren bis heute lässt sich aber auch ablesen, wie aus dem unprätentiösen Rennen eine hochgezüchtete Mensch-Rad-Maschinerie wurde. Noch 1939 fotografierte Robert Capa die Radrennfahrer bei einer Pause vor einer Werkstatt, einfache Wasserkübel stehen auf dem Steinboden. Fast 80 Jahre später hängt der 34 Jahre alte Konzeptkünstler Martin Höfer im NRW-Forum ein rotes Säckchen an seine Fotoinstallation: eine Blutkonserve mit seinem eigenen Blut als nicht eben dezenten Hinweis auf die Doping-Skandale.

Eine Innenansicht aus dem Herzen des Hauptfelds brachte der französische Regisseur Louis Malle. 1962 drehte er seinen 19-minütigen Dokumentarfilm „Vive Le Tour“ mit den Schattenseiten der Tour: Nahaufnahmen der erschöpften Gesichter, blutende Sportler, die vom Arzt aus dem fahrenden Auto heraus verbunden werden, Männer, die bis zum Umfallen weiterradeln, sterbensdurstige Rennfahrer, die Bier, Champagner, Wasser aus den Lokalen am Straßenrand plündern. Mit den klassischen Filmbildern der Tour spielt auch die experimentelle Video-Installation „Tour de France“ der Düsseldorfer Elektropioniere Kraftwerk.

Der deutsche Fotograf Timm Kölln porträtierte die Radrennfahrer wenige Sekunden nach dem Zieleinlauf, wenn „Geist und Physis die Anforderungen des Wettkampfs ungefiltert wiederspiegeln“. Gleich gegenüber, überlebensgroß und wandfüllend, wird der Blick auf die Beine der Radrennfahrer gelenkt: Narben, Wunden, Pflaster, hervortretende Adern.

Viele der in der Ausstellung vertretenen Künstler eint die Leidenschaft für den Radsport. Der Düsseldorfer Konzeptkünstler Reinhard Mucha (67) zum Beispiel schaut sich die Tour de France immer an. Sein zweiter Wohnsitz ist Frankreich. Für seine Vitrinen-Installation hat der documenta- und Biennale-Teilnehmer private Fotos und Objekte ausgewählt. Muchas Rennräder sind darauf zu sehen und wie er und sein Sohn pinkfarbene Rennfahrer-Trikots tragen.

Mucha freut sich besonders über den Grand Départ in seiner Heimatstadt Düsseldorf: „Dieses Jahr geht die Tour durch das Kerngebiet meiner Biografie.“

dpa

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