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Kultur Sängerischer Glanz, Leidenschaft und verstörende Intimität
Nachrichten Kultur Sängerischer Glanz, Leidenschaft und verstörende Intimität
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00:01 25.04.2016
Karen Leiber (Mitte) als Salome in der gleichnamigen Oper am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Quelle: Silke Winkler

Eine Frau lässt einen Mann töten, seinen Kopf auf einer Silberschüssel reichen, damit sie ihn endlich küssen kann. Die Frau ist die judäische Prinzessin Salome.

Große Oper am Freitag im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin / Richard Strauss‘ „Salome“ feierte eine beeindruckende Premiere

Weitere Termine: Sonnabend, 30. April, 19.30 Uhr; Sonntag, 8. Mai, 18 Uhr und Freitag, 27. Mai, 19.30 Uhr (Großes Haus, Alter Garten 2 in Schwerin).

• www.theater-schwerin.de

Sie ist, als Teil der Heilsgeschichte von Johannes dem Täufer zu einem Mythos der europäischen Kultur geworden. Oscar Wilde machte sie 1891 zu einem Symbol des verderblichen Zusammenhangs von dämonisierter Sexualität und Tötungslust, woraus Richard Strauss 1905 seine damals skandalumwitterte Oper „Salome“ machte.

Am Freitag hatte sie im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin ihre beeindruckende Premiere, die die enormen künstlerischen Herausforderungen bravourös bestand und bewies, wie — bei ständig schmaler werdenden Ressourcen — dennoch große, nicht nur spektakuläre, sondern ebenso geistig fesselnde Oper gemacht werden kann. Daran beteiligt ist zunächst die Mecklenburgische Staatskapelle unter Daniel Huppert, der mit kühlen Nerven und klarem Sinn für wohl berechnete Reize den glühenden Orchesterbrand der Partitur zum Klingen bringt. Dann eine ganze Schar von Gastsolisten. Und schließlich die fantasievolle Inszenierung von Kornelia Repschläger, im funktionalen Bühnenbild von Alexandre Corazzola mit einem sinnfälligen symbolischen Spiel von eckigen und runden Formen.

Die Frage dieser grässlichen Geschichte, die auch Salome ahnt, bevor sie untergeht: War es vielleicht Liebe?, beantwortet Kornelia Repschläger eindeutig mit Ja. Sie macht damit aus der morbiden Täterin Salome ein Opfer, dessen Tötungslust damit zwar nicht entschuldigt, aber fast nebensächlich wird. Sie macht damit aus der sinnbildlichen Kraft des Mythos eine reale gegenwärtige (indiziert durch die Kostüme von Ralf Christmann) psychologisierende Geschichte; mit eigener Überzeugungskraft, aber auch Fragwürdigkeiten. Diese betreffen besonders den Propheten Jochanaan, den Reinen und Heiligen — von Mark Morouse in frommer, leicht beunruhigter Geradlinigkeit gesungen. Aus dem Künder der Möglichkeit einer neuen Welt wird hier (ganz in der Sicht Salomes) nur der heftig begehrte Mann, der sie nicht „ansieht“, weil er „die Binde trug eines, der seinen Gott schauen wollte“ und damit die narzisstische Kränkung verursacht.

Das alte Klischee der sexualisierten Femme fatale wird durch das heutige des Opfers ersetzt; eher gegen tradierte Deutungen des Salome-Mythos‘ gewendet, als diesen für die Kritik unseres eigenen, angeblich befreiten Umgangs mit Sexualität nutzend.

Kernstück ist die eigenwillige Deutung des berühmten Schleiertanzes, nicht mehr enthemmter Verführungsakt, sondern ein Tagtraum Salomes, in dem sie, bedrängendem Männerfleisch ausgesetzt, Schutz beim Propheten sucht, der ihr nur geistliche, nicht aber sinnliche Erlösung bieten will — was den Tötungswunsch befestigt.

Über all dies hinweg entfalten die Solisten einen für Schweriner Verhältnisse imponierenden sängerischen Glanz: Peter Svensson als neurasthenischer Herodes, Ruth-Maria Nicolay als kühl kalkulierende Herodias und Steffen Schantz als der Salome verfallener Narraboth, dazu hauseigene Kräfte in den Nebenrollen. Überstrahlt von Karen Leiber als Salome, die mit Leidenschaft und verstörender Intimität den stimmlichen und psychischen Umfang der Figur voll ausspannt, bis ihrem Untergang das wieder hervorbrechende Mondlicht die Triumphgloriole gibt.

Von Heinz-Jürgen Staszak

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