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Satire wird links und rechts von der Realität überholt

Satire wird links und rechts von der Realität überholt

Das Rostocker Kabarett-Duo Dietrich & Raab kommt nach sieben Jahren mit neuem Programm auf die Bühne.

Warum die lange Pause?

Christopher Dietrich: Vor zehn Jahren haben wir uns die Frage gestellt, ob wir vom Kabarett leben können. Nach zwei oder drei Jahren merkten wir: Es geht zwar, aber es ist sehr anstrengend.

Wir waren pro Jahr 40000 Kilometer in ganz Deutschland unterwegs. Daher haben wir erst einmal andere Schwerpunkte gesetzt: Studienabschluss, Doktorarbeit, Jobsuche, Familie gründen.

Währenddessen haben wir zwar weiter gespielt, aber immer nur das alte Programm aktualisiert. Jetzt fanden wir, es wurde Zeit, etwas ganz Neues zu machen.

Gab es einen aktuellen Anlass für das neue Programm?

Dietrich: Unser altes spiegelte nicht mehr das wider, was uns wichtig war, etwa das Auseinanderdriften der Gesellschaft, die Rolle des Einzelnen in der Demokratie und die Frage, warum die AfD so stark werden konnte. Außerdem waren die alten Plakate alle.

Erik Raab: Das aktuelle Weltgeschehen wirft einfach viele drängende Fragen auf und das Kabarett ist die richtige Bühne, um sie zu beantworten.

Zielen Sie auf Lieblingsfeinde?

Dietrich: Ein Scherz über Angela Merkel oder die AfD ist schnell gemacht. Es geht uns aber darum, sich die Dinge nicht zu einfach zu machen.

Raab: Der Vorteil bei einem Kabarett-Duo ist, dass man Themen von zwei Seiten betrachten, Argumente für und gegen etwas vorbringen und den Kampf satirisch im Ring austragen kann. So kann man auch mal die Perspektive eines AfD-Wählers einnehmen.

Wie aktuell ist Ihr Programm?

Dietrich: Unser Kollege Gerhard Polt hat einmal gesagt: „Ich bin nicht aktuell, ich bin akut.“ So sehen wir das auch. Wir wollen nicht etwa mit der ZDF-„Heute Show“ konkurrieren.

Raab: Wir greifen natürlich Themen auf, über die sich die Leute aktuell Gedanken machen. Aber der Populismus zum Beispiel ist ja eine Entwicklung, die schon länger dauert und dennoch hochaktuell ist.

Aber als politische Kabarettisten kommen Sie doch nicht an Donald Trump vorbei?

Raab: Wir sprechen darüber, welche Auswirkungen seine Wahl auf Deutschland und künftige Wahlkämpfe haben könnte. Dazu blicken wir auch in die sozialen Medien und vermischen dabei echte Beiträge mit satirisch überhöhten. Der Zuschauer wird kaum noch unterscheiden können, was ist echt und was nicht. Die Satire wird eben manchmal von rechts oder auch von links von der Realität überholt.

Sind Ihnen eigentlich ernste Gesichter im Publikum oder lachende wichtiger?

Dietrich: Die Zuschauer sollen lachen, aber sie sollen auch nachdenken. Wir machen aber sicher kein Sozialkundeseminar. Bei der Vorpremiere hatten wir den Eindruck, dass es ganz gut funktioniert.

Raab: Wir haben ja auch selber Spaß an dem, was wir machen und wollen das so verpacken, dass auch das Publikum Spaß hat. Man kann ja auch ernste Themen in eine Pointe packen, die gut funktioniert.

Wie sieht das dann konkret aus?

Raab: Wir greifen etwa die neue Internetserie der Bundeswehr auf und machen Vorschläge, wie auch Politik künftig über Krimi-Serien populär gemacht werden könnte. Unsere Story zum Klimaschutz finden wir so überzeugend, dass wir fast Angst haben, sie könnte wirklich mal verfilmt werden.

Dietrich: Oder wir fragen uns, woran eine Frau denkt, die am Fließband männliche Küken zum Schreddern aussortiert – ohne die Frau zu verurteilen. Interview: Axel Büssem

OZ

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