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Satiriker drehen Jahresrückblick

Heiligendamm Satiriker drehen Jahresrückblick

Heinz Strunk und Olli Schulz sind Hauptakteure einer NDR-Produktion im Grand Hotel Heiligendamm

Heiligendamm. Erschöpft sinkt Heinz Strunk in den Sessel seines Hotelzimmers. Von seinem Platz in der Strandsuite 1206 des Grand Hotels Heiligendamm hat er einen guten Blick auf das Meer. Während er die Füße hochlegt, glänzt der goldene Ring an seinem Finger im Sonnen- und Scheinwerferlicht. Um ihn herum wimmelt es von Menschen mit Technik und Ideen. Alles soll perfekt sein, wenn der Schriftsteller über die vergangenen zwölf Monate philosophiert, die für ihn durchaus erfolgreich waren. Für den NDR dreht der in dieser Woche mit dem Wilhelm-Raabe-Literatur-Preis ausgezeichnete Literat an zwei Tagen seinen ganz eigenen Jahresrückblick an der Ostsee.

Der Hamburger, der mit bürgerlichem Namen Mathias Halfpape heißt, ist ein echtes Kind der Küste. Er hat eine Ferienwohnung in der Nähe von Kiel und das Innenfutter seines Jackets zieren Anker ebenso wie seinen tätowierten Finger. Vor drei Jahren verliebte sich Strunk während eines Urlaubs in den Drehort: das Grand Hotel Heiligendamm. „Das ist ein einzigartiger Platz, der seinesgleichen nicht findet“, schwärmt der 54-Jährige.

Wie aus der Zeit gefallen scheine dieses Paradies im Ostseebad, das er vor Anspannung zunächst kaum genießen konnte. „Diese neue Rolle erfordert alle schauspielerischen Fähigkeiten von mir. Doch die Anspannung ist nun von mir abgefallen“, sagt Strunk, der regelmäßig als „Experte für alles“ für die Satiresendung „extra 3“ vor der Kamera steht. Dabei spielt er in dem Film quasi sich selbst als einsamen und einzigen Gast des Hotels, der sich am Ende des Jahres für ein Resumee zurückzieht. Strunk erklärt: „Es werden Themen jenseits der normalen Jahresrückblicke angesprochen. Die Großereignisse bleiben zwar hängen, aber das Jahr wird aus den kleinen Dingen geprägt.“

So präsentiert er in zwölf Einzelbeiträgen unter anderem seine besondere Sicht auf das Leben von Carsten Maschmeyer, seine individuelle Lösung für die Flüchtlingsfrage oder er ehrt den Lurch des Jahres – den Feuersalamander. „Mir war wichtig, dass die abgenudelten Themen wie Trump, VW-Skandal oder die Causa Böhmermann nicht vorkommen.“

Allein ist er bei seiner Gedankenreise jedoch nicht: Die Hotelangestellten – alle gespielt von Kollege Olli Schulz (43) – sorgen sich um das Wohl des Schriftstellers. Zum ersten Mal stehen die langjährigen Freunde gemeinsam vor der Kamera. „Ich habe die Ehre, ihm als Dienstleister zur Hand zu gehen“, sagt der Singer-Songwriter und Moderator.

In dem Kammerspiel mimt Schulz vom Portier bis zum Kellner sämtliches Personal, das ein Fünf-Sterne-Haus beschäftigt. „Ich habe in meinem Leben schon viele Gelegenheitsjobs gemacht. Das kommt mir hier zugute“, erklärt er. In seinen kleinen Rollen ist er nicht immer sympathisch, aber stets überzeugend. „Ich bin wie ein Chamäleon. Am liebsten trage ich Uniformen und nichts darunter.“

Als Kellner leistet er Strunk auch in seiner Suite Gesellschaft. Auf das Stichwort „Reichsbürger“ betritt Schulz das Set, nimmt neben seinem Kompagnon Platz und serviert mit weißen Baumwollhandschuhen Tee auf einem Silbertablett. „Ist der Brexit bei ihnen schon angekommen? Fühlen Sie mal!“, fordert Strunk ihn auf. „Nein, ich fühle nichts“, entgegnet Olli Schulz.

Auch persönlich sind für Schulz andere Themen die Höhepunkte des Jahres: Private Momente mit seiner Tochter oder zahlreiche Festival-Auftritte als Musiker. „Es war ein turbulentes Jahr mit zu vielen Todesfällen von guten Menschen“, sagt der Schauspieler, der durch verschiedene TV-Produktionen und den Podcast „Fest und Flauschig“ mit Jan Böhmermann bekannt wurde. Bei dem Dreh kommt auch er an seine Grenzen. „Ich bin ein ungeduldiger Mensch“, gibt Schulz zu. Mit allen Vorbereitungen kann die Aufnahme einer 20-sekündigen Szene schnell ein bis zwei Stunden dauern.

Am ersten Tag arbeitete das Team um die Autoren Matthias Grübel, Marike Schmidt-Glenewinkel und Produzent Freddy Radeke von 7 bis 23 Uhr. „Da zerrt es manchmal an den Nerven, wenn die Gäste durchs Bild laufen“, erklärt Schulz. Denn die Dreharbeiten in der Bibliothek, der Lobby, in der Nelson Bar oder im Spa finden bei laufendem Betrieb statt. „Das ist so nur in der Nebensaison möglich“, sagt Dorit Wehmeyer, Sprecherin vom Grand Hotel. Das Hotel habe sich inzwischen als attraktive Kulisse für Film-Produktionen etabliert. In den letzten fünf Jahren haben in dem Haus mehr als 30 Drehs stattgefunden, die eine große Strahlkraft gehabt hätten. „Durch frühere Sendungen haben wir viele Gäste gewonnen“, betont Wehmeyer. Die 30-minütige Sendung, die der NDR in dieser Woche produzierte, wird kurz vor Weihnachten am 21. Dezember ausgestrahlt und auf der Internetplattform „ Youtube“ verfügbar sein.

Heinz Strunk hat mit der satirischen Sendung, die von NDR-Redakteur Christian Sieh auch als „uneheliches Kind von extra 3“ beschrieben wird, Großes vor. „Es geht um nicht mehr als den Grimme-Preis“, erklärt er selbstbewusst. Bis Sonntag bleibt der Autor noch in Heiligendamm. Doch der nächste Besuch steht bereits fest: Am 31. März ist eine Lesung aus Strunks aktuellem Buch „Der goldene Handschuh“ im Ballsaal des Grand Hotels geplant.

Lisa Fritsche

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