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00:00 02.11.2016
Waldemar Rösler: „Schlucht mit Badenden“ (1914, Öl auf Leinwand).

Die räumlichen Gegebenheiten im Kunstmuseum Ahrenshoop geben die Möglichkeit, beide Künstler separat voneinander zu zeigen. Waldemar Rösler und Joachim Böttcher sind in ihrem Schaffen eben sehr unterschiedlich. Gut für den Besucher, der sich zu den Werken der beiden Künstler zurückziehen kann.

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Zwei neue Ausstellungen bietet das Kunstmuseum Ahrenshoop: Malerei von Waldemar Rösler sowie Malerei und Skulptur von Joachim Böttcher

So würdigt das Ahrenshooper Museum in einem eigenen Ausstellungsraum den Maler Waldemar Rösler (1882-1916). Anlass ist der 100. Todestag des Künstlers. Der Bezug zu Ahrenshoop ist schnell hergestellt. „Er hat viel am Meer gemalt“, sagt Kuratorin Katrin Arrieta über den Künstler. Das Schaffen fand zwar vorrangig in der ostpreußischen Heimat Röslers statt, aber die Parallelen sind deutlich. „Ein Secessionist am Meer“ ist nun die Rösler-Ausstellung untertitelt. Wie in den großen Künstlerkolonien jener Zeit war es auch bei Waldemar Rösler so: „Er hat viel vor der Natur gemalt“, sagt die Kuratorin über den Schaffenprozess. Davon zeugen heute noch Werke wie „Landschaft mit Liebespaar“ (1908) oder „Wachbudenberg“ (1913). Zunehmend impressionistische Landschaftsdarstellungen, die geradezu leuchten, auch „Strand mit Badenden“ (1914).

Jetzt sind in Ahrenshoop auch einige Werke zu sehen, die seit der großen Rösler-Ausstellung zu seinem 100. Geburtstag 1982 in der Ostdeutschen Galerie Regensburg nicht mehr ausgestellt worden waren.

Denn heute sind die Werke von Waldemar Rösler weit verstreut. Sie befinden sich unter anderem in der Nationalgalerie Berlin, im Stadtmuseum Berlin, in der Galerie Neue Meister in Dresden oder im Museum der bildenden Künste Leipzig. Sie wurden von den Galerien teilweise bereits zu Lebzeiten angekauft. Auch das macht den Stellenwert von Röslers Kunst deutlich. In Kühlungsborn pflegt Anka Rösler-Krönke, Enkelin von Waldemar Rösler, sein Erbe, sie betreibt das Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke. Auch von dort kamen Leihgaben zur aktuellen Schau in Ahrenshoop.

Dort sind jetzt 23 Gemälde und 20 Grafiken von Waldemar Rösler zu sehen, sie geben mehr als nur einen Eindruck vom Schaffen des Malers. Dabei leuchtet auch das kurze Leben des Künstlers auf. Ein Selbstbildnis des Malers aus dem Jahr 1904 zeigt einen entschlossen dreinblickenden Waldemar Rösler. Der damals 22-Jährige hatte in Königsberg seine Heimat, im Ostpreußischen, vorrangig im Badeort Klein Kuhren, entstand auch sein Schaffen. Folgerichtig sind in der aktuellen Schau zum Teil in leuchtenden Farben gefertigte Arbeiten zu sehen, mit denen Waldemar Rösler die ostpreußische Landschaft festgehalten hat. Menschen wirken manchmal wie verschluckt von der Landschaft. Es ging aber auch anders: Gemälde wie „Zwei Frauen am Meer“ (1911/12) oder „Zwei Kinder“ (1913) stehen außerhalb der Landschaftsthemen, sind einfühlsame Porträts und zeugen von den hohen handwerklichen Qualitäten Waldemar Röslers. Und weithin anerkannt war der Künstler schon damals: Bereits im Jahr 1911 war Rösler als Freund Max Beckmanns ein führendes Mitglied der Berliner Secession. Dies war offenbar die glücklichste und intensivste Zeit. Je intensiver man sich mit den Werken von Waldemar Rösler befasst, desto mehr wird auch sein Leben wieder lebendig, auch in seiner Tragik. Denn der Erste Weltkrieg war ein scharfer Einschnitt: Er wurde zum Militär eingezogen und hatte immer weniger Zeit für sein künstlerisches Werk, selbst an der Front entstanden noch einige Zeichnungen. Das letzte Lebenskapitel von Waldemar Rösler ist Thema von Spekulationen. Unter ungeklärten Umständen nahm sich Waldemar Rösler 1916 das Leben, so ist heute die gängige Expertenmeinung.

Einen scharfen Kontrast zur Kunst von Waldemar Rösler bieten die Werke von Joachim Böttcher. Die zweite neue Ausstellung im Kunstmuseum Ahrenshoop – die ebenfalls einen Extraraum einnimmt – bietet Malerei und Skulptur des Künstlers. Anlass hierfür ist der 70. Geburtstag des Künstlers, der bereits im Januar 2016 war. Der 1946 geborene Böttcher verdient diese Würdigung, denn: „Er hat nie eine große Öffentlichkeit bekommen“, urteilt Kuratorin Katrin Arrieta. Das betrifft auch seine Rolle in der DDR-Kunstszene, in der der Künstler seinen eigenen Weg ging. Böttcher, der von 1967 bis 1972 in Dresden Malerei studiert hatte, war später, in der Zeit von 1980 bis 1983, Meisterschüler von Werner Stötzer an der Akademie der Künste in Berlin.

Zwölf zum Teil großformatige Gemälde und neun Skulpturen von Joachim Böttcher sind jetzt in Ahrenshoop zu sehen, sie zeugen von der Vielseitigkeit des Künstlers. Seine Skulpturen haben den menschlichen Körper zum Thema, allerdings in einer sehr reduzierten Weise, die etwas anderes deutlich machen – Spannungen und Erdverbundenheit, auch Verletzlichkeit. Was Böttchers Malerei angeht: Im Kern ist sie abstrakt; war sie früher noch farbkräftig und kontrastreich, so sind die neuen Bilder monochrom.

Zwei Ausstellungen

Die Ausstellung von Waldemar Rösler „Ein Secessionist am Meer“ ist zu sehen bis zum 19. März 2017. Die Schau von Joachim Böttcher unter dem Titel „Malerei und Skulptur“ läuft bis zum 18. Dezember 2016.

Öffnungszeiten im Kunstmuseum Ahrenshoop von dienstags bis sonntags in der zeit von 10 bis 17 Uhr. Eintrittspreise: Erwachsene: 8 Euro, Studenten: 4 Euro, Schüler:   3 Euro, Kinder bis sechs Jahre frei

Thorsten Czarkowski

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