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Kultur Schattierungen von Grau im Kunstraum St. Georgen
Nachrichten Kultur Schattierungen von Grau im Kunstraum St. Georgen
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00:00 16.04.2016

Wismar. Gegen 17 Uhr fällt das Sonnenlicht durch die gotischen Fenster der Südkapelle direkt auf die vier riesigen Bilder. 2,30 mal 1,50 Meter groß sind die Ölmalereien, auf denen sich zwischen strahlendem Weiß und tiefem Schwarz ein Universum an Grautönen entfaltet. In nur vier Wochen, während ihres Aufenthaltes im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf in Brandenburg, hat Miro Zahra sie geschaffen. Die Leinwand war an eine Wand gepinnt, die zierliche Malerin musste auf eine Leiter klettern, um zu arbeiten. Nun lehnen die Kunstwerke, auf je zwei Ziegelsteine gestellt, an der Backsteinmauer. „Sie wirken dadurch weniger wie Bilder, sondern eher wie Installationen“, erklärt die Malerin. Der pragmatische Hintergrund dieser Präsentation: An den Jahrhunderte alten Mauern der St. Georgenkirche dürfen keine Halterungen angebracht werden.

In der Mitte entspringt ein Fluss

Vier Wochen lang sind in der Südkapelle Ölbilder und eine Klanginstallation von Miro Zahra zu erleben — auf Einladung der Hansestadt Wismar, die die Georgenkirche auch als Ausstellungsraum betreibt.

Die 1960 in Böhmen geborene Künstlerin, die an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studiert hat und seit 1985 in Plüschow in Nordwestmecklenburg lebt und dort seit 25 Jahren das Künstlerhaus im ehemaligen Schloss leitet, ist bekannt für ihre monochrome Malerei. Das heißt, die Bilder werden jeweils von einer Farbe dominiert. In der aktuellen Ausstellung dekliniert sie die Farbe Grau in all ihren Schattierungen durch. Je nach Fokussierung oder Lichteinfall ändern sich die Farbtöne, Linien und Muster erscheinen wie diffuse Schatten oder Spiegelungen, die sich im nächsten Moment schon wieder ändern könnten.

„Im Fluss“ heißt die Ausstellung der Kulturpreisträgerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, und dieser Titel betont einerseits die Flüchtigkeit des Augenblicks und weist andererseits auf den Schaffensprozess der Künstlerin hin. „Das Bild wird zum Ausweis und Zeugnis des Arbeits- und Entstehungsprozesses“, sagt die Malerin. „ Das Malen als künstlerische Handlung ist eine der Möglichkeiten, der Welt um und in uns näher zu kommen.“ Und der Betrachter soll ruhig sehen, wie die Bilder Schicht um Schicht gewachsen sind. An den seitlichen Rändern der Rahmen erzählen rote Farbnasen vom ersten Arbeitsschritt: Miro Zahra grundiert all ihre Bilder mit roter Farbe.

Wer sich ganz in Ruhe den Bildern widmen möchte, kann sich auf die Bänke in der Mitte setzen — und darunter entspringt, zumindest akustisch, ein Fluss. In ihrer Klang-Collage hat Miro Zahra zusammen mit Rainer Viltz Töne aus der Natur wie plätscherndes Wasser mit Gesang kombiniert, „ein ständiges Rauschen wie aus einer Quelle“. Über Kopfhörer kann man darüber hinaus ausgewählte Texte von Henry David Thoreau hören. Der amerikanischer Schriftsteller und Philosoph ist einer der Urväter der Naturbeschreibung. Er lebte zwei Jahre lang in einer Blockhütte im Wald und schrieb Tagebuch. Aus diesen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1837 liest Miro Zahra einige Auszüge wie: „Das Bächlein ist es, dessen silberner Sand und Kiesel ewige Lieder mit dem Frühling singen. Die frühen Fröste schlagen Brücken über sein schmales Bett, und sein Gequengel erstummt.“

Heute um 17 Uhr wird die Ausstellung eröffnet, wenn die Nachmittagssonne durch die hohen Fenster fällt und die flackernden Schatten der Bleiverglasungen die Ölbilder immer wieder in neuem Licht erscheinen lassen. Alles im Fluss.

Von Petra Haase

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