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Kultur Schauspielstudenten entsetzt: Politik kippt Premiere erneut
Nachrichten Kultur Schauspielstudenten entsetzt: Politik kippt Premiere erneut
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00:00 09.06.2016

Montag wurde der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, entlassen. Morgen sollte im Theater das Stück „Sex und Liebe“ Premiere feiern. Das geht nun nicht. Die Shakespeare-Adaption ist Latchinians letzte Arbeit in Rostock. Eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Wegen seiner Entlassung muss die Aufführung nun aus dem Großen Haus in die HMT umziehen.

Dort wird das Stück schmucklos aufgeführt. Ohne Bühnenbild, ohne Requisite. Auch werden neun weitere Aufführungen gestrichen. Für das Volkstheater ein Schaden von 6000 Euro. Für die Studenten der zweite Schlag ins Gesicht. Vor einem Jahr wurde die Koproduktion „Second Hand Time“ mit dem Theater gekippt, weil Latchinian zum ersten Mal gefeuert wurde.

Unter dem Titel „Koproduktion in Gefahr“ haben sich Studenten mit einem Brief an die Aufsichtsratschefin des Theaters, Sybille Bachmann (Rostocker Bund), gewandt – auf einen Antrag ihrer Partei hin, wurde der Intendant abberufen. Die Studenten beklagen, dass ihre Proben schon im Februar durch politische Querelen gestört worden seien und die Premiere verschoben werden musste. „Aber einen Tag vor der ersten Hauptprobe den Intendanten und Regisseur fristlos zu kündigen, kommt einer Sabotage unserer Produktion gleich“, heißt es. Zudem fordern sie die Möglichkeit, die Endprobenwoche mit dem Regisseur im Theater nutzen zu können.

„Man hat uns zwar angeboten, mit Dramaturg und Regieassistenz zu proben“, sagt HMT-Rektorin Susanne Winnacker. Doch das sei keine Lösung. „Das Stück ist Teil des Lehrplans, der beurteilt wird. Es zu spielen muss den Studenten auch ermöglicht werden – und zwar mit Regisseur“, so Winnacker. Doch Latchinian darf aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht mehr ins Theater. Weil die Bühnen nicht kompatibel sind, müssen die Studenten auf das Bühnenbild verzichten. „Das war ein wichtiger Bestandteil“, sagt Student Luke Neite: „Aber es geht um die Frage, wie die Politik mit uns umgeht – ignorant und grob fahrlässig.“

Auch bei der Kooperation 2015 war Latchinian wenige Wochen vor der Premiere entlassen worden, so dass Ort und Regisseur ausgetauscht werden mussten. „Nun ist zum zweiten Mal unser Ausbildungsplan gefährdet“, sagt Neite. „Heute wäre Generalprobe gewesen. Nun fangen wir wieder bei null an“, so Lia von Blarer (23).

„Das Arbeitsrecht habe keinen anderen Zeitpunkt zugelassen“, erklärt Bachmann. Studium und der Abschluss des Projektes seien nicht gefährdet, glaubt sie. Entsetzt zeigt sich auch die Berliner Schauspielerin Stephanie Amarell, bekannt aus „Tatort“, „Das weiße Band“ oder „Dresden Mord“. Die 19-Jährige aus Templin hat Anfang des Jahres am Volkstheater hospitiert und an der Seite von Latchinian an „Sex und Liebe“ gearbeitet. Sie sagt: „Das überrascht mich nicht bei dem hin und her. Aber der Umgang mit Herrn Latchinian und den Studenten ist unter aller Sau. Ein Armutszeugnis. Der Intendant ist gescheitert an Inkompetenz anderer, gekoppelt mit zuviel Macht.“ Der Stadt gehe eine tolle Inszenierung verloren. Auch Marlene Ickert (19) aus Oldenburg in Niedersachsen, die ein freiwilliges soziales Jahr am Theater absolviert, ist „sprachlos und fassungslos“. Sie sagt: „Der Termin der Kündigung ist unfassbar unpassend und rücksichtslos. Das lässt zweifeln an dieser Stadt und auch verzweifeln.“

Michael Meyer und Stefanie Büssing

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