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Kultur „Schiff der Träume“ aus Hamburg beim Berliner Theatertreffen
Nachrichten Kultur „Schiff der Träume“ aus Hamburg beim Berliner Theatertreffen
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00:00 07.05.2016
Berlin

Das Theatertreffen in Berlin gilt als Leistungsschau des deutschsprachigen Regietheaters. Eine siebenköpfige Jury einigt sich Jahr für Jahr auf die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das zweiwöchige Gastspiel-Festival wird stets in den ersten Maitagen im feinen Bezirk Charlottenburg im Haus der Festspiele mit einer großformatigen Aufführung eröffnet, die das Zeug hat, auch politisch Welle zu machen.

Gestern Abend richtete sich die geballte Aufmerksamkeit auf das „Schiff der Träume“ vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Das Stück wagt eine aktualisierte Neuversion des gleichnamigen Films von Federico Fellini aus dem Jahr 1984 und deutet das Flüchtlingsthema als Zusammenprall der Kulturen. Die Inszenierung von Karin Beier hat bereits nach der Premiere am 5. Dezember 2015 unter Theaterkritikern für viel Jubel und Ablehnung gesorgt.

Die Mitglieder eines zerstrittenen Orchesters reisen mit einer Urne auf einem Luxusliner, dem Sinnbild für die „Festung Europa“. Sie wollen die Asche ihres despotischen Dirigenten verstreuen und führen ihm zu Ehren noch einmal dessen Werk „Human Rights Nr. 4“ auf. Natürlich ist es kurzweilig, wenn große Schauspieler wie Charly Hübner und Michael Wittenborn, Lina Beckmann und Bettina Stucky exaltierte Typen aus der Wohlstandswelt markieren. Im ersten Teil reihen sich musikalische Petitessen, skurrile Szenen, platte und gehobene Albernheiten aneinander. Doch dann, kurz vor der Pause, entern fünf afrikanische Migranten die Bühne, die aus einem Flüchtlingskahn gerettet wurden. Die athletischen Männer stören das Seebestattungs-Zeremoniell und geben dem mehr als dreistündigen Theaterabend eine ganz neue Richtung.

Flüchtlinge auf der Bühne gab es bei der Eröffnung des Theatertreffens auch schon im vergangenen Jahr. In dem Elfriede-Jelinek-Stück „Die Schutzbefohlenen“ ließ der Regisseur Nicolas Stemann einen Chor aus wütenden, blutigen Laien aufmarschieren. So sehr sie sich beim Sprechen auch Mühe gaben, sie sollten ungehobelt und bedrohlich wirken. Damit nahm das Hamburger Thalia Theater Anleihen beim sogenannten Dokumentartheater, das dem Ästhetizismus der Bühnenkunst zu neuer Authentizität verholfen hat.

Regisseurin Beier macht es aber anders. Im „Schiff der Träume“ zieht sie professionelle Performer mit schwarzer Hautfarbe hinzu, die allerdings nichts anderes sollen, als Klischee-Refugees von der Straße zu mimen. Die Fünf verkörpern Jugendlichkeit, Energie und Tatkraft, Frohsinn, Humor und Lebenslust und lassen die Vertreter des Abendlandes nur noch alt und depressiv aussehen. „Das Ganze ist von einer derartigen Holzschnittartigkeit, dass man beinahe von positivem Rassismus sprechen möchte“, schrieb Till Briegleb in der „Süddeutschen Zeitung“.

Nach der Pause gibt Regisseurin Beier die Form auf und wählt neue Stilmittel. Ihre Inszenierung verwandelt sich in ein virtuoses Kuddelmuddel aus Polit-Kabarett, belehrenden Vorträgen und zynischen Unterweisungen., wobei das Publikum einbezogen wird.

Noch, so scheint es, liegen die Nerven in der Flüchtlingsfrage so blank, dass auch die Theaterleute noch keine Form entwickelt haben, die Konflikte differenzierter darzustellen. Stattdessen laden die Häuser zu diversen Podiumsdiskussionen oder Willkommensfesten ein. Viele Ensembles üben sich auch in Aktivismus, sammeln spenden oder öffnen, wie in Hamburg, sogar ihre Häuser als Notunterkünfte.

Doch eine Zeit, in der so plakativ und engagiert über gut und böse gestritten wird, wird irgendwann auch in der dramatischen Kunst bleibende Spuren hinterlassen. Noch scheint es nicht so weit.

Karim Saab

OZ

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