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Schillers „Kabale und Liebe“ im modernen Gewand

Rostock Schillers „Kabale und Liebe“ im modernen Gewand

Frisch, temporeich und unkonventionell hat Kay Wuschek den Schiller-Klassiker am Rostocker Volkstheater inszeniert.

Rostock. Eine leidenschaftliche Liebe, die durch Intrigen (Kabalen) zerstört und am Ende zur Tragödie wird – bis heute ist Schillers bereits 1784 veröffentlichtes Trauerspiel „Kabale und Liebe“ eines seiner wirksamsten und an deutschsprachigen Theatern meistaufgeführten Bühnenstücke. Temporeich und unkonventionell hat Kay Wuschek, Intendant des Theaters an der Parkaue Berlin, den Stoff am Rostocker Volkstheater nach 13 Jahren erstmals wieder auf die Bühne gebracht.

Zugegeben, Schiller wäre sicher überrascht gewesen, wenn er gesehen hätte, wie Präsident von Walter (Ulrich K. Müller) auf der Bühne eine Nase Koks zieht oder mit verfremdeter Stimme durch ein Mikrofon spricht. Es sind durchaus unkonventionelle Methoden, mit denen Wuschek den Sturm- und-Drang-Klassiker, der die Liebe eines Adligen und einer Bürgerlichen behandelt, in die Gegenwart holt.

Kurz zum Inhalt: Der adlige Ferdinand von Walter (Alexander von Säbel) und die bürgerliche Luise Miller (Sophia Platz) verlieben sich ineinander. Doch Ferdinands Vater, Präsident von Walter, will, um seinen Stand bei Hof aufrechtzuerhalten, seinen Sohn mit der Mätresse des Herzogs, Lady Milford (Lisa-Marie Fedkenheuer), vermählen. Als sich Ferdinand weigert und durchbrennen will, werden diverse Intrigen geschmiedet, eingefädelt von Wurm (Bernd Färber), dem Sekretär des Präsidenten, der selbst in Luise verliebt ist. Weil Ferdinand die Intrigen nicht durchschaut, zweifelt er schließlich an Luises Liebe und vergiftet die Geliebte und sich selbst.

Es sind die verlogenen Moralvorstellungen der Höhergestellten, die Schillers Stück anprangert, gleichzeitig richtet es sich gegen gesellschaftliche Machtstrukturen, die Ungleichheit, Unfreiheit und Furcht vor Autoritäten erzeugen. Das Stück zeichnet eine grausame Welt, in der eine Jugend, die nicht mit dem Strom schwimmt, zugrundegerichtet wird. „Frei wie ein Mann will ich wählen“, sagt Ferdinand, doch für den Versuch, sich gegen die väterliche Dominanz aufzulehnen, bezahlt er mit dem Leben.

Mit seiner Produktion öffnet Wuschek Gedanken-Räume, spielt mit Normen, Klischees und Vorstellungen. Die Grundlage bietet das Gerüst Schillers, an dem sich die Figuren im Spiel höchst affektgeladen entfalten.

Trotz aller Dramatik zeichnet Wuschek seine Figuren als skurrile Charaktere mit einem Hauch von Humor. Sie dienen dem Zuschauer weniger zur Identifikation als dazu, von außen einen Blick auf den Stoff zu werfen. So sind es besonders Randfiguren wie Miller (Ulf Perthel), Stadtmusikant und Vater von Luise, sowie Hofmarschall von Kalb (Steffen Schreier), die Spielfreude, Humor und Tiefe vereinen.

Auch äußerlich „peppt“ Wuschek das Stück auf, indem er sich eines minimalistischen Bühnenbildes bedient, das anmutet wie eine Welt aus grauem Beton, in der sich die Schauspieler auf zwei Rampen bewegen, während im Hintergrund verschiedene Projektionen ablaufen. Was fast unmerklich beginnt, steigert sich im Laufe des Stückes zu immer groteskeren Szenen: Beispielsweise wenn Ferdinand und Luise zu Technobeats, Rotlicht und waberndem Nebel ihre Liebe zelebrieren. Trotz einer äußerlichen und teilweise sprachlichen Modifikation bleibt die Frage, inwiefern sich auch Schillers Inhalte auf das Hier und Heute übertragen lassen. Zumindest was Luise angeht, ist der Stoff brandaktuell; Ist es doch letztlich der Konflikt zwischen einer bedingungslosen Liebe und der Bindung an die bürgerliche Ordnung, an dem Luise zerbricht.

Stefanie Büssing

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