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Kultur Schlag nach bei Shakespeare“ – es lohnt!
Nachrichten Kultur Schlag nach bei Shakespeare“ – es lohnt!
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Maciej Kozłowski, Katarzyna Rabczuk und Semjon Bulinsky in der Aufführung „Kiss me, Kate“ am Theater Vorpommern Quelle: Vincent Leifer
Stralsund

Wie raffiniert: Auf der Bühne ein Spiel im Spiel und das lustvolle Vergnügen, dadurch gegebene Möglichkeiten des variablen Ebenen-Wechsels samt dramaturgisch dankbarer Beziehungskonstellationen bühnenwirksam zu nutzen. Cole Porter, Kultfigur besten amerikanischen Musicalstils, hat mit „Kiss me, Kate“ (1948) genau das getan und damit einen seit vorgestern auch am Theater Vorpommern erlebbaren Welterfolg gelandet. Wenn es eines Beweises bedurfte, dass ein geschickt geschriebenes Script, echtes Bühnenfeeling sowie die Text- und Musikqualitäten (Songs!) eines Cole Porter noch heute sehr unterhaltsam daherkommen können, dann haben das die Aufführung in Stralsunds Großem Haus und der begeisterte Premierenapplaus deutlich gezeigt. Da ist zunächst der Stoff. Erste Ebene: Eine Theatertruppe erarbeitet - mit entsprechendem Drum und Dran - Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. Zweite Ebene: Szenen aus Shakespeares Stück selbst. Was beide dominiert, ist großer Zoff zwischen den beiden erst unlängst geschiedenen Protagonisten. Zum Einen realiter (Scheidung), zum Anderen „gespielt“ bei Shakespeare. Und dort schlägt ersteres mit Zänkereien und Handgreiflichkeiten immer wieder durch: Eine partou nicht heiraten wollende (Shakespearsche) Widerspenstige probt – die Lebensrealität ziemlich direkt und wütend ausnutzend - den Aufstand! Ein Klasse- Bühnenspektakel á la commedia dell´arte. Natürlich mit happy end! Und mit einer Musik, die qualitativ jenseits gängiger Musical-Klischees liegt: hörbar von charakteristischen Situationen des Stückes inspiriert, gute alte Traditionen auch europäischen Musiktheaters aufgreifend und im Songstil (Welthits!) von ausgeprägter Individualität. Alles in allem beste Voraussetzungen für eine ambitionierte Aufführung. Wie vorgestern in Stralsund!

Manfred Ohnoutka (a. G.) inszeniert das Stück als äußerst schwungvolle, sehr für sich selbst sprechende Musikalische Komödie. Auf einer nur wenige Versatzstücke phantasievoll und praktisch nutzenden Bühne, mit raschen Tempowechseln, quirligen Ensembleszenen und wenig Scheu vor komödiantischem Theaterdonner reizt er alle Möglichkeiten effektvollen, bewusst kontrastgeschärften und abwechslungsreichen Spielens aus. Zu danken ist das vor allem auch einer Choreografie (Isabella Rapp (a. G.), die den Solisten wie dem wieder glänzend singenden Chor (Mauro Fabbri) bemerkenswert geglückt ein hohes Maß an anspruchsvollen gruppentänzerischen Aktionen abfordert. Beweglichkeit und Bewegung dominieren ein Spiel, das mit der die Bezugsebenen trennenden, teils opulenten Kostümierung (Bühne und Kostüm Christopher Melching) optisch punktet, vor allem aber als perfekte Musikshow glänzt. Hochform bei allen Protagonisten! Es ist kein Nachteil, wenn sich in der der hier gewählten, klangüppigeren und schon mal an Operette erinnernden Orchesterfassung von 1999 (Dom Sebesky) sichtlich inspirierte, von Spielfreude und Spielwitz geprägte, ja enthusiasmiert scheinende OpernsängerInnen engagieren. Allen voran Franziska Ringe und Alexandru Constantinescu, Katarzyna Rabczuk und Semjon Bulinsky, Karo Khachatryan, Yuji Natsume, Andrey Valiguras, Phila Terttunen und Thomas Rettensteiner. Beste Spiellaune auch bei Vorpommerns Philharmonikern, denen unter Leitung des seit Spielzeitbeginn neuen 1. Kapellmeisters Alexander Steinitz nichts an musikantischer Verve und verführerischer Klanglichkeit abging.

Nächste Aufführungen: am 23. März und am 7. April in Stralsund; Premiere in Greifswald am 13. April.

Ekkehard Ochs

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