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Kultur Schlager aus der heilen Hetero-Welt
Nachrichten Kultur Schlager aus der heilen Hetero-Welt
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09:07 15.03.2016
Henni Sieland (Alwara Höfels, li.), Maria Magdalena Mohr (Jella Haase, re.) und der Komissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) ermitteln in Dresden. Quelle: MDR
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Dresden

Ein Sachsen-Krimi fast ohne Sachsen. Ein Ermittler-Team voller Klischees. Nach 16 Jahren kommt wieder ein „Tatort“ aus Dresden – und legt einen dialoglastigen Fehlstart hin.

Nehmen wir mal die drei Hauptfiguren: Alwara Höfels verkörpert in „Keinohrhasen“ und „Fackju Göhte“ den Typ kernige Kumpelfrau. Als Oberkommissarin Henni Sieland agiert sie kaum anders, mal schroff und schnodderig, mal charmant, das Drehbuch lässt sie viele markige Sprüche aufsagen. Ausbaufähig.

Ihre Partnerin, Oberkommissarin Karin Gorniak, wird von Karin Hanczewski noch weniger vielseitig und sehr schlecht gelaunt gespielt. Als alleinerziehende Mutter eines rotzfrechen Sohnes darf sie ebenfalls rotzfreche Sachen zu dessen Lehrerin sagen. Sehr ausbaufähig. Beide Frauen sind (wie üblich im „Tatort“, etwa bei Lena Odenthal aus Ludwigshafen) mit ihrem Privatleben völlig überfordert.

Deutlich mehr Spaß macht da schon der Chef der beiden, Martin Brambach als Peter Michael Schnabel, denn der kann wenigstens sehr gut schauspielern. Allerdings ertrinkt auch seine Rolle in schmierigen Klischees: Als wenn der Fall der Mauer nicht schon 26 Jahre her ist, hat der weltfremde Ossi noch nie etwas von Coffee-to-go gehört. Er steckt ein gebrauchtes Taschentuch in die Tasche seines schlecht sitzenden Sakkos, hat am Handy einen lauten Schlagerklingelton und beschimpft das Internet, mit dem er natürlich auf Kriegsfuß steht. Dazu kommt noch Jella Haase, die als Polizeianwärterin genauso tapsig auftritt wie als „Schantalle“ in „Fackju Göhte“. Nervig. Nicht ausbaufähig, weil sie im Zuge der Ermittlungen totgetreten wird. Ein Substanzverlust für die künftigen Folgen ist das nicht.

Die Handlung rankt sich um einen Mord aus Gier in der ach so skrupellosen Schlagerbranche, die nur von einer heilen Hetero-Welt künden darf. Noch mehr Klischees also.

Das größte Rätsel aber bleibt der fehlende Mut zum Dialekt. Klar, sächsisch kann schrecklich klingen, aber warum wird sogar der eigens für den Film komponierte Song „Mein Sachsen, hier bin ich geboren“ auf hochdeutsch gesungen? Heftig sächseln darf nur ein schrulliger Zeuge und ein bisschen Rollo Marquardt als ausrangierter Manager.

Jeder verdient eine zweite Chance. Aber den nächsten Fall des Dresdner Ermittlerteams wünschen wir uns mit deutlich weniger Sprüchen vom Reißbrett und einer klischeefreien Story. Und ein bisschen mehr sächsisches Idiom halten auch die Fernsehzuschauer im Westen aus.

Von Lars Fetköter

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