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Kultur Schlüpfriges Instagram-Debüt
Nachrichten Kultur Schlüpfriges Instagram-Debüt
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00:00 11.09.2018
Charlotte Roches Vision: „Ich bei Snapchat, Instagram, Twitter, die volle Packung.“ Jetzt mischt die Autorin des Romans „Feuchtgebiete“ in Sachen Selbst- vermarktung erstmal kräftig bei Instagram mit. Quelle: Foto: Arne Dedert/dpa
Köln

Eine kleine Geschichte in bislang 51 Kapiteln: Charlotte Roche kämpft sich durch Instagram, jenes bunte Foto-Netzwerk, das schlimmer klebt als Plastik-Konfetti nach einem Festival. Dieses Netzwerk, in dem alle ständig Urlaub haben, in dem die Sonne nervtötend scheint und in dem sämtliche Menschen straffe Haut haben und sich daran in einer Komplimente-Herumreicherei ergötzen.

Virales Eigenmarketing: Seit Mai lässt Bestseller-Autorin Charlotte Roche die Welt an ihrem Alltag teilhaben.

In diesem Bilder-Karussell der Oberflächlichkeit mischt Charlotte Roche jetzt mit – acht Jahre nach der Gründung der Plattform. Mit ihrem späten Instagram-Debüt begibt die 40-Jährige sich noch einmal auf ein neues mediales Parkett. So postet sie als Chailatte_Roche Selfies, markiert Werbung und setzt manchmal auch ein paar Hashtags obendrauf. Die ehemalige Viva-Moderatorin wählt auch hier den betont ironischen Stil, für den sie bekannt ist. Charlotte Roches Foto-Beiträge sind wie Fritzchen-Witze: ein bisschen platt, aber auch ein bisschen lustig. Und wie ihre Romane „Feuchtgebiete“ und „Schoßgebete“ auch oft bewusst schlüpfrig.

In „Feuchtgebiete“ beschreibt die Autorin etwa blumenkohlartige Auswüchse im Analbereich, bei Instagram gibt sie sich bedeckter. Nippel werden nur nachgestellt – mit den Anschlüssen eines Feuer-Hydranten. Und sie textet „Mein Hund hat rote Haare“ zu einem Bild, das von unten an ihr hochfotografiert ist: Auf den ersten Blick sehen die roten Haarbüschel aus wie aus ihrem Intimbereich.

Körperpflege spielt bei Roches Instagram-Debüt eine große Rolle wie in ihren Büchern: Die grauen Haare werden nachgefärbt, und der Termin zur Krebsvorsorge beim Frauenarzt wird mit einem Selfie vor dem Arzt-Schild zelebriert – über allem liegt ein hübscher Retro-Fotofilter. Auf positive Kommentare verteilt die Autorin Smileys und Herz-Emoticons.

Angekündigt hat Roche ihren Ausflug in den Hashtag-Dschungel in ihrer Kolumne „Jetzt könnte es etwas wehtun“ im Magazin der Süddeutschen Zeitung mit den Worten: „Ich habe schon länger diese Fantasie:

ich bei Snapchat, Instagram, Twitter, die volle Packung. Na ja, sagen wir nur Instagram, wir wollen ja nicht übertreiben.“ Inzwischen, nach etwa fünf Wochen, lesen fast 5300 Nutzer mit.

Für Charlotte ist die Interaktion mit den Fans neu. „Insgesamt mag ich keinen direkten Kontakt zu Fans und noch schlimmer: Antifans. Ich habe die Kommentare zu dieser Kolumne zum Beispiel nie gelesen. Ist aber auch irgendwie feige, finde ich jetzt“, schreibt Roche in ihrer Kolumne. Ist die Nah-Fan-Erfahrung auf der Foto-Plattform womöglich eine Vorarbeit für ein neues Buch? Bei Instagram schreibt die Autorin zumindest unter einem Foto aus dem Piper-Verlag, dass etwas Neues kommen soll. Vielleicht tritt dann im Buch auch jener Nutzer auf, der unter fast jedem Bild Roches schöne Beine oder ihren „sexy Schatten“ kommentiert. Oder ein anderer Nutzer, der in langen Zeilen schreibt, warum Charlotte Roche als Männer-Hasserin aufhören sollte zu schreiben. Oder die bösartigen Worte eines anderen: „Da hat wohl zu lange keiner die Feuchtgebiete der Dame beackert.“

Auch als Autorin ist Roche eine Meisterin der Provokation. Die autobiografisch gefärbten Figuren ihrer Romane schwanken zwischen obsessiver Selbstdarstellung und ängstlicher Schüchternheit. Diese wechselhafte Kunstfigur den sozialen Netzwerken auszusetzen, ist ein interessantes Experiment.

Geraldine Oetken

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