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Schon die Lütten sollen Spaß am Plattschnacken haben

Schwerin Schon die Lütten sollen Spaß am Plattschnacken haben

Jane Sonnenberg (43) ist neue Landesbeauftragte für Niederdeutsch an den Schulen. Ihre Freude an der Sprache gibt sie an Kinder weiter.

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MV-Niederdeutsch-Beauftragte Jane Sonnenberg ist Lehrerin an der Grundschule Abtshagen bei Grimmen.

Quelle: Frank Söllner

Schwerin. Noch ist sie auf die Hilfe des Pförtners angewiesen, wenn sie sich im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur an der Schweriner Werderstraße zurechtfinden will. „Um mich genau auszukennen, bin ich erst zu kurze Zeit im Amt. Das habe ich ja erst am 1. Februar angetreten“, entschuldigt Jane Sonnenberg (43) ihre Unkenntnis der Örtlichkeit.

Bald jedoch, so hofft die neue Landesbeauftragte für Niederdeutsch an den Schulen, werde sie in diesem klassizistischen Verwaltungsbau auch einen eigenen Arbeitsplatz zugewiesen bekommen. Doch den, so ist sie sicher, wird sie eher selten besetzen, denn sie möchte „möglichst häufig vor Ort sein, Schulen besuchen, mit Lehrern und Schülern reden.“

Und dies vor allem in ihrem geliebten Platt. Das, so sagt sie, habe sie schon von Kindesbeinen an gelernt: „Ich bin in Wiebkenhagen in der Nähe von Ribnitz-Damgarten aufgewachsen. Dort wohne ich auch noch heute. Meine Eltern und Großeltern haben fast ausschließlich Plattdeutsch mit mir geredet.“

Das bereitete ihr zwar als Schulkind einige Probleme, doch verdankt sie nicht zuletzt der heimischen Verständigung auf Platt, dass sie heute als eine Fachfrau für Niederdeutsch gilt. Einen Ruf, den sich die Lehrerin von der Grundschule Abtshagen bei Grimmen durch ihre kindgemäße, oft humorvolle Stoffvermittlung erworben hat.

Wenn Jane Sonnenberg die Lütten erstmals mit „Gauden Dach, mine leiwen Schäuler“ begrüßt, begegnen ihr häufig fragende Blicke und manch verlegenes Kichern. „Doch schon nach wenigen Stunden haben viele Mädchen und Jungen ihre Scheu vor der ungewohnten Sprache abgelegt und fangen bereits an, ungehemmt zu plappern“, freut sich die Lehrerin.

Natürlich reichten die wenigen Stunden, in denen das Niederdeutsche vermittelt werde, nicht aus, meint sie. Die größten Fortschritte machten diejenigen Schüler, bei denen daheim Platt geredet werde.

„Doch oft sind die Eltern und Großeltern dabei zurückhaltend. Dabei können gerade sie dazu beitragen, dass die Schüler es als normal ansehen, sich in dieser Sprache zu unterhalten.“

Um den Zaghaften Mut zu machen, meldet sich die Lehrerin hin und wieder zu Hausbesuchen an: „Oft mit Erfolg. Plötzlich haben alle Familienmitglieder Freude daran, up Platt tau vertellen. Und die Kinder zeigen im Unterricht weniger Zurückhaltung, wenn dat ums Schnacken geit.“

Solche Erfolge haben Jane Sonnenberg an der Abtshäger Schule Anerkennung verschafft, sie zum Ansprechpartner für ihre Kollegen gemacht und ihr letztlich die Rolle als Organisatorin des Plattdeutsch-Wettbewerbs an ihrer Schule eingebracht: „Alle Grundschulklassen machen mit. In diesem Jahr sind erstmals die 1. Klassen dabei. Da werden kleine Vorträge gehalten, Lieder gesungen oder Gedichte aufgesagt. Beiträge, die eine Jury bewertet, zu der der Bürgermeister und plattdeutschkundige Senioren gehören.“

Solche Erfahrungen sowie die Teilnahme an Plattdeutsch-Kursen für Pädagogen und natürlich die Liebe zum Niederdeutschen gaben ihr den Mut, sich Ende des vergangenen Jahres um den vakant gewordenen Posten der Landesbeauftragten zu bewerben. „Ich hinterließ wohl einen guten Eindruck, als ich mich in Schwerin vorgestellt habe“, sagt sie durchaus selbstsicher. Und sie erhält dafür die Bestätigung von Mathias Brodkorb (SPD), Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur: „Die Entscheidung für Frau Sonnenberg fiel, weil sie über eine fundierte Ausbildung im Fach Niederdeutsch verfügt und sich schon lange erfolgreich für die Vermittlung der niederdeutschen Sprache einsetzt. Sie ist künftig unter anderem für die Fortbildung und die fachliche Beratung der Lehrer, die Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien auf diesem Gebiet und das Projekt ,Niederdeutsch in der frühkindlichen Bildung‘ verantwortlich.“

Die frischgebackene Beauftragte hat den Minister auch gleich als Schirmherrn des MV-Plattdeutsch- Wettbewerbes für Kinder und Jugendliche gewinnen können. „Im Land wird an 121 Schulen Plattdeutsch unterrichtet. Um möglichst viele Schulen für den Wettbewerb, der Ende des Jahres stattfindet, zu begeistern, werde ich in den kommenden Monaten viel unterwegs sein“, verspricht Jane Sonnenberg. Auch der Fritz-Reuter-Gesellschaft in Stavenhagen werde sie ihre Aufwartung machen und sich bei den Niederdeutsch-Beauftragten der Schulämter sehen lassen, kündigt sie an.

Und noch etwas hat sich Jane Sonnenberg vorgenommen: „Ich möchte dafür sorgen, dass ein niederdeutsches Leseheft für Kindertagesstätten herausgebracht wird. Damit könnte ein fließender Übergang von der Kita zur Schule in puncto Platt geschaffen werden.“ Gerne würde sie mit ihren Sprachkenntnissen dazu beitragen, das Leseheft zu füllen.

Denn neben einer Reihe von Plattdeutsch-Wörterbüchern zählt auch ein dicht beschriebenes Vokabelheft zu ihrem Besitz. Darin hat sie alles notiert, was ihr an Niederdeutschem begegnete. „Mit diesem Wortschatz komme ich schon recht weit, kann damit auch auf die meisten Fragen antworten.“ Doch sollte sie mal in Verlegenheit kommen, hat Jane Sonnenberg immer noch einen Ausweg: „Dann frage ich einfach meine Tante, die ist nämlich fast perfekt!“

Jane Sonnenberg ist unter ☎ 0174/6275887 zu erreichen.

Gefördertes Plattdeutsch
154 Lehrerinnen und Lehrer für die plattdeutsche Sprache gibt es in MV. An den Universitäten in Greifswald und Rostock werden Lehramtsstudenten ausgebildet, die das Fach Niederdeutsch belegen. Vor allem in Greifswald ist die Sprache beliebt: 30 Studierende befinden sich zurzeit in der Ausbildung.

19 Kindertagesstätten beteiligen sich am Pilotprojekt „Niederdeutsch in der frühkindlichen Bildung in MV“. Die Erzieherinnen aus den Einrichtungen haben an fünf Fortbildungen teilgenommen. Im Jahr 2011 schlossen 20 Erzieherinnen den Sprachkurs Niederdeutsch ab. Für die Fortführung des Projektes stellt das Bildungsministerium 50 000 Euro zur Verfügung.

Werner Geske

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