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Schulen in MV: Besuchspflicht für KZ-Gedenkorte umstritten

Rostock Schulen in MV: Besuchspflicht für KZ-Gedenkorte umstritten

Berliner SPD-Frau stößt Debatte an: Viele Schulen in MV lehnen einen Zwang ab. Das Land gibt Geld für Fahrten zu Gedenkstätten. Doch längst nicht jede Einrichtung nutzt das.

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Ein Schild mit der Aufschrift „Halt!“ im ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau in Oswiecim (Polen). Die Gedenkstätte wird jedes Jahr von vielen Menschen besucht.

Quelle: Daniel Naupold / Dpa

Rostock. Muss jeder Jugendliche in seiner Schulzeit einmal ein ehemaliges Konzentrationslager gesehen haben? Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) hat mit ihrer Forderung, es sollte eine Besuchs-Pflicht für KZ-Gedenkstätten für Schüler und auch alle Zuwanderer geben, bundesweit eine Debatte ausgelöst. Hintergrund sind gehäufte antisemitische Vorfälle in Deutschland. Der Zentralrat der Juden unterstützt ihr Anliegen.

Zuschuss für die Fahrten

Einige Länder wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz denken nun laut Medienberichten über die Einführung einer Pflicht nach. Die meisten sind jedoch dagegen, wie Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). „Schüler sollen sich in der deutschen Geschichte auskennen. Dabei spielt die Erinnerung an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte eine wichtige Rolle. Schüler zu einem Besuch von KZ-Gedenkstätten zu verpflichten, lehne ich aber ab“, sagt sie auf OZ-Anfrage.

Das Land unterstütze aber Schulklassen, die eine Gedenkstätte besuchen wollen. Pro Klasse können bis zu 500 Euro Zuschuss beantragt werden. Wie viele Schulen diese Förderung bisher nutzen, konnte das Ministerium nicht mitteilen. Kritik am Förderprogramm äußern auf OZ-Anfrage mehrere Schulleiter. Sie beklagen den bürokratischen Aufwand, den die Schulen betreiben müssen, um das Geld zu bekommen. Einige geben an, dass sie deshalb seit Jahren keinen Zuschuss mehr beantragen.

Befreiung von Auschwitz jährt sich

„Durch die Fördermittel sind Schulen in MV aber schon privilegiert, das gibt es nicht in allen Bundesländern. Ich kann nur allen Schulen dazu raten, davon Gebrauch zu machen“, sagt Ulrich Bongertmann vom Geschichtslehrerverband MV, zugleich Vorsitzender des Bundesverbandes. Nach seinem Wissen nutzen das Angebot viele Einrichtungen. Auch Fahrten ins ehemalige deutsche Vernichtungslager in der polnischen Stadt Auschwitz, dessen Befreiung sich heute zum 72. Mal jährt, werden über andere Wege gefördert.

Gefühle kann man nicht erzwingen

„Von einem Zwang wiederum halten wir nichts. Zu DDR-Zeiten war es Pflicht KZ-Gedenkstätten zu besuchen und viele berichten heute eher negativ davon, weil ihnen Emotionen aufgenötigt wurden“, sagt der Geschichtslehrer. Gerade im jugendlichen Alter erreiche man durch Zwang eher das Gegenteil. Noch schwieriger sei es bei arabischen Flüchtlingen, denn ihnen fehle oft der historische Kontext.

Intensive Aufarbeitung ist wichtig

Wie gehen Schulen in MV mit dem Thema um? Thomas Döring, Schulleiter am Innerstädtischen Gymnasium Rostock, kann dem Wort „Pflicht“ nichts Positives abgewinnen. Dennoch: Am ISG fahren alle zehnten Klassen seit Jahren nach Sachsenhausen und legen einen Gedenkkranz ab. „Am eindrücklichsten ist es, den Ort zu erleben, statt staubtrocken in Büchern darüber zu lesen“, sagt Döring. Die Schüler befassen sich vorab in einer Geschichtswerkstatt intensiv mit dem Thema. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht.“

An anderen Schulen in MV werden Gedenkstätten oft lediglich im Zusammenhang mit Klassenfahrten besucht, wenn diese nach Weimar oder Berlin gehen. Eine Mecklenburger Schulleiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, schildert, was der Zwang eines Besuchs aus ihrer Sicht auslösen kann. Sie habe mit Entsetzen beobachtet, wie „peinlich“ sich Jugendliche, die mit dem Thema nichts anfangen können, an den Gedenkstätten benehmen.

Virginie Wolfram

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