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Kultur Schwerin feiert Kulturen der Welt
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00:00 04.07.2016
Die Mecklenburgische Staatskapelle spielt am Sonnabend vor dem Schloss in Schwerin Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“.

„Na nzela na lola tokoyemba na ensengo“ (Solange wir hoffen, hat die Schöpfung eine Zukunft). So schallte am Samstagmittag beim Treffen „Schwerin singt“ ein afrikanisches Kirchenlied aus rund dreihundert Schweriner Kehlen über den Platz zwischen Schloss, Staatstheater und Museum. An diesem kulturreichen Wochenende in der Landeshauptstadt schien es, dass die Hoffnung der Schweriner sehr berechtigt ist: die Hoffnung, Weltkulturerbe-Stadt zu werden. „Greatings to the Universe“ war das Motto des dreitägigen Weltkulturfestes der Festspiele MV (1. bis 3.

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Beim Musikfest wirken Festspiele, Staatstheater und Land für weltoffene Kulturmetropole

Juli), bei dem insgesamt 2750 Besucher an 16 Spielstätten Musiker aus 20 Nationen erlebten – und das Universum grüßte freundlich zurück: putzte tagsüber mit kurzen Regenschauern Plätze und Schlossdächer, so dass sie in strahlender Abendsonne zum Open Air am Schlossgarten leuchteten.

Die Idee dieses Festes ist einfach und stark: Wer selbst Unesco-Weltkulturerbe werden möchte, muss auch die Kulturen der Welt beerben, also kennen. So boten die Festspiele mit dem Mecklenburgischen Staatstheater, den Museen und dem Welterbeverein ein faszinierendes Programm an, das neben der Eröffnung des Uecker-Museumsneubaus musikalische Glanzlichter ins Land holte und diese an jenen Schweriner Glanzorten präsentierte, die als Residenz-Ensemble auf die Unesco-Liste gebracht werden sollen. Am Sonnabend musste das Publikum dabei aus zwölf Angeboten vier auswählen – sehr schwer.

Es wurde ein bunt schillerndes Weltmusikfestival, bei dem nichts unmöglich ist: In den Plenarsaal des Schlosses, wo sonst der Landtag spaßfrei streitet, brachten Samba- und Bossa-Nova-Klänge lateinamerikanischen Schwung. Ein riesiges Alphorn wurde zum Highlight in der Jazzband des Wiener Bassisten Georg Breinschmid, aber nicht als Kuriosität, sondern als überraschend virtuoses Soloinstrument im Spiel des russischen Hornisten Arkady Shilkloper. Und im Marstall, wo seit zwei Tagen eine bemerkenswerte Ausstellung das Thema Nachhaltigkeit ästhetisch aufarbeitet (mit Ablegern in Schloss Bröllin und der Nikolaikirche Rostock), zeigte der iranische Perkussionist Mohammad Reza Mortazavi, wie in einer der ältesten Kulturen der Menschheit aus Fingerfertigkeit magische Klangwelten gezaubert werden.

Die Debatten um Schwerins Weltkulturerbe-Antrag befinden sich derzeit in der Schlussphase. Bis Oktober muss entschieden werden, ob der jetzige Antrag als besonderes Residenz-Ensemble nochmals erweitert wird um die einzigartige künstlich angelegte Landschaft, in der diese Gebäude stehen. Die Festspiele plädierten mit ihrem glanzvollen Open-Air-Konzert am Samstagabend schon mal für die Landschaft: auf der „schwimmenden Wiese“ neben dem Schlossgarten mit Blick auf Schloss und Stadt. Furios und klangschön spielte dort die Mecklenburgische Staatskapelle unter Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Huppert Antonin Dvoraks neunte Sinfonie („Aus der Neuen Welt“). Unmittelbar aus jener Neuen Welt traten anschließend die New York Gypsy Allstars auf die Bühne – und rissen mit funkigen, von Balkan, Latin oder Orient inspirierten Nummern das Publikum von den Sitzen. Zuweilen begleitet durch die Schweriner Philharmoniker und am Ende im lebhaften Dialog mit dem Klarinettisten Matthias Schorn, dem Publikumsliebling der Festspiele seit zwei Jahren.

Ein überzeugendes Weltkulturfest – und ein durchweg überzeugender Auftritt für einen wünschenswerten Welterbestatus.

Schloss bald Unesco-Weltkulturerbe?

Die Idee, das Schloss zum Weltkulturerbe zu machen, verfolgt die Landeshauptstadt seit den 1990er Jahren. Der aktuelle Antrag, mit dem Schwerin es auf die nationale Bewerberliste geschafft hat, verspricht mehr Erfolg: Unesco-Weltkulturerbe soll das Residenzensemble mit Schloss, Museum, Theater und Verwaltungsgebäuden sein – es repräsentiert einen Fürstensitz des 19.

Jahrhunderts im Stile des romantischen Historismus.

Dietrich Pätzold

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