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Kultur Schwierige Kooperation zwischen HMT und Volkstheater in Rostock
Nachrichten Kultur Schwierige Kooperation zwischen HMT und Volkstheater in Rostock
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00:05 03.03.2016

Die versprochene Zusammenarbeit des Rostocker Volkstheaters und der Hochschule für Musik und Theater in Rostock (HMT) erweist sich als holprig. Bisher gab es pro Spielzeit ein bis zwei gemeinsame Projekte, eine weitere Kooperation der beiden kulturellen Institutionen der Hansestadt scheitert aber offenbar daran, dass zwei Alpha-Tiere einfach nicht miteinander können.

Der Intendant des Volkstheaters, Sewan Latchinian (54), sagt, dass es wohl an Kommunikationsproblemen gelegen habe. Die Zusammenarbeit an der Oper „La Bohème“ in der Fassung von Ruggero Leoncavallo in dieser Spielzeit sei daran gescheitert, dass die Anfrage zu kurzfristig gekommen sei. Die HMT hatte sich den Opernchor des Volkstheaters ausleihen wollen. Latchinian: „Produktionen im Musiktheater brauchen zwei Jahre Vorlauf. Frau Winnacker hatte erst ein halbes Jahr vorher angefragt.“ Das sei zu spät gewesen. Das Volkstheater sei gern bereit gewesen, das Projekt zu verschieben. Latchinian:

„Das wäre besser gewesen, als es mit Gewalt anderweitig durchzusetzen.“ Da hat die HMT dann aber abgewunken.

Eine Kooperation 2015 mit Woody Allens Stück „Gott“ im Rostocker Stadthafen war bescheiden ausgegangen. Das Stück wurde eine Art Klamauk und floppte. Hinter den Kulissen soll es kräftig rumort haben.

Positive Beispiele seien die jährliche gemeinsame Produktion pro Spielzeit mit Shakespeares Mix „Sex und Liebe“, die Dramaturg Martin Steffke für Juni auf die Bühne bringt, und die Kooperation „Odyssee Europa“ — Abschlussprojekt der HMT-Klasse Pop- und Weltmusik der Berliner Gastprofessorin Barbara Felsenstein — eine einmalige Aufführung auf Dozenten- und Dramaturgenebene, die am 24.

Januar ins Volkstheater kam.

Weiteres negatives Beispiel: „Nathan der Weise“. Im Lessing-Drama hätte Latchinian die Rolle des Tempelherrn gern mit einem HMT-Studenten besetzt. „Bei genauer Betrachtung seiner Studienpläne ging es dann nicht.“ An der HMT habe es Bedenken gegeben, dass sich das Engagement des Studenten zu sehr auf sein Studium auswirken könnte. Die Zusammenarbeit wurde gestoppt. Das kann Latchinian nicht nachvollziehen: „Ja, die Arbeit am Theater wirkt sich auf das Studium aus — ich bin überzeugt, positiv.“

Der Intendant erinnert sich gerne an seine eigene Studienzeit in Berlin: „Für mich war es beglückend, schon im dritten Semester am Berliner Ensemble und am Deutschen Theater spielen zu dürfen.“ Nicht nur der reine Vorstellungsbetrieb bringe den Studenten etwas, die Arbeit am Theater schaffe auch ein Bewusstsein dafür, was Theater ausmache. „Das ist eine solche Schule des Lebens, das sollte Frau Winnacker nicht stoppen.“

Eine enge Kooperation sei schon daher wichtig, weil die beiden Institutionen aufeinander angewiesen seien, betont der Intendant mit Blick auf das Damoklesschwert der Spartenstreichung: „Eine Beschädigung des Volkstheaters könnte auch eine Beschädigung der HMT nach sich ziehen.“ Der Studienstandort Rostock würde wesentlich unattraktiver, meint Latchinian: „Wer geht noch nach Rostock, um Theater zu studieren, wenn man den Beruf hier nicht mehr ausüben kann?“ HMT-Rektorin Susanne Winnacker (52) wollte sich weder dazu äußern, wie die Zusammenarbeit bisher ausgesehen habe noch was in Zukunft geplant sei.

Interessant am Rande: Schwerin würde eine engere Verzahnung der Institutionen nicht nur aus finanzieller Sicht begrüßen. Um die Vernetzung zwischen HMT und Theatern zu fördern, hat Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) im Herbst sogar eine Akademie für Theater und Orchester für MV auf den Weg gebracht. Über Stipendien sollen HMT-Studenten an den Theatern des Landes Erfahrungen sammeln und bereits Geld verdienen. 750 000 Euro sollen dafür über einen Zeitraum von fünf Jahren zur Verfügung gestellt werden.

Verantwortlich für die Planung ist ein Schweriner: Ralph Reichel, Chefdramaturg am Mecklenburgischen Staatstheater. Tatsächlich funktioniere die Zusammenarbeit zwischen HMT und dem Schweriner Theater reibungsloser als mit dem Volkstheater, befindet Brodkorb: „Das verstehe ich nicht. Ich würde mir wünschen, dass in Rostock die Partner uneitel miteinander umgehen und dass sie im Interesse der Zuschauer im höchsten Maße produktiv kooperieren.“

Auch bei der geplanten Akademie gehen die Meinungen auseinander. Die HMT tritt auf die Bremse. Man sei schließlich keine Künstlervermittlungsagentur, heißt es. Latchinian meint: „Mehr Geld würde Kooperationen begünstigen und die Fehlentwicklung der eingefrorenen Landeszuschüsse korrigieren.“ Unterdessen hat das Volkstheater fast zeitgleich zur Ankündigung der Akademie ein eigenes Förderprogramm für junge Musiker aufgelegt.

OZ

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