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Schwungvoll und temporeich, manchmal auch derb

Rostock Schwungvoll und temporeich, manchmal auch derb

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Heinz-Jürgen Staszak über das Belcanto- Fest in Rostock

Rostock. Wenn der Topf aber nun ein Loch hat? Oder anders gesagt: Wenn das Volkstheater Rostock spürt, dass nur drei neue Operninszenierungen für die angestrebte Erneuerung und für ein voll gültiges Vierspartentheater vielleicht ein bisschen mager sind? Ja, was dann? Stopf es zu! Beispielsweise mit einer kurzerhand eingeschobenen konzertanten Opernaufführung, die man als Belcanto-Fest deklarierte — die Norddeutsche Philharmonie auf der Bühne, davor die Sänger in Konzertpose, mit dezenten szenischen Andeutungen, der Opernchor auf den beiden Seitenrängen. So eine Art Kunststopfen, geschickt, aber letztlich doch ein Notbehelf.

So gab es am Freitagabend die konzertante Premiere von Rossinis „Maometto secondo“ (1820), eine opera seria, eine ernst-tragische Oper, kaum bekannt und äußerst selten aufgeführt. Der britische Gastdirigent am Volkstheater, David Parry (65), hat sie 2013 im Rahmen seines Projekts „Opera rara“ an der englischen Garsington Opera aufgeführt. Die szenische Darstellung der Handlung, angesiedelt im damals beliebten Spannungsfeld von Okzident und Orient, ist tatsächlich entbehrlich, denn sie ist nur der Garderobenständer für den Gesang, der sich gelegentlich unbekümmert und lustvoll über sie und den Text hinwegsetzt: ein Belcanto-Gesang, der sich selbst darstellt, den verführerischen Schmelz der Melodie, mit dem Spitzenüberwurf der dekorativen Verzierungen, eine Musik, die in Lust oder Schmerz, gleichsam triumphierend immer die Hand über den Kopf wirft, die aber nur — in dreistündiger Ausführlichkeit — gehört ihre formelhaften Wiederholungen nicht verbergen kann (da wären Einkürzungen sinnvoll gewesen).

Erstaunlich, wie es gelungen ist, in kurzer Zeit ein Solistenensemble zu formieren, das den virtuosen und glamourösen Anforderungen dieses Belcanto so überzeugend gerecht werden konnte, dass sich sangesfreudige Festlichkeit einstellte und es zum Schluss stehende Ovationen gab: Der erfahrene englische Tenor Paul Nilon, der junge italienische Bass Stefano Cianci, aus dem Hause Jasmin Etezadeh und an der Spitze die Russin Gulnara Shafigulina, die gleichsam einen Belcanto mit empfindungsvoller russischer Seele gab.

Und Dirigent David Parry ließ die Norddeutsche Philharmonie dazu schwungvoll und temporeich, manchmal ein wenig derb, musizieren.

 



OZ

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