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Sein Leben und sein Engagement galt den Autoren

Frankfurt/Main Sein Leben und sein Engagement galt den Autoren

Zum 125. Geburtstag des Verlages Suhrkamp zeigt der Briefwechsel Peter Suhrkamps mit seiner Frau Annemarie Seidel den schwierigen Weg des Verlegers in der Nazi-Zeit

Frankfurt/Main. Am 9. Juli 1920 kommen drei hoffnungsvolle junge Autoren am Starnberger See zusammen: Bertolt Brecht, Hanns Johst und Peter Suhrkamp. Brecht sollte später der marxistisch gesinnte Weltautor werden, von Suhrkamp nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt. Der zweite, der Expressionist Johst, steigt im Nationalsozialismus zum Präsidenten der Reichsschrifttumskammer auf.

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Zum 125. Geburtstag des Verlages Suhrkamp zeigt der Briefwechsel Peter Suhrkamps mit seiner Frau Annemarie Seidel den schwierigen Weg des Verlegers in der Nazi-Zeit

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Peter Suhrkamp, Annemarie Seidel „Nun leb wohl! Und hab‘s gut!“, Briefe 1935 bis 1959; Suhrkamp Verlag Berlin, 847 Seiten, 48 Euro

Die Begegnung zeigt, dass nach dem Aufbruch in der Weimarer Republik die Karrieren von Literaten höchst unterschiedlich verliefen. Dennoch konnten sie sich immer wieder kreuzen. So deutet vieles darauf hin, dass der 1944 von der Gestapo verhaftete Suhrkamp Monate später bei seiner Freilassung aus dem KZ, als er dem Tod nahe war, in Johst einen Fürsprecher fand. Dies legt der Briefwechsel nahe, den der Häftling Suhrkamp mit seiner Frau Annemarie („Mirl“) Seidel führte. 42 von „Mirls“ Briefen sind jetzt aufgetaucht. Alle 345 Briefe erscheinen zum 125. Geburtstag von Peter Suhrkamp am 28. März in einem Band des von ihm gegründeten Verlags.

Mit Autoren wie Brecht, Max Frisch oder Theodor W. Adorno legte der Verleger 1950 in Frankfurt den Grundstein für jene „Suhrkamp-Kultur“, die die Bundesrepublik intellektuell geprägt hat. Doch Peter Suhrkamp, als Bauernsohn am 28. März 1891 im Oldenburgischen geboren, war schon während der Nazi-Zeit ein Verleger von Rang. Am Lehrerseminar in Oldenburg ausgebildet, studiert Suhrkamp nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Offizier teilnahm, in Heidelberg und Frankfurt. Nach Etappen als Dramaturg, Schulleiter und Literaturredakteur kommt er 1933 zum S. Fischer Verlag in Berlin. Als Gottfried Bermann Fischer, der Schwiegersohn des 1934 verstorbenen Verlagsgründers Samuel Fischer, 1936 mit einem Teil des Verlags flieht, versucht Suhrkamp für das Haus eine Nische im „Dritten Reich“ zu finden. Mitte 1942 — die Nazis hatten ein Jahr zuvor die Entfernung von jüdischen Firmennamen verlangt — meldet Suhrkamp den Verlag unter eigenem Namen an.

Zwangsläufig gehören von den Nazis gelittene Autoren zum Programm, doch Suhrkamps Einsatz für Autoren wie Hermann Hesse beobachtet die NS-Führung mit Argwohn. 1942 wird Hesses „Glasperlenspiel“

verboten, 1943 steht der Verlag vor der Schließung. Im April 1944 wird Suhrkamp nach einer Denunziation mit dem Vorwurf des Hochverrats verhaftet.

Seine Frau „Mirl“ — eine aus großbürgerlichem Haus stammende Schauspielerin, deren Schwester Ina („Das Wunschkind“) zu den von den Nazis gefeierten Autoren gehörte — kämpft um sein Leben. In Briefen an SS-Gruppenführer Johst beschwört sie die Zeiten vor 1933. Auch Bildhauer Arno Breker taktiert für Suhrkamp, der Anfang 1945 aus dem KZ entlassen wird. In den Briefen gibt es Hinweise, dass Johst Suhrkamp im Gefängnis besuchte, wie Wolfgang Schopf, Leiter des Literaturarchivs an der Frankfurter Goethe-Universität, sagt. Der Briefwechsel, den Schopf herausgegeben hat, dokumentiert das Lavieren Suhrkamps im nationalsozialistischen Kulturbetrieb. Mit seiner Frau flüchtet er oft von Berlin in die unkorrumpierte Nordsee-Idylle ihres Hauses auf Sylt.

„Der Grat zwischen Verstrickung ins System, innerer Emigration und der Courage, die Suhrkamp gezeigt hat, war schmal“, sagt Schopf. Er begann mit der Auswertung der Briefe, als der Verlag 2009 vor seinem Umzug von Frankfurt nach Berlin sein Archiv ans Deutsche Literaturarchiv in Marbach verkaufte. Mit dessen Quellen wurde die Edition jetzt abgeschlossen.

Nach dem Krieg erfindet sich Peter Suhrkamp, ein hagerer und kranker Mann, neu. In Berlin zeigte er Züge eines Bonvivant, mit der Übersiedlung nach Frankfurt gleicht er einem asketischen Arbeiter im Wiederaufbau des Verlags. 1949 überwirft sich Suhrkamp mit den S. Fischer-Erben. Noch vor der Verlagsgründung ein Jahr später trennt er sich von „Mirl“. Es war Suhrkamps vierte Ehe. Von den Verletzungen im KZ gezeichnet, verbringt er die Zeit bis zu seinem Tod 1959 oft in Sanatorien — und im Dienst seiner Autoren.

Leben und Wirken des Verlegers

Peter Suhrkamp wurde 1891 im niedersächsischen Hatten geboren. Am Lehrerseminar Oldenburg ausgebildet, meldete er sich 1914 als Kriegsfreiwilliger. Nach dem Krieg studierte Suhrkamp Germanistik in Heidelberg, Frankfurt am Main und München. Von 1921 bis 1925 war er als Dramaturg und Regisseur am Landestheater Darmstadt angestellt. 1932 wurde er Mitarbeiter des S. Fischer Verlags, kaufte 1936 einen Teil davon auf und leitete diesen bis er 1944 wegen Verdachts des Hochverrats von der Gestapo verhaftet wurde. Nach dem Krieg begann er mit dem Neuaufbau des Unternehmens. 1950 wurde der Suhrkamp Verlag gegründet. Suhrkampf starb 1959 in Frankfurt am Main.

Von Thomas Maier

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