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„Sekretärinnen“ in Schwerin mit entzückenden Liedern

Schwerin „Sekretärinnen“ in Schwerin mit entzückenden Liedern

Auf dem Spielplan des Schauspielensembles im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin stehen immer wieder rein musikalische Programme. In den 80ern des letzten Jahrhunderts von Christoph Schroth mit seinem legendären „FDJ-Lieder-Abend“ begründet, lebt diese Tradition weiter bis ins 21. Jahrhundert: Am 1. Februar feierten die „Sekretärinnen“ im Schweriner E-Werk eine triumphale Premiere.

Schwerin. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Lieder- und Schlagerprogrammen war dieser Liederabend nicht hausgemacht, sondern gewissermaßen importiert aus Hamburg. Der Schweriner Regisseur Ralph Reichel hat die Vorlage von Franz Wittenbrink neu eingerichtet und lässt sieben Damen und einen Herrn mit rund 30 Liedern Geschichten erzählen.

Auch wenn die Berufsbezeichnung Sekretärin für die Vorzimmerdamen heute nicht mehr „in“ ist an den Aufgaben hat sich genauso wenig geändert wie wohl auch an den Träumen.

Im Büro mit verstaubter Blattpflanze, Waschbecken, Raucherecke und sieben Schreibmaschinen-Tischen, auf denen sich jede ihre kleine individuelle Welt aufbaut, klappern die Schreibmaschinen im Takt mit dem Klavier, unterbrochen von Aus- und Zusammenbrüchen der Sekretärinnen. Unterstützt von der treffenden Kostümierung (wie immer perfekt von Giselher Pilz) entwickeln Regisseur Ralph Reichel und Thomas Möckel am Klavier gemeinsam mit den Protagonistinnen gute, leicht ironisch gezeichnete Charaktere: Marianne Barth eine Büro-Vorsteherin im Nadelstreifen mit Hang zur sauber vorgetragenen populären Klassik. Brigitte Peters die brave Naive, verblüht ohne je wirklich geblüht zu haben. Wenn sie in artigstem Volkshochschul-Englisch „I Wanna Be Loved by You“ bittet, möchte man ihr glatt den Wunsch erfüllen. Anja Werner das schwangere Blondchen, dessen Herz eigentlich Daddy gehört, und das ohne Schreibmaschine nicht leben kann. Beim entzückenden Song „Without“ zeigen alle Damen, nach Alter und Temperament gestaffelt, äußerst körperlich ihre Beziehung zum Arbeitsgerät.

Auch, wenn ein Mann den Raum betritt, und sei es der Bürobote, sind sie gleichgeschaltet. Dirk Audehm ist ein Höhepunkt des Abends, wenn er den grauen Kittel abwirft und auf Italienisch sein „Grande Canzone“ schmettert.

Verdientermaßen gab es viel Beifall für das neue Liederprogramm.

Nächste Vorstellungen heute ab 19.30 Uhr und Donnerstag ab 18.00 Uhr im Schweriner E-Werk.



KARIN GUSTMANN

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