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Shakespeares Sprache klarer, die Szenen etwas blasser

Schwerin Shakespeares Sprache klarer, die Szenen etwas blasser

Schweriner Theater zeigt Othello im Domhof als „Spieleabend“ des Bösewichts Jago

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Othello-Regisseur Ralph Reichel

Quelle: Silke Winkler

Schwerin. Zwei Jahre spielte das Schweriner Staatstheater im Dom- Innenhof der Landeshauptstadt die Tragödie „Romeo und Julia“, nun folgt dort als Sommerstück die Tragödie eines anderen Liebespaares: Othello und Desdemona. Die Liebenden sind diesmal reifer; Othello, der Mohr von Venedig, ist sogar Oberbefehlshaber des Heeres, das die Republik Venedig zur Sicherung Zyperns gegen die Türken übers Mittelmeer entsendet.

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Schweriner Theater zeigt Othello im Domhof als „Spieleabend“ des Bösewichts Jago

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Trotzdem: Wie bei „Romeo und Julia“ ist es auch in „Othello“ der Mann, der durch Leidenschaft, Ungestüm und Blindheit die Liebe mit dem Tod beider Partner enden lässt. Othello allerdings wird schuldig, weil er selbst Ziel eines Angriffs wurde: eine böse raffinierte Intrige des Fähnrichs Jago, deren Anatomie im ersten Teil des Abends in kleinen Schritten vorgeführt und seziert wird. Der ganze Abend ist ein Spiel Jagos, ein Spiel der politischen Raffinesse, mit der er Menschen manipuliert, ihre Schwächen ausnutzt, sein Lügengewebe spinnt und dabei stets darauf achtet, als ehrlicher, loyaler Freund Othellos dazustehen. Ein Besorgter eben.

Das Ergebnis im Domhof, bei der Premiere am Samstagabend mit viel Applaus gefeiert, ist jedoch zwiespältig. Einerseits kann Regisseur Ralph Reichel eine eigene Schweriner Textfassung seiner Dramaturgin Julia Korrek nutzen, die Shakespeares Sprache bzw. die damit bezeichneten Vorgänge direkter, klarer, deutlicher macht. Andererseits jedoch wird diese Sprache nicht klangvoll zelebriert, wie man das bei Shakespeare immer könnte, sondern recht unpoetisch in die Mikroports gerufen und über Lautsprecher verstärkt – im Sound einer schlichteren Version von Kinder- und Jugendtheater. Viele eigentlich spannungsgeladenen Szenen leiden dadurch an Blässe. Den Poesie-Klang-Mangel soll dann eine kleine Combo unter Pianist John R. Carlson am Bühnenrand beheben, die einen leider nie richtig verstummenden Dauersoundtrack unter alle Szenen legt. Hinzu kommen verspielte Einfälle wie ein Saufgelage, bei dem Gesänge aus Brechts „Mahagonny“ oder „La paloma“ ertönen, gegen Ende ein kleiner venezianischer Maskenball und ein paar fröhliche Anspielungen auf andere Shakespeare-Stücke, was das Ganze wohl lockerer machen soll, wie es auch die Kostüme von Bühnenbildnerin Charlotte Burchard tun: die Tragödie als szenisch-bunte Mixtur, die ja dem sommerlaunigen Spaßbedürfnis des zahlenden Publikums entsprechen soll – eine postmoderne Revue um eine schlimme Geschichte herum.

Warum Spielmeister Jago, souverän geboten von Jochen Fahr, so böse handelt, bleibt ein Diskussionspunkt fürs Publikum: Einfach ein dämonischer Bösewicht ist er nicht. Aber kann ihn einfach nur eine kleine Demütigung treiben, bei einer Beförderung übergangen worden zu sein? Oder ist er vielleicht der Normalfall einer politischen Ränkegesellschaft, dessen Machenschaften uns nicht ganz fremd scheinen? Caroline Wybranietz als geschmeidig flirtende Gattin Desdemona und Josefin Ristau als Jagos Ehefrau Emilia zeigen Variationen des Aufbegehrens aus einer auf Unterwerfung unter den Mann genormten Frauenrolle. Amadeus Köhli gibt seinem Othello viel jugendlichen Charme, dem man dann den Ausbruch des Barbarischen kaum glauben mag. Christoph Götze als komischer Rodrigo und Özgur Platte in zwei komischen Rollen verleihen dem Abend etwas Würze.

Glanzvoller Kultursommer

Rund eine Million Gäste werden im Sommer zu den Theater- und Musik-Open-Airs in MV erwartet. Am 28. Mai eröffnet die Vorpommersche Landesbühne in Heringsdorf ihr „Chapeau Rouge“. Die Festspiele MV beginnen am 17. Juni. Am 18. Juni ist Premiere für das „Störtebeker“-Stück „Auf Leben und Tod“ in Ralswiek, am 24. Juni für „Das Geisterschiff“ beim Piraten Open Air in Grevesmühlen. Am 8. Juli starten die Verdi-Oper „La Traviata“ in Schwerin und die Operette „Im weißen Rössl“ in Neustrelitz.

Dietrich Pätzold

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