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Sichtbarkeit der Flüchtlinge: Jenny Erpenbeck las in Rostock

Rostock Sichtbarkeit der Flüchtlinge: Jenny Erpenbeck las in Rostock

Das Buch „Gehen, ging, gegangen“ (Knaus Verlag) von Jenny Erpenbeck (49) hat schon eine sonderbare Wirkungsgeschichte.

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Engagiert sich für die Menschenrechte der Flüchtlinge: Jenny Erpenbeck in der Thalia Universitätsbuchhandlung Rostock.

Quelle: Dietrich Pätzold

Rostock. Das Buch „Gehen, ging, gegangen“ (Knaus Verlag) von Jenny Erpenbeck (49) hat schon eine sonderbare Wirkungsgeschichte. Als der Roman über jene Flüchtlinge, die mit einem Camp auf dem Berliner Oranienplatz um Sichtbarkeit, Anerkennung und ihr Menschenrecht rangen, im Sommer 2015 auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis gewählt wurde, schien die Realität für einen Moment aufleuchtender Willkommenskultur das Buch zu überholen. Inzwischen ist der deutsche Diskurs über Flüchtlinge zur nüchternen und kalten Normalität von Verwaltungsproblemen zurückgekehrt;

es dominieren Fragen, wie man Flüchtlinge gar nicht erst herkommen lässt oder sie schnell wieder loswird — und das Buch wirkt damit noch aktueller als zuvor.

Am Donnerstagabend las Jenny Erpenbeck daraus in der Rostocker Thalia Buchhandlung. Behutsam führte sie ihre Hauptfigur, einen soeben emeritierten Professor, ein. Für den weltfremd abgehobenen Akademiker Richard ändert sich alles — nicht nur durch seinen Renteneintritt, sondern noch mehr durch seine Begegnung mit Flüchtlingen, die er mit einer sympathischen Neugier auf wirkliches Leben und auf das Andere aufsucht.

Zwischen dem Dahindämmern der Flüchtlinge mit amtlicher „Fiktionsbescheinung“ und ebenso amtlichem Arbeitsverbot und neuen Lebenseinsichten bei Fremden wie bei Richard findet in Erpenbecks Geschichte — im Kleinen — eine berührende Begegnung zwischen unterschiedlichen Kulturen statt, die Bereicherungen für beide Seiten bietet. Trotz seiner Naivität ein schönes Modell als Gegenbild zu jenen Gesetzen, die die Flüchtlinge als Belastung nur irgendwo verwahren, statt sie als Menschen leben und arbeiten zu lassen.

Auf die Frage nach dem Umgang mit Rassismus heute meinte Jenny Erpenbeck: Am besten sei, diese Leute mit Fremden zusammenzubringen. „Rassismus geht nur, solange jemand keinen Fremden persönlich kennt.“ Freilich können private Lösungen wie die im Buch keine gesellschaftlichen Lösungen sein. Aber es sind praktische Versuche: Zum Beispiel der im Roman geschilderte mysteriöse Ankauf eines Grundstücks in Ghana. Schmunzelnd griff Erpenbeck dazu eine Bemerkung aus dem Publikum auf: „Ja, auf nach Ghana!“

Von Dietrich Pätzold

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