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Sido in Rostock: Rap mit Goldmaske, nicht alles glänzt

Marienehe Sido in Rostock: Rap mit Goldmaske, nicht alles glänzt

Respektloser Rüpel- Rapper, begnadeter Hip-Hopper, bemitleidenswertes Ghetto-Kid? Keine Frage, Sido polarisiert. Vermutlich ist es ein wenig von allem, was seine Faszination ausmacht.

Marienehe. Respektloser Rüpel- Rapper, begnadeter Hip-Hopper, bemitleidenswertes Ghetto-Kid? Keine Frage, Sido polarisiert. Vermutlich ist es ein wenig von allem, was seine Faszination ausmacht. Gut 1000 Fans feierten ihn Freitagabend bei seinem vorletzten Konzert der „Sido Liebhaber Tour 2017“ im Rostocker Moya.

Jogginghose, Bomberjacke, Gesicht hinter schwarzer Kapuze und goldener Maske verborgen – so tritt Sido vor seine Fans. Es sind jene, die ihn von Anfang an begleitet haben, die mit ihm gewachsen und erwachsen geworden sind, denen er seine Tour und sein aktuelles, „Das goldene Album“, widmet.

„Ich höre Sido, seitdem ich klein bin und finde es faszinierend, seine Entwicklung zu sehen. Er ist vom Straßenjungen zum erwachsenen Mann geworden, das merkt man auch an den Texten“, sagt Denise Brückner (23) aus Rostock.

Das mag in gewisser Weise stimmen, wenn man ältere und provokative Lieder wie etwa den, pardon, „Arschficksong“, nimmt. Derart krasse Worte findet er im Moya nicht, wo er einen Mix aus Klassikern wie „Mein Block“ – mit dem Sido einst bekannt wurde – über „Bilder im Kopf“ bis hin zum neuen Album von der Bühne rotzt.

Und tatsächlich schlägt der Familienvater bei „Papa ist da“ väterliche Töne an. Aber der Rapper lässt das Rüpeln eben nicht. Mit „Und sie kriegen wieder kein’n Preis. Doch das ist alles nicht so wichtig wie die Lieder, die man schreibt. Also scheiß drauf!“ spielt Sido schon im Intro auf die Echo-Verleihung 2016 an. Damals sollte er einen Preis verleihen, ging aber selbst leer aus und pöbelte.

Auch die Medien werden mit dem Song „Masafaka“ „hart weggedisst“. Etwa bei „Ihr Opfer lasst Hip-Hop in Ruhe“ oder „Sie reden über Hip-Hop, sie finden uns witzig. Doch wir stürmen in die Redaktion und schreien: Fick dich! Wenn wir alles kleinhau’n, fragen sie: Spinnt ihr? Doch das ist Hip-Hop, Motherfucker, so sind wir.“

Allzu ernst nehmen sollte man das Gejammer der ach so harten Jungs nicht. Sidos Masche, mangelndem Respekt seiner Musik gegenüber mit noch mehr Respektlosigkeit zu begegnen, kann man mögen, muss man aber nicht. Ebenso wenig wie die lyrische Eingleisigkeit, die sich meist dem Saufen, Kiffen und (sich selbst) Feiern widmet – auch wenn Sido rappt: „Ich bin erwachsen, jetzt wird nachgedacht.“

Das mag etwas für eingefleischte Sido-Fans sein. Für alle anderen gilt: Es ist doch nicht alles Gold, was glänzt. Stefanie Büssing

OZ

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