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Siegfried Pitschmanns unveröffentlichter Roman erscheint

Rostock Siegfried Pitschmanns unveröffentlichter Roman erscheint

„Sicher weißt Du, daß ich sehr dickköpfig bin und eine einmal angefangene Sache nicht aufgeben werde, auch wenn es Zeit dauert“ schreibt Siegfried Pitschmann am 4.

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Schriftstellerpaar: Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann 1959.

Quelle: Aisthesis Verlag

Rostock. „Sicher weißt Du, daß ich sehr dickköpfig bin und eine einmal angefangene Sache nicht aufgeben werde, auch wenn es Zeit dauert“ schreibt Siegfried Pitschmann am 4. Juli 1960 seinem Lektor Günter Caspar im Aufbau-Verlag. Die „angefangene Sache“ ist Pitschmanns autobiografischer Roman „Erziehung eines Helden“, der auf den Erlebnissen des Autors beim Aufbau des Kombinates Schwarze Pumpe in der Lausitz beruht. Der Held ist ein junger Pianist, der mit seinem Beruf als Unterhaltungsmusiker unzufrieden ist und sich innerhalb der Gesellschaft unnütz fühlt. Er entschließt sich deshalb, in die harte Realität einer Großbaustelle hinauszugehen und schildert seine Erlebnisse dort ungeschminkt.

Pitschmann hatte Pech: Die Debatte um den sogenannten „harten Stil“, mit Strittmatters Rede auf der „Ersten Bitterfelder Konferenz“ losgetreten, traf auf das halbfertige Manuskript, das als warnendes Beispiel und als Ausdruck „einer dem Sozialismus feindlichen Ideologie“ diffamiert und damit jeder Chance beraubt wurde, jemals gedruckt zu werden. Es sei denn, es wäre gelungen, Pitschmann „bei der Klärung“ zu unterstützen, damit er fähig sei, ein Werk zu schaffen, das „die lesenden Arbeiter von ihm erwarten“ (BZ, 26.06.1959). Aber Pitschmann wollte sich nicht verbiegen lassen, das war ihm sogar sein Leben wert. Er war ein sensibler, aber auch ein stolzer Mann. Ein Selbstmordversuch ging — dank seiner Ehefrau Brigitte Reimann — schief. Die „Erziehung eines Helden“ (1959) blieb unveröffentlicht. Das Manuskript befand sich im Nachlass des Schriftstellers und wurde von der Familie nach dem Tod Pitschmanns ins Literaturzentrum Neubrandenburg gegeben. Der Roman kann als einer der wenigen „Aufbauromane“ bezeichnet werden, der realistische Schilderung mit künstlerischer Qualität verbindet und er ist — vergleichbar mit Frank Beyers Film „Spur der Steine“ (1966) — ein Zeitzeugnis dafür, wie es vor und hinter den Kulissen der DDR-Kulturpolitik aussah.

Heute wäre der Meister der „short story“ und Wortkünstler Siegfried Pitschmann 85 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass bereitet der Aisthesis Verlag für das Frühjahr 2015 die Herausgabe von „Erziehung eines Helden“ vor; womit sich der „dickköpfige“ Autor endgültig durchgesetzt haben wird, gegenüber jenen, die dafür sorgten, dass die „Erziehung eines Helden“ zu seinen Lebzeiten nicht erscheinen konnte. Kristina Stella

Der Autor
Siegfried Pitschmann (1930-2002), gelernter Uhrmacher, begann 1949 zu schreiben. Von 1957 bis 1959 war er Maschinist im Kombinat Schwarze Pumpe, seit 1959 freier Schriftsteller.
Pitschmann war der zweite Ehemann von Brigitte Reimann. Er lebte 1965 bis 1989 in Rostock, später in Suhl.

 



OZ

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