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Kultur Siesta, Sabbatjahr oder schon das Aus?
Nachrichten Kultur Siesta, Sabbatjahr oder schon das Aus?
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00:00 27.07.2018
Bansin

Mit 73 Jahren und einer Menge Lebenserfahrung haut diesen Mann so schnell nichts um. Geboren in Santa Cruz de la Palma auf den Kanaren, hat er dort auch studiert. Er heuerte, kaum volljährig, auf einem norwegischen Tanker an, umfuhr Afrika und studierte in Deutschland. Drei Jahrzehnte wirkte er als freischaffender Maler in Berlin, seit 15 Jahren lebt er auf Usedom. Mit seiner Frau Renate – Managerin, erste Kritikerin und guter Geist des Hauses. Jetzt, da ihr Mann vergeblich darauf hofft, seine großformatigen Bilder in geeigneten Sälen und Häusern der Region und des Landes zeigen zu dürfen, ist sie in erster Hinsicht Trösterin. „Wir konzentrieren uns halt auf andere Sachen: Reisen, Freunde, Sport, Kochen. Eben all das, was uns gemeinsam Spaß macht“, sagt die 77-Jährige.

José García y Más, zu Hause auf Usedom, wird kaum noch ausgestellt / Jetzt legt er eine Malpause ein

2007 war der Maler erfolgreicher Teilnehmer der OZ-Kunstbörse. Und nun? Ist es nur eine Siesta, ein Sabbatical oder bereits das endgültige Aus für den politischen Maler? Garcia y Más reagiert mit einem Lächeln, das keinen Zweifel an seiner Echtheit lässt. Es scheint, der von der Insel Teneriffa stammende Mann hat seinen Frieden geschlossen. „Ich kann mich ja im Atelier nicht vollständig mit Bildern eindecken“, gesteht er die Raumnöte. Also ist seine Entscheidung, mit der Malerei zunächst einmal auszusetzen, ein Stück weit zwangsläufig.

Allerdings hat der dokumentarisch und zeitkritisch arbeitende Künstler auch zu einer Erklärung für das Verhaltensmuster Verantwortlicher in Museen, Galerien und Sammlungen seines Umfeldes gefunden.

Und das ist so simpel wie nachvollziehbar: Manches von dem, was Garcia y Más zu den politischen und wirtschaftlichen Krisen dieser Welt zu sagen hat, ist unbequem. Die meisten seiner Arbeiten sind Hardcore für jemanden mit politischer Korrektheit gegenüber dem Westen mit seinen vermeintlichen Grundwerten, egal ob es um die spanischen Royalisten, US-Präsident Trump oder die deutsche Bundeskanzlerin geht.

So wie in „Totentanz“ (2009), wenn sich Angela Merkel und Barack Obama den Kopf von George W. Bush auf einem Tablett servieren lassen. Oder Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der als Guantanamo-Häftling abgebildet ist („Willkommen in Guantanamo“, 2007).

Satire darf (beinahe) alles. Das hat uns die Böhmermann-Debatte um sein Erdogan- Schmähgedicht lehren wollen. Es funktioniert aber auch, wie das Beispiel Garcia y Más zeigt, andersherum: Der Künstler darf tun, was er für richtig hält. Nur, keiner stört sich daran. Und während die etablierte Kunstmaschinerie ihren Gang geht, nehmen die polnischen Bewohner Usedoms Kenntnis vom Erstaunlichen. Unter der Überschrift „Fake News“ hat die Swinemünder Galerie für moderne Kunst, „kunststätte 44“, erst im Oktober 2017 eine Exposition des spanischen Künstlers gezeigt.

Garcia y Más glaubt, dass viele seiner Bilder als Majestätsbeleidigung eingestuft und verworfen werden. In Madrid wie in Berlin oder New York, in Schwerin wie in Peenemünde. Dabei liegen die Konflikte auf der Straße, egal wo in dieser globalisierten Welt. Sie drängen den Zeitgeist und -kritiker geradezu, zu Pinsel und Farbe zu greifen. Er sagt: „Ich habe schon so viel gemalt und damit gesagt und also meine Aufgabe erfüllt.“ Das klingt nach Abschied.

Steffen Adler

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