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Kultur Sinfoniekonzert im Zeichen des Ringens um die Lebensumstände
Nachrichten Kultur Sinfoniekonzert im Zeichen des Ringens um die Lebensumstände
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00:00 25.10.2017
Schwerin

Beethoven zum Auftakt in die Saison der sinfonischen Konzerte am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin – es ist Tradition geworden. Ebenso wie die moderierten Montagskonzerte. Zu Beginn der Saison 2017/18 gab es Montag zwei Mal Beethoven, Hindemith, zwei launig aufgelegte Moderatoren, eine glänzend aufgelegte Solistin und ein sehr gut aufgelegte Mecklenburgische Staatskapelle. Das erste Sinfoniekonzert begann mit Beethovens Ouvertüre zu Collins Trauerspiel „Coriolan“. Die Staatskapelle unter Leitung von Daniel Huppert arbeitete die Zerrissenheit, die diesem Stück qua seiner Person inneliegt, eindrucksvoll hervor. Coriolan ist der Feldherr, der von Rom verstoßen wird, sich in der Verbannung ein Heer anheuert und gegen seine Heimat zieht. Ein Charakter zwischen Wut, Erfolg, Hass, Liebe, Verzweiflung. Am Ende nimmt sich Coriolan in Einsamkeit das Leben.

Den zweiten Teil des Konzertes gestaltete die Kölner Pianistin Olga Scheps (31) mit Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll, op. 37 und einer heftig beklatschten Zugabe eines eher unbekannten Stücks von Prokofiev. Auch gestern Abend und heute (ab 19.30 Uhr) gestalten Scheps, Huppert und die Staatskapelle das sinfonische Konzert mit dem identischen Programm um Beethoven und Hindemith. Schwerins Orchesterdirektor Lutz de Veer wies am Montag darauf hin, dass das Klavierkonzert in die Zeit fällt, als Beethoven bereits halb taub war. Und dass alle Protagonisten des Abends mit ihren Lebensumständen gerungen haben. Coriolan mit seiner Verbannung, Beethoven mit seinem Gesundheitszustand. Huppert: „Dieses Ringen merkt man dem Coriolan und dem Klavierkonzert an. Der Zweifel in Beethoven ist stark zu spüren. Das Orchester agiert gleichberechtigt zum Solisten.“

Paul Hindemith (1895-1963), vor 1933 noch aufsteigender Stern am Klassikhimmeln hat unter der Verfolgung der Nazis und Emigration gelitten. Ebenso wie der verfolgte Mathis, der Maler, der hier stellvertretend auch für den Maler Matthias Grünewald und dessen Rolle in den Bauernkriegen steht. Hindemith hat Grünewalds Isenheimer Altar als Grundlage seiner Oper genommen. In Schwerin erklang die im Gegensatz zur gesamten Oper oft gespielte Sinfonie „Mathis, der Maler“, bei der Mathis und Regina im Odenwald auf der Flucht sind und er ihr zur Beruhigung Engelslieder vorsingt.

Michael Meyer

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