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Singen und pfeifen mit dem Walzerkönig

Rostock Singen und pfeifen mit dem Walzerkönig

André Rieu begeisterte rund 3500 Musikfreunde in der Stadthalle Rostock.

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André Rieu und das Johann-Strauss-Orchester spielten am Mittwoch vor 3500 Besuchern in der Rostocker Stadthalle.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Rostock. „Sieht er so aus wie immer?“ Diese Frage richtete eine offenbar etwas sehschwache ältere Dame am Mittwochabend an ihre Sitznachbarin. Dies, als André Rieu eben an der Spitze seines Johann- Strauss-Orchesters in die Rostocker Stadthalle einmarschierte. Die alte Dame konnte sich umgehend — ebenso wie 3500 andere Musikfreunde — davon überzeugen, dass der Walzerkönig weder an Aussehen noch an charmantem Auftreten und musikalischer Klasse verloren hat. Im Gegenteil, das Publikum kam mit der neuen Rieu-Tour „Eine Nacht in Venedig“ erneut in den Genuss einzigartiger Auftritte des Dirigenten, seines Orchesters und von Solisten aus zehn Ländern.

Das Johann-Strauss-Orchester — mit rund 60 Musikern das größte private Orchester der Welt — und das Publikum waren singend, pfeifend und schunkelnd für gut zweieinhalb Stunden ein Herz und eine Seele. Eine Welt im Dreivierteltakt, in der man sich einander näherkam, damit ganz dem Wunsch André Rieus folgend.

Zu diesem Wir-Gefühl trugen gleich „The Platin Tenors“ bei, die mit „Volare“, einem Nummer-eins-Hit von Ende der 1950er Jahre, das Publikum sofort zum Mitsingen animierten. Für Heiterkeit sorgte ein spanischer Titel, bei dem ein wütender Stier in der Arena, sprich: Stadthalle, Jagd auf Rotgekleidete machte. Einer bis auf die Unterwäsche in dieser Farbe gekleideten Frau blieb nichts anderes übrig, als unter dem Gelächter des Publikums fluchtartig den Saal zu verlassen — eine Showeinlage.

Besinnlicher wurde es, als die chilenische Sängerin Laura Engel das mexikanische Liebeslied „Besame Mucho“ zu Gehör brachte. Ein Hochgenuss, ebenso wie die Auftritte der australischen Sopranistin Mirusia Louwerse oder der Berliner Comedian Harmonists. Voller Symbolik, und vom Publikum auch so verstanden, war der gemeinsame Auftritt der ukrainischen Sängerin Anna Reker und des Trios Sankt Petersburg aus Russland. Langanhaltender Beifall dankte.

Beim Sportpalast-Walzer wurde vom Publikum das charakteristische Mitpfeifen erwartet. Hierbei konnten die Konzertgäste den Meister jedoch nicht vollends überzeugen. „Das Singen liegt Euch mehr“, bescheinigte André Rieu den Mitwirkenden in den Rängen. Der Orchesterchef hatte übrigens für Mannschaft und Fans des FC Hansa Rostock einige Tipps parat. Ein holländischer Trainer und zudem der vom ganzen Stadion zu singende Walzer Nr. 2 von Dmitri Shostakovich seien Garantie dafür, dass die Mannschaft Erfolg haben werde. Erfahrungen andernorts belegten dies, beteuerte er.

Zumindest was die Musik betraf, bewies das Orchester sofort, wie sich damit wirklich tolle Stimmung schaffen lässt. Der offizielle Teil des Abends endete mit Beethovens „Ode an die Freude“.

Anschließend sorgten die begeisterten Musikfreunde dafür, dass alle Darbietenden sich noch einmal musikalisch verabschiedeten. Dabei bewegte besonders die Hommage des Trios Sankt Petersburg an den jüngst verstorbenen Udo Jürgens.

 



Werner Geske

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