Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Smetana – national und klangmächtig

Smetana – national und klangmächtig

Einstieg vor dem Einstieg: Das jährliche „Spielzeiteröffnungskonzert“ des Theaters Vorpommern, das noch vor der eigentlichen Reihe der Philharmonischen Konzerte ...

Einstieg vor dem Einstieg: Das jährliche „Spielzeiteröffnungskonzert“ des Theaters Vorpommern, das noch vor der eigentlichen Reihe der Philharmonischen Konzerte thematische Freiräume zu attraktiven Angeboten nutzt. Florian Csizmadia, kommissarischer Generalmusikdirektor der wohl letzten und von den Kommunen einmütig (!) akzeptierten letzten eigenständigen Spielzeit, entschied sich für ein rein böhmisches Programm. In Greifswalds Großem Haus präsentierte er Bohuslav Martinus „Lidice“ für großes Orchester und – eine Rarität – Smetanas sechs Sinfonische Dichtungen „Mein Vaterland“ als kompletten Zyklus. Ein Schmeckerchen, denn Csizmadia vermittelte mit den gut aufgelegten Philharmonikern den vertrauten Eindruck, alle künstlerischen Anstrengungen mit Kompetenz und anspruchsvollem Gestaltungswillen auf die Wiedergabe des „Gegenstandes“ zu richten; in diesem Fall auf zwei eindrucksvoll Klang gewordene musikalische National-Denkmäler. Vielleicht muss sich da im Orchester nach längerer Sommerpause noch einiges besser zusammenruckeln und könnte vor allem im Forte-Vollklang etwas mehr Sorgfalt auf sensiblere Klangqualität gerichtet werden. Insgesamt aber lag man sowohl bei Martinus „Mahnmal für Lidice“ (1943) – Auftrag der tschechoslovakischen Exilregierung London – als auch bei Smetanas nationalem Epos richtig. Und das bei Ersterem im expressiven Nachvollzug düster-(an)klagender, zu viel individuelle Emphase aber meidender Erinnerungen an ein faschistisches Verbrechen – der Komponist sprach von einem „religiösen Gesang“ – und bei Smetana im Betonen eines Musizierens, das böhmische Musikalität und Mentalität sowie sprachmächtige, sinfonisch „erzählende“ Bildhaftigkeit gleichermaßen prägnant modelliert. Gelungen waren hier ein gestisch nachdrücklich, assoziativ uneingeengt umgesetzter Erzählton, kontrastgeschärfte Dramatik, lyrisch-romantisches Naturgefühl und die sich nicht nur im Choralzitat (Hussitenchoral) manifestierende, Mythologie und Historie verbindende vaterländische Bedeutsamkeit des Ganzen. Da ist „Die Moldau“ nur kleiner Teil eines viel größeren, wichtigeren Zusammenhangs. Diesen in seiner komplexen, von Smetana stolz „lisztisch“ genannten Neuartigkeit der Sinfonischen Dichtung zu erleben – das machten Sinn und Genuss des Abends aus.

OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Marie le Claire, Kaufmännischer Vorstand der Unimedizin Greifswald, im Foyer des Haupthauses am Campus Beitzplatz. Die 35-Jährige kam vor knapp zwei Jahren nach Greifswald, hat für ihren Sparkurs die volle Rückendeckung der Landesregierung.

Warum es beim Sanierungsprozess am Uniklinikum Greifswald gerade nicht um Stelleneinsparungen geht und wie die schwarze Null bis 2019 erreicht werden soll, sagt Marie le Clarie (35), kaufmännischer Vorstand, im Interview mit der OZ.

mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.