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Kultur Smetana – national und klangmächtig
Nachrichten Kultur Smetana – national und klangmächtig
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00:00 25.09.2017

Einstieg vor dem Einstieg: Das jährliche „Spielzeiteröffnungskonzert“ des Theaters Vorpommern, das noch vor der eigentlichen Reihe der Philharmonischen Konzerte thematische Freiräume zu attraktiven Angeboten nutzt. Florian Csizmadia, kommissarischer Generalmusikdirektor der wohl letzten und von den Kommunen einmütig (!) akzeptierten letzten eigenständigen Spielzeit, entschied sich für ein rein böhmisches Programm. In Greifswalds Großem Haus präsentierte er Bohuslav Martinus „Lidice“ für großes Orchester und – eine Rarität – Smetanas sechs Sinfonische Dichtungen „Mein Vaterland“ als kompletten Zyklus. Ein Schmeckerchen, denn Csizmadia vermittelte mit den gut aufgelegten Philharmonikern den vertrauten Eindruck, alle künstlerischen Anstrengungen mit Kompetenz und anspruchsvollem Gestaltungswillen auf die Wiedergabe des „Gegenstandes“ zu richten; in diesem Fall auf zwei eindrucksvoll Klang gewordene musikalische National-Denkmäler. Vielleicht muss sich da im Orchester nach längerer Sommerpause noch einiges besser zusammenruckeln und könnte vor allem im Forte-Vollklang etwas mehr Sorgfalt auf sensiblere Klangqualität gerichtet werden. Insgesamt aber lag man sowohl bei Martinus „Mahnmal für Lidice“ (1943) – Auftrag der tschechoslovakischen Exilregierung London – als auch bei Smetanas nationalem Epos richtig. Und das bei Ersterem im expressiven Nachvollzug düster-(an)klagender, zu viel individuelle Emphase aber meidender Erinnerungen an ein faschistisches Verbrechen – der Komponist sprach von einem „religiösen Gesang“ – und bei Smetana im Betonen eines Musizierens, das böhmische Musikalität und Mentalität sowie sprachmächtige, sinfonisch „erzählende“ Bildhaftigkeit gleichermaßen prägnant modelliert. Gelungen waren hier ein gestisch nachdrücklich, assoziativ uneingeengt umgesetzter Erzählton, kontrastgeschärfte Dramatik, lyrisch-romantisches Naturgefühl und die sich nicht nur im Choralzitat (Hussitenchoral) manifestierende, Mythologie und Historie verbindende vaterländische Bedeutsamkeit des Ganzen. Da ist „Die Moldau“ nur kleiner Teil eines viel größeren, wichtigeren Zusammenhangs. Diesen in seiner komplexen, von Smetana stolz „lisztisch“ genannten Neuartigkeit der Sinfonischen Dichtung zu erleben – das machten Sinn und Genuss des Abends aus.

OZ

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