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Kultur Sneaker – jenseits aller Bodenhaftung
Nachrichten Kultur Sneaker – jenseits aller Bodenhaftung
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00:00 13.05.2016

Vielleicht kann man das alles zurückführen ins Jahr 1985. Zum Ursprung des Hypes. Zu dem Moment, als aus einem Gebrauchsobjekt, dem schnöden Turnschuh, so etwas wie das Statement eines Lebensstils wurde. 1985, als der junge Joschka Fischer auf Turnschuhen ins hessische Landesparlament latschte, um sich als Minister vereidigen zu lassen.

1985, als in den USA der junge Basketballer Michael Jordan zusammen mit der Firma Nike einen Sportschuh entwickelt und gerade auf den Markt gebracht hatte, der seinen Namen trug: „Air Jordan“ in rot-schwarzen Farben entsprechend jener der Chicago Bulls, bei denen der schwarze Basketballer spielte und bei seinen enormen Jumps zum Korb alle anderen weit unter sich ließ.

1985, als Nikes deutscher Konkurrent Adidas die New Yorker Kult-Rapper „Run DMC“ für einen Sneaker mit ihrem Namen an die Werbefront schickte, dorthin, wo der gesamte Life- und Streetstyle der jungen Rap- und Hiphop-Szene auf Turnschuhen mit offenen Schnürsenkeln fußte.

Irgendwann damals muss diese Transformation begonnen haben, in deren Verlauf aus dem Sportschuh der Sneaker und aus dem Sneaker das modische Statement eines jungen Lebensstils jenseits der Konventionen wurde. Und der lässig-coole Dreh- und Angelpunkt einer Streetfashion, an der die großen Marken wie Adidas, Asics, Nike, Puma und Reebok Milliarden verdient haben.

Die sich Jahr um Jahr mit neuen spektakulären Kollektionen, noch raffinierteren Sohlenkonstruktionen, ausgeflippteren Designs, prominenten Werbeträgern und preisverdächtigen Werbespots zu übertreffen suchten. Und damit den Sneaker inzwischen zu einem Kunstobjekt hochgepuscht haben. Jedenfalls widmet das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe nun erstmals einem Schuh eine ganze Ausstellung und zeigt neben 140 Modellen – historische Sportschuhe, von berühmten Sportlern getragene Modelle, ausgewählte und von Sammlern zusammengetragene Schätze besonderer Exemplare – auch 140 Plakate und Druckgrafiken, die zeigen, mit wie viel Kreativität und Energie die Marken das Image der Sneakers ausgebaut haben.

Die Ausstellungsmacher betonen, dass die großen Marken diese Schau in keiner Weise finanziell unterstützen, sondern lediglich einzelne Modelle und Werbegrafiken als Exponate beigesteuert haben. Auch private Sammler haben ihre gut gehüteten Stücke zur Verfügung gestellt. Längst werden Sneakers unter Sammlern wie Kunstobjekte gehandelt und erzielen mitunter auch entsprechende Preise. Die legendäre von Adidas vertriebene Sneakers-Kollektion „Yeezy“ des Rappers Kayne West erzielt Renditen von mehr als 400 Prozent. Der „Yeezy 1“ werde mit 3000 Dollar gehandelt, erklärt der Hamburger Sammler Morano, der das Museum bei der Konzeption der Ausstellung unterstützt hat. „Das hat sich seit einigen Jahren ungeheuer aufgebläht: Die Leute versuchen mit einem enormen Aufwand an spezielle Sneakers, zum Beispiel aus Limited Editions, zu kommen, um sie originalverpackt und ungetragen für viel Geld weiterzuverkaufen.“ Der schnöde Sportschuh – völlig abgehoben!

Regine Ley

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