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Kultur „So lustig wie möglich, so ernst wie nötig“
Nachrichten Kultur „So lustig wie möglich, so ernst wie nötig“
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Der Musiker Funny van Dannen (61). Quelle: Jaro Suffner
Rostock

Der Liedermacher Funny van Dannen hat im vergangenen Herbst seine CD „Alles gut Motherfucker“ veröffentlicht. Auf seiner aktuellen Tour gastiert er heute in Rostock.

Viele Jahre haben die Fans hier darauf gewartet, das Sie auch mal nach Rostock kommen. Dann waren Sie im Sommer 2018 zum ersten Mal hier. Und jetzt schon wieder. Warum?

Ich mache ja die Tourpläne nicht, aber es hat mir in Rostock sehr gefallen. Und das Konzert war damals ausverkauft, wie hieß noch gleich der Ort?

Compagnie de Comédie, in der Bühne 602.

Jetzt spiele ich in einer größeren Halle, da passen noch mehr Leute rein.

Das ist der Mau-Club.

Der soll gleich dort nebenan sein, oder?

Genau. Schauen Sie sich die Orte eigentlich genauer an, in denen Sie spielen?

In Bremen zum Beispiel heißt er Schlachthof. Man sagt dort immer: Früher standen da die Kühe, heute die Menschen.

Schlachthof ist für Veganer oder Vegetarier auch kein schöner Name für einen Konzertort.

Letztens habe ich in eine Kirche in Wiesbaden gespielt. Das fand ich sehr angenehm, das war schön.

„Ich glaube nicht an Gott, sondern an Menschen“

Als die Toten Hosen 1983 ihr Video zu „Eisgekühlter Bommerlunder“ in einer Kirche aufgenommen hatten, musste sie hinterher neu geweiht werden. War das auch bei Ihnen so?

Ich glaube nicht. (lacht)

Sind Sie eigentlich religiös?

Ich denke schon, ich komme ja aus einer katholischen Gegend. Aber ich glaube nicht an Gott, sondern an den Menschen.

Wenn Sie sich die Welt heute anschauen, dürften Ihnen doch die Themen nicht ausgehen, oder?

Tja, das ist wohl so. Aber das Songschreiben ist ja auch eine Form der Verarbeitung. Ich sage immer: So lustig wie möglich, so ernst wie nötig.

Ihr Humor ist aber nicht für alle zu verstehen, für Ihr Lied „Lesbische schwarze Behinderte“ zum Beispiel haben Sie auch Kritik geerntet. Oder Beifall von der falschen Seite.

Ja, ich hab’ sogar gehört, dass dieses Lied auf einer Nazi-Demo gespielt worden ist. Das hat mich ziemlich empört. Dabei geht es in diesem Lied doch darum, dass man alle Menschen gleich behandeln sollte.

„Ich schreibe eigentlich ständig“

Sie haben im Herbst letzten Jahres die CD „Alles gut Motherfucker“ veröffentlicht. Wie ist das eigentlich: Starten Sie eine neue CD wie ein Projekt und legen dann mit dem Schreiben los? Oder sammeln sich die Songs an?

Ich schreibe eigentlich ständig. Irgendwann habe ich dann so viele Songs beisammen, dass ich eine neue CD machen will.

Heutzutage ist die CD nur noch ein Rahmen für eine Songsammlung. Aber als Tonträger ist die CD auf dem Rückzug, hat als physisches Format an Bedeutung stark verloren. Wie gehen Sie damit um?

Ich finde das schade. Ich mag auch noch Schallplatten, wenn man die Cover aufklappt und so. Von mir sind auch noch einige LPs erschienen, da war ich richtig stolz drauf. Und was die CD-Verkäufe betrifft: Man verdient als Künstler auch mehr am Touren, nicht mehr mit dem Verkauf von Platten.

Sie machen schon seit vielen Jahren Musik. Was haben Sie früher als Jugendlicher so gehört, welche Musik hat Sie damals geprägt?

„Ich fand Bob Dylan, T-Rex, The Sweet, Hilde Knef, Ella Fitzgerald toll“

Das waren bei uns in der Gegend die so genannten Troubadoure, die mit ihren Liedern durch die Lande gezogen sind. Später kam natürlich auch Bob Dylan dazu. Danach der ganze Glamrock, den ich toll fand, T.Rex, The Sweet und so hab ich gerne gehört. Und die großen Sängerinnen wie zum Beispiel Hildegard Knef oder Ella Fitzgerald.

Sie haben eine große thematische Bandbreite, auf Ihrer letzten CD reicht sie von „Forever Yin, forever Yang“ über „Halbnackter Mann“ bis zu einem fast politischen Lied wie „Immer diese Religionen“. Einen Teil der Probleme, die uns heute bewegen, haben Sie darin thematisiert.

Der Song behandelte alle Religionen, in denen alte Männer über andere bestimmen, die Regeln aufstellen, die einfach nicht zu einzuhalten sind, wie zum Beispiel beim Zölibat. Was daraus entsteht, sehen wir ja.

Aber der Spaß bleibt doch im Vordergrund, wenn man sich Ihre Songs anhört. Sie haben auch mal ein Lied über eine Jugendliebe gemacht, die trug den schönen Namen „Gwendolyn Kucharsky“. Gab es sie wirklich?

Ja. Aber ich hab auch einiges verändert, in dem Lied kommen also mehrere Frauen vor. Dieser Titel wird auf Konzerten übrigens sehr oft gewünscht.

Schilddrüsenunterfunktion war so eine Art Modekrankheit“

Und was macht eigentlich Ihre Schilddrüsenunterfunktion? Auch darüber haben Sie mal ein Lied geschrieben.

Die Schilddrüsenunterfunktion war so eine Art Modekrankheit. Ich war beim Arzt, weil ich mich schlapp fühlte und so, dann wurde bei mir Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert. Dann hab ich Medikamente dagegen bekommen. Hinterher habe ich Freunde getroffen, die hatten auch Schilddrüsenunterfunktion. Alle hatten das irgendwie. Später hab ich die Medikamente weggeworfen. Aber dann ist daraus dieses Lied entstanden.

Was eher wenig bekannt ist: Sie schreiben auch Texte für die Toten Hosen. Wie läuft das?

Das ist gar nicht so einfach. Ich habe fertige Texte, die gehe ich dann mit Campino durch, dann ändern wir hier und dort noch etwas.

Konzert: Funny van Dannen auf „Alles gut Motherfucker“-Tour 2018/19, am 21. März im Mau-Cllub (Warnowufer 56, 18055 Rostock), Einlass 19 Uhr, Konzertbeginn ist um 20 Uhr.

Zur Person

Funny van Dannen wurde als Franz-Josef Hagmanns-Dajka 1958 in den Niederlanden geboren und ist Liedermacher, Schriftsteller und Maler. Als Jugendlicher sammelte er musikalische Erfahrungen mit Liedern zur Gitarre im südlimburgischen Dialekt. Seit 1978 lebt der Musiker in Berlin, spielte in Punk- und Jazz-Bands, malt und tritt mit eigenen Liedern zur Gitarre auf. Bekannt wurde er mit Plattenveröffentlichungen wie „Uruguay“ (1998), „Herzscheiße“ (2003) oder „Saharasand“ (2009). Seit 1999 arbeitet van Dannen regelmäßig mit der Band Die Toten Hosen zusammen. Er ist auch Autor mehrerer Bücher.

Thorsten Czarkowski

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