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Kultur So wohnte der Herzog
Nachrichten Kultur So wohnte der Herzog
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00:00 02.03.2016

Schöner geht‘s nicht: Die opulente Ausstattung des Schlosses Ludwigslust, einem wahren Lustschloss mit kostbaren Damast-Tapeten, ausladenden Ölgemälden und verschnörkelten Büsten, ist wiederhergestellt. Zumindest im Ostflügel. Und am Sonntag ist es so weit: Dann werden die prachtvollen Räume nach jahrelanger Restaurierung endlich für das Publikum eröffnet.

„Die Sanierung hat fünf Jahre gedauert und 13 Millionen Euro gekostet“, sagt der Hausherr, Museumsleiter Jörg-Peter Krohn. „Finanziert durch die EU und das Land Mecklenburg-Vorpommern.“

Es hat sich gelohnt. Begeistert führt Krohn in die Gemäldegalerie der mecklenburgischen Herzöge, in der rund 100 Bilder namhafter Künstler zu sehen sind. Es sind Jagdgemälde und Wild-Stillleben, echte Canalettos, die Ansichten von Venedig zeigen, Porträts. Alle präsentiert in einem Saal von verschwenderischer Größe.

„Diese Galerie ist nach 150 Jahren erstmals wieder so erlebbar, wie sie einmal gewesen sein muss“, schwärmt Krohn. Die Bilder hängen dicht an dicht. „Barocke Hängung“, erläutert der Museumsleiter.

„Durch die vielen kostbaren Bilder in ihren goldenen Rahmen fällt kaum mehr auf, dass die Wand aus schlichten, grün gestrichenen Holzpaneelen besteht.“

Bevor die Bilder aufgehängt werden konnten, musste der Raum mit dem aufwendig gemusterten Parkettboden zunächst in der alten Größe wiederhergestellt werden. Im Laufe der Zeit waren Zwischenwände eingezogen worden. Davon ist nichts mehr zu sehen.

Platz ist nun genug für die Vitrinen, in denen die Reisesouvenirs Herzog Friedrich Franz I. (1756-1837) stehen — Korkmodelle berühmter Bauwerke der Antike, wie etwa des Konstantinbogens in Rom. Die Modelle wurden in der Werkstatt des bekannten Aschaffenburger Korkbildners Carl Joseph May (1747-1822) gefertigt. Seine Arbeiten dienten wohlhabenden Reisenden der damaligen Zeit zur Erinnerung. So auch dem Herzog, der als junger Mann seine „Grand Tour“, die unter höhergestellten Personen übliche Bildungsreise, nach Italien machte. Damals das Kulturland schlechthin. Krohn: „Die Sammlung ist von Umfang und Erhaltungszustand her einmalig. Sie umfasst 29 Modelle, von denen knapp 20 zu sehen sind.“

Mindestens so beeindruckend wie die Gemäldegalerie sind die Wohnräume. Es handelt sich um Gästeappartements, die für die Zeit um 1800 geradezu opulent ausgestattet waren. Mit einer eigenen Toilette hinter dem Schlafgemach. Praktischerweise verwendete man damals transportable „Kackstühle“, deren Töpfchen von Dienern täglich geleert wurden.

Üppig verzierte Damasttapeten und Tierbilder des französischen Malers Jean Baptiste Oudry (1686-1755) schaffen ein faszinierend exotisches Ambiente. So hängen im zweiten Obergeschoss zwei fast lebensgroße Leoparden auf der türkisfarbenen Wandbespannung. Im Zimmer nebenan dominieren ein riesiges Tigergemälde und eine Hyäne. Und im Paradeappartement im Erdgeschoss, in dem der Fürst seine Gäste zur Audienz empfing, wartet Oudrys riesiger Löwe auf einer goldenen Tapete. Der Mut und die Stärke des Löwen mögen die Macht des Fürsten symbolisiert haben. „Damals war es üblich, Menschen Tiereigenschaften zuzuordnen“, so Krohn.

Herzog Christian Ludwig II. (1683-1756), der Oudry besonders schätzte, erwarb die meisten Gemälde ab 1750. Insgesamt umfasst die außergewöhnliche Sammlung 44 Gemälde und Zeichnungen.

Bislang war sie im Staatlichen Museum Schwerin ausgestellt. Ein alter Lieferschein belegt jedoch, dass Herzog Friedrich Franz I. die Oudry-Gemälde erst 1808 von Ludwigslust nach Schwerin bringen ließ. „Sie hingen also ursprünglich hier“, konstatiert Krohn. Elfenbeinschnitzereien, die herzogliche Uhrensammlung und zahlreiche Miniaturen vervollständigen das Bild einer mondänen Einrichtung aus der Zeit um 1800.

Bei der Eröffnung am Sonntag (nur mit reservierten Tickets!) rechnen die Veranstalter mit rund 5000 Besuchern. Dabei ist erst das halbe Schloss fertig, die Arbeiten sollen in den kommenden Jahren weitergehen. Dann wird der Westflügel mit dem Appartement der Herzogin und der klassizistischen Wohnung der Prinzessin Alexandrine von Preußen eingerichtet.



Marcus Stöcklin

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