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Kultur „Sonnenallee“ mit Live-Musik: Das soll krachen in der Bude
Nachrichten Kultur „Sonnenallee“ mit Live-Musik: Das soll krachen in der Bude
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00:00 23.01.2014
Begegnung mit der Geschichte als Selbstbegegnung: Thorsten Merten spielt in Schwerin den ABV der „Sonnenallee“. Quelle: Fotos: Winkler/Montage: Maaß
Schwerin

Wer den Mauerfall in der DDR als Student erlebte, ist heute in den besten Jahren. Zum Beispiel gerade 50 geworden, wie Thorsten Merten. Damals studierte er an der Berliner Schauspielhochschule „Ernst Busch“; jetzt kommt der Bühnen- und Filmschauspieler, der in den neunziger Jahren zu den prägenden Akteuren des Schweriner Theaters gehört hatte, wieder auf die Bühne der Landeshauptstadt, wo er zuletzt als Geist von Hamlets Vater gesehen wurde.

Als Stargast im Musical „Sonnenallee“, das ab 10. Februar 13 Mal im Großen Haus läuft, spielt Merten den ABV (Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei), der in einer durch die Mauer unterbrochenen Straße Ostberlins für Ordnung sorgt und seine liebe Not hat mit aufmüpfigen Jugendlichen, die lieber Stones hören als DDR-Lieder.

Da prallen Welten aufeinander, auch Geschichtsbilder. Merten nimmt das locker: „Na ja, es ist ein Musical, und ich habe noch nie ein Musical erlebt, das wirklich etwas aufarbeitet oder eine neue Sicht auf die Dinge entwickelt.“ Man muss aber trotzdem gespannt sein, schließlich griff die Vorlage, der Kinofilm „Sonnenallee“ von Thomas Brussig und Leander Haußmann, 1999 in herrschende Geschichtssichten ein und ist darum bis heute umstritten. Seine provokante Verharmlosung lockerte die bis dahin verbissenen Debatten über die DDR auf: Dem düster-grauen Gram nach dem Leitmotto, dass es „kein richtiges Leben im falschen“ gegeben haben konnte, stellte die Komödie das Bunt-Lustige der Nischengesellschaft entgegen.

„Der Film wirkt ja erst im Nachhinein harmlos“, meint Regisseur Ralph Reichel, Schwerins Spezialist für ganz scharfe Musicalproduktionen. Er wird in seiner Inszenierung wohl einiges zuspitzen, trotzdem rechnet er mit geteilter Kritik: „Ostalgiker werden rufen, so böse waren die Leute nicht. Und wer mehr der westlichen Sicht folgt, wird einwenden, dass es doch in der DDR so lustig auch nicht war.“

Thorsten Merten hat dieselbe Erfahrung: „Seit 20 Jahren versuche ich differenziert über die DDR zu reden. Das gelingt nie. Am Prenzlauer Berg, wo ich wahrscheinlich der letzte Ossi bin, verteidige ich die DDR bis aufs Blut. Und wenn ich mit alten DDR-Ingenieuren zusammensitze, Kammer der Technik oder so, dann haue ich drauf. Anders werde ich dem nicht gerecht.“

Für Merten selbst wird die Polizisten-Rolle, die im Film übrigens Detlev Buck spielte, zur vielschichtigen Begegnung mit eigener Geschichte. „Ich bin ja Thüringer und nicht direkt im Schatten der Mauer aufgewachsen. Aber Thüringen war auch Grenze, der Westen war für uns stets präsent, wir haben immer die Hitparade des Hessischen Rundfunks gehört und auf dem Schulhof prügelten sich Queen-Fans mit Smokie-Fans.“ Viel Verständnis daher für die freche Jugend der Geschichte? „Klar. Aber ich habe auch für den ABV Verständnis. Ich muss ja meine Figur verteidigen.“

Soeben hat Merten mit Christian Schwochow den Film „Bornholmer Straße“ über die Öffnung der Mauer abgedreht, übrigens mit Charly Hübner in der Hauptrolle. „Der DDR“, sagt er grinsend, „muss man bei der relativ kleinen Spielfläche dankbar sein, wie oft sie Künstler in Lohn und Brot bringt. Wir hätten ja auch den Oscar für ‘Das Leben der Anderen‘ nicht gekriegt. Also danke für diesen Stoff.“

Für Mertens Karriere stimmt das besonders. Seine erste Rolle nach der Schauspielschule hatte er in Andreas Dresens Spielfilm „Stilles Land“ über die Wende in Anklam. „Damit waren wir im September 2013 noch mal in Tel Aviv. 800 Leute sahen sich das an, und die haben es verstanden“, sagt Merten.

Aber jetzt freut er sich auf „Sonnenallee“: „Das wird eine opulente Sache, 20 Schauspieler auf der Bühne, dazu ein Kinderchor und eine Live-Band. Sonst ist es am Theater ja schwer, ein Musical gut zu machen. Ich bin an 40 Häusern rumgekommen. Aber Schwerin hat ein geiles Ensemble, die können das. Das wird krachen in der Bude!“

Der Schauspieler und das Musical
Thorsten Merten wurde 1963 in Ruhla geboren, ist dreifacher Vater, seit drei Jahren Opa. Nach dem Schauspielstudium an der Berliner Hochschule „Ernst Busch“ begann er 1990 in Andreas Dresens Wendefilm „Stilles Land“ und kam anschließend ins Schweriner Ensemble. Seit 2004 in Berlin: Maxim-Gorki-Theater, Deutsches Theater, Volksbühne, Komische Oper („Im Weißen Rössl“). Heute überwiegend Rollen in Fernsehkrimis und Spielfilmen.

„Sonnenallee — Das Musical“ läuft ab 10. Februar im Schweriner Großen Haus. Für die Musik sorgt eine Band um John R. Carlson.



Dietrich Pätzold

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