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Spannungsreiches Spiel

Greifswald Spannungsreiches Spiel

21. Festival „Tanztendenzen“ in Greifswald / Choreographen aus vielen Ländern begeistern das Publikum

Greifswald. Auch in diesem Jahr sorgen sie wieder für Begeisterung: Greifswalds Tanztendenzen und damit jenes Veranstaltungsformat, mit dem das Theater Vorpommern zum nunmehr 21. Male überregionale moderne Tanztheatergeschichte geschrieben hat. Sie ist eng verbunden mit der Arbeit des Ballettdirektors Ralf Dörnen – jüngst als Kulturpreisträger des Landes MV gewürdigt – und dem Wirken der ehemaligen, langjährigen Ballettmeisterin Sabrina Sadowska.

Sie zeichnet sich auch für den Jahrgang 2016 verantwortlich und hat mit ausschließlich Gastbeiträgen junger Choreographen aus vielen Ländern ein wieder anregend innovatives, im Theater Vorpommern, im Sozi-kulturellen Zentrum St. Spiritus sowie in der Galerie Schwarz erlebbares Angebot vorgelegt. Die begrifflich schon schwer zu fassende Breite eines gängige Grenzen und Strukturen weit überschreitenden Phänomens „Tanz“ eingeschlossen!

Für Letzteres gab es mit Video-Installationen und -choreographien aus dem Iran, Israel, Deutschland und den Niederlanden schon vor der eigentlichen Eröffnung Kostproben: zwischen körperlich totaler, aber angespannt „redender“ Unbeweglichkeit und albtraumhaft kafkaesker Bewegungseuphorie, vergeblicher Sinnsuche in industrieller Gegenwart und optischer Neuentdeckung menschlicher Körperlichkeit – jedwede Bewegung als Metapher für meist Irrationales!

Zum Spektrum der ersten Tage gehörten aber auch eine eher artistische Performance mit Sessel (Relaxaction von Lotte Müller), der sich als Ziel skurriler Annäherungsversuche erst am Schluss „geschlagen“ gibt, sowie mit Enfant (Joeri Dubbe) die ungemein expressiv getanzte Suche nach verlorener kindlicher Unbefangenheit (Sarah Murphy). Am Wichtigsten aber war die repräsentative Eröffnung des Tanzfestivals mit Stephanie Thierschs Corps Etrangers-Fremdkörper für fünf Tänzer des Ensemble Mouvoir aus Köln. 80 Minuten eines perfekt präsentierten Bewegungstheaters: optisch beredt und fantasievoll, athletisch, beeindruckend, überraschend circensisch und tänzerisch ausdrucksstark.

Thematisch Konkreteres ließ man – in abschließender Gesprächsrunde als beabsichtigt bezeichnet – eher in der Schwebe, wobei es auf leerer Bühne und lediglich mit Kletterseilen offensichtlich um die Evolution, um Archaisches und auch Animalisches (Primaten) ging: der neuzeitliche Mensch, der schon mal sehnsüchtig an die Frühzeit seiner Geschichte und ihre Relikte (irrationale Rituale, Naturvölker) denkt.

Und das in archaischen Bewegungsbildern, oft eher ruhig und spannungsvoll, gelegentlich verspielt, selten dramatisch und sparsam geräuschhaft begleitet. Ein spannendes „Spiel mit Bildern, Verkleidungen, physikalischen Kräften – Bedeutungen auf der Flucht“. Konkreter musste es dank unmittelbarer Wirkung auch nicht sein!

Ekkehard Ochs

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