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Kultur Spektakulär: Tutanchamuns Goldmaske und Hausschlappen
Nachrichten Kultur Spektakulär: Tutanchamuns Goldmaske und Hausschlappen
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04:33 11.03.2013
Zwei S�rge als Beigaben im Grab von Tutanchamun. Quelle: Semmel Concerts GmbH

In Berlin liegt das Jenseits derzeit in einem Randbezirk. Während im mondänen Badeschiff in Treptow wintermüde Menschen ihre Lebensgeister auffrischen, wird nebenan in der Wanderschau „Tutanchamun — Sein Grab und die Schätze“ Ägyptens Totenreich erstaunlich lebendig inszeniert.

In den kommenden sieben Monaten ist die Arena Berlin, eine profane Mehrzweckhalle, die Heimstätte für sakrale Schreine, goldglänzende Särge und exotische Götterstatuen. Man bekommt 1000 Objekte zu sehen, die mehr als 3000 Jahre lang im Dunkeln verborgen waren, bis im Winter 1922 der Kerzenschein des verzückten Archäologen Howard Carter auf sie fiel.

Für den Besucher der Ausstellung ist es, als würde eine Filmspule zurücklaufen. Das Grab war gleich nach seiner Entdeckung abgebaut, die Teile waren nach Kairo und London verfrachtet worden, manches ging auch verloren oder wurde entwendet. Einiges verschwand sogar erst vor zwei Jahren bei den Plünderungen des Ägyptischen Museums. Der moderne Gruftspion aber steht 2013 vor dem unberührten Grab des bekanntesten aller Pharaonen — und weiß wie seinerzeit Carter nicht, wohin er zuerst blicken soll.

In der rekonstruierten Grabes- Vorkammer stapeln sich wie in einem überfüllten Heizungskeller unzählige Objekte. In schummriger Beleuchtung zeichnen sich fantastische Konturen ab: grazil geschwungene Prunkbetten mit Löwen-, Nilpferd- und Kuhkopfdetails, eierförmige Behälter mit Snacks für das Leben im Totenreich, Tutanchamuns süßer Kinderhocker mit Leopardenfell-Imitat und Entenfüßen.

Im weiteren Verlauf der Ausstellung finden sich alle Objekte aus dem Grab ein zweites Mal, nunmehr nebeneinander gestellt. Überraschenderweise wandten die antiken Handwerker beim Grabbau eine Art Ikea-Stecksystem an. Auf einem Schrein steht links unten mit schwarzem Stift: „Vorderteil Südwest“. Doch beim eilig eingerichteten Tutanchamun-Grab wurde vor 3000 Jahren gepfuscht. Die vier zwiebelförmig ineinandergesteckten Schreine ließen sich wegen der Enge des Raums nicht vorschriftsmäßig justieren. Immerhin aber bei den drei Babuschka-Särgen im Inneren der Schreine klappte die Ausrichtung.

In den Kanopen-Gefäßen der Schatzkammer hinter dem Grab lagerten bis zu Carters Eintreffen sauber getrennt die königlichen Eingeweide. So hielten es die Habsburger übrigens noch viele Jahrhunderte später. Sie verstauten Königsherzen in Silberurnen. In der Dramaturgie der Ausstellung folgt auf den Tod das Leben. Die weichen Pfauenwedel, mit denen dem Kind-Pharao Kühle gefächelt wurde, ein Brettspiel, das Schminkset des Königs und sogar seine Hausschlappen finden sich nachgebildet. Die in Ägypten gefertigten Exponate, wie die berühmte Goldmaske Tutanchamuns, sind zum Teil mit echtem Blattgold überzogen.

Gewiss gibt es seriösere Ausstellungen. Es ist auch nicht falsch, von einer Disneyfizierung der Ägyptologie zu reden. Die Replikenschau wirkt aber inspirierter als manche museale Ausstellung. Trotz der Originalexponate erscheint die aufwendige „Amarna“-Schau, die gerade auf der Museumsinsel Leben und Hofstaat von Tutanchamuns Vater thematisiert, merkwürdig blutleer. Nicht nur Originale, sondern auch Kopien prägten das Antikenbild — und schüren auch heute noch Begeisterung.

„Tutanchamun — Sein Grab und die Schätze“, 9. März bis 1. September, Berliner Arena, täglich 10 bis 18 Uhr. Eintritt: Erwachsene wochentags 17 Euro, Wochenende 19 Euro, Kinder 14 bzw. 16 Euro.

• Weitere Informationen unter

www.tut-ausstellung.com

Junger Pharao
Tutanchamun (auch Tutenchamun; ursprünglich Tutanchaton) war ein altägyptischer König (Pharao) der 18. Dynastie (Neues Reich), der etwa von 1332 bis 1323 vor unserer Zeitrechnung regiert hatte. Tutanchaton bestieg vier Jahre nach dem Tod seines Vaters Echnatons den Thron Ägyptens. Eine CT-Untersuchung aus dem Jahr 2005 ergab ein Todesalter des Pharao von 18 bis 20 Jahren.

Weltberühmt wurde Tutanchamun, nachdem der britische Ägyptologe Howard Carter 1922 dessen nahezu ungeplündertes Grab im Tal der Könige entdeckte. Es enthielt eine Vielzahl kostbarer Grabbeigaben.

Johanna Di Blasi

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