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Kultur Gelbe Zeiten – Zum Tod von „SpongeBob“-Schöpfer Stephen Hillenburg
Nachrichten Kultur Gelbe Zeiten – Zum Tod von „SpongeBob“-Schöpfer Stephen Hillenburg
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11:29 28.11.2018
Stolzer Vater: Stephen Hillenburg mit SpongeBob bei der Anime-Messe 2006 in Tokio. Quelle: 2006 Getty Images
Los Angeles

„Wenn der Sinn nach pazifischen Blödsinn euch steht / dann schwingt euch an Deck und kommt ja nicht zu spät“, reimte es sich im Titelsong der Serie „SpongeBob Schwammkopf“. Und dann waren die Kinder pünktlich auf den Wohnzimmerplanken und sahen zu, wie da im Fernsehen zwei relativ einfältige Freunde ihre Unterwasserabenteuer erlebten.

SpongeBob – knallkomischer Trash und Gesellschaftsspiegel

SpongeBob, gelbster Schwamm der Welt, und sein Kumpel Patrick, der rosa Seestern, hüpften 2004 sogar ins Kino. Und zum Finale seines ersten Großauftritts dort ritt SpongeBob Schwammkopf dann den alten Baywatch-Bademeister David Hasselhoff. In die Abenteuer des quirligen Ozeanbewohners mit der hysterischen Stimme tauchte man nach ersten Vorbehalten, der Erfinder sei auf irgendeinem psychedelischen Seegras kreativ geworden, gerne ein. Denn die zwischen Fast-Food-Gesellschaft und Mittelalter auf dem Meeresgrund angesiedelte Komödie war knallkomischer Trash und natürlich Spiegel unserer hinter zivilisatorischem Blendwerk immer noch brutalen Gesellschaft.

Jetzt ist der Erfinder von Bikini Bottom und seinen Bewohnern gestorben. Stephen Hillenburg, geboren 1961 in Fort Sill, Oklahoma, litt, wie er im März 2017 bekanntgab, an der Nervenkrankheit ALS. Der „SpongeBob“-Sender Nickelodeon vermeldete am Montag seinen Tod und gedachte seiner mit einer Schweigeminute.

Stephen Hillenburg liebte das Zeichnen und Jacques-Cousteau-Filme

Im Gegensatz zu der Meinung mancher alter Donald-Duck- und Schweinchen-Dick-Fans, ein Schwamm als Cartoon-Held sei zu schwammig, wusste Stephen Hillenburg stets, was er tat. Er zeichnete seit seiner Kindheit und liebte die Filme des Meeresforschers Jacques Cousteau. Er wurde Meeresbiologe, war mit der Unterwasserfauna und -flora vertraut und arbeitete später als Lehrer am Orange County Ocean Institute in Dana Point, Kalifornien. Dort sah er immer wieder, wie sich Kinder spontan für das verborgene Unterwasserleben begeisterten.

Eins kam zum anderen: Hillenburg wandte sich seiner zweiten Lebensleidenschaft zu – dem Zeichentrickfilm. Erste Kurzfilme heimsten Preise ein, 1992 erreichte er den Master of Fine Arts an dem von Walt Disney gegründeten California Institute of the Arts. Aus seinem Comic „Die Zwischengezeitenzone“ wurde dann am Ende die Serie SpongeBob. Die Verbindung seiner beiden Lieblingswelten war hergestellt.

Hillenburgs Botschaft war humanistisch und antikapitalistisch

1999 ging Hillenburgs Geschöpf – physiognomisch ein quadratisch-praktischer Küchenschwamm, der mobil war, Hosen und Schuhe trug, und mit großem Herzen und geringem Verstand ausgestattet war, bei Nickelodeon erstmals auf Sendung. „Guten Morgen Welt, und alle, die sie bevölkern“, war SpongeBobs Gruß an jeden Lebenstag, und obwohl er in seiner Unbedachtheit allzeit Unheil und Chaos stiftete, geschah dies jedoch meist in aller Naivität und Unschuld. Gleiches galt für den stinkfaulen Patrick, der sogar zu dumm war, Seifenblasen zu machen. Zusammen waren sie die Königsschwachmaten der sieben Meere.

Die auch eine eigene Sprache hatten: Eine Million wurde da zur Quallion, Schnee von gestern war „Tang von gestern“, man machte sich „von der Alge“ statt vom Acker und wenn sich wer über Wasser halten musste, musste er sich eingedenk seines Lebensraums „unter Wasser halten“.

Letzteres gelang Hillenburgs Helden oft nur knapp. Während der Chef der Burgerbräterei Krosse Krabbe, Mr. Eugene Herbert Krabs, ein Kapitalist aus dem Bilderbuch ist, können SpongeBob und Patrick Geld einfach nicht zusammenhalten. Größte Vermögen verlieren sie im Nu. Glück, das ist immer schon der tief moralische Grundsatz des kunterbunten Quatschs gewesen, ist nichts Finanzielles. Sondern freundlich und gütig zu sein. „Am Ende ist die Botschaft: Behandle die Leute, wie du selbst behandelt werden willst“, sagte Hillenburg 2001 in einem Interview mit der „Washington Post“.

SpongeBob macht auch seinen Schöpfer unsterblich

Nach dem Kinofilm, den er 2004 als Abschluss der „SpongeBob“-Geschichten ansah, beendete Hillenburg seine Arbeit als Showrunner der Serie, zu der er 2015 für den zweiten Kinofilm zurückkehrte. Zwei Emmys erhielt er, aber auch Preise von Meeresschutzvereinigungen, weil der Schwamm bei vielen das Interesse am Meeresleben geweckt hatte. Der Kreis schloss sich.

Es ist mit dem Schwamm Robert wie man es früher in kruder Satzstellung vom TV-Delfin Flipper sang: Er ist „der Freund aller Kinder, Große nicht minder, lieben auch ihn“. Knapp 250 Folgen der Serie wurden bisher produziert, in den USA startete am 11. November die zwölfte Staffel, die 2019 mit zwölf weiteren Episoden fortgesetzt wird. Für 2020 ist ein dritter Kinofilm geplant – „It’s a Wonderful Sponge“. Kein Schwamm drüber für SpongeBob, mit Bikini Bottom geht es weiter. Durch diese Welt ist ihr Schöpfer Stephen Hillenburg unsterblich geworden. Schließlich wussten schon die Beatles: We all live in a Yellow Submarine.

Von Matthias Halbig / RND

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