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Kultur Staatliches Museum Schwerin zeigt niederländischen Avantgardisten Hendrik Nicolas Werkman
Nachrichten Kultur Staatliches Museum Schwerin zeigt niederländischen Avantgardisten Hendrik Nicolas Werkman
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10:37 30.11.2018
Dirk Blübaum, Abteilungsleiter im Staatlichen Museums Schwerin und Kurator der Werkman-Ausstellung, erklärt das Werk von Hendrik Nicolaas Werkman Quelle: Michael Meyer
Schwerin

Ein Blick – ganz klar: Barlach. die Handschrift des Expressionisten. Ein Blatt weiter, ganz klar: Kubismus. Und noch ein Blatt weiter: die mathematische Kälte der Konstruktivisten. Linien, Fläche, Raum, keine gegenständliche Konnotation. Die drei Arbeiten stammen aus dem Jahr 1922. Es sind Holzschnitte und Drucke für ein Kunstmagazin.

Ein Raum entfernt finden sich seltsame, typographische Zeichen – eine Alien-Fremdsprache, die noch nicht übersetzt ist? Es ist Schreibmaschinenkunst. So genannte Tiksel. Zeichnen mit der Schreibmaschine. Das hat ein bisschen was von M.C. Escher – nur nicht mit Zahlen, sondern mit Buchstaben.

Unglaublich, aber wahr. Der niederländische Maler Hendrik Nicolaas Werkman (1882-1945) hat für seine Bilder, die an Matisse, Klee oder Chagall erinnern, nie einen Pinsel benutzt. Diese zehn Bilder von Werkman sind alles Drucke.

Im nächsten Raum hängen wunderbar gemalte Bilder, die an Chagall und Matisse erinnern, auch Paul Klee und die Südsee-Exotik und die Fernwehsehnsucht eines Gauguin sind augenfällig. Gemalt? „Nein, nichts hiervon ist gemalt“, erklärt Dirk Blübaum, Abteilungsleitier im Staatlichen Museum Schwerin und Kurator der Schau. Das sind alles Drucke. Man muss schon sehr genau herangehen und den fachlichen Ausführungen des Kunstexperten Ohren und Glauben schenken, um das zu verstehen. Blübaum geht sogar noch einen Schritt weiter. Hendrik Nicolaas Werkman (1882-1945) aus Leens in den Niederlanden sei ein bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts, der die Entwicklung der Formsprache und die Erforschung der Grenzen und Grenzenlosigkeiten von Kunstströmungen in der Klassischen Moderne maßgeblich vorangetrieben habe. Aber malen konnte der gar nicht. Werkman hat so gut wie nie einen Pinsel in der Hand gehabt. Es gebe einige gemalte Bilder, die es aber nicht Wert seien in einer Ausstellung gezeigt zu werden. Wie zum Beweis hat Blübaum gleich in den Eingangsbereich eines dieser Bilder gehängt - ein Selbstporträt. Beweis vollzogen!

Doch was den Besucher dahinter erwartet, erstaunt doch stark. Werkman ist in Deutschland so gut wie unbekannt. Und doch hat er in den 30er-Jahren etwas gemacht, was die Fluxus-Bewegung 30 Jahre später als Erneuerung der Kunst forciert hat. Weg vom Kunstwerk, hin zur Idee. Doch das allein genügt nicht. Blübaum sagt: „Werkman wollte sich nicht mit der Kälte des Konstruktivismus zufrieden geben und wandte sich der Wärme des Expressionismus zu. Und der Unexaktheit, die dem Betrachter wie ein Vogelschiss auf die Jacke geworfen wird.“

Kuratorenführungen: Am 6. Dezember führt der Direktor des Staatlichen Museums Schwerin durch die Ausstellung „Hot Printing“. Am 21. Dezember führt Kuratorin Anne-Sophie Pellé durch die Ausstellung (jeweils 18 Uhr).

Vorträge: Am 13. Dezember spricht Professor Michael North von der Uni Grefiswald über das Thema „Deutschland und die Niederlande – Szenen langjähriger Nachbarn“ (18 Uhr). Am 17. Januar 2019 hält Jikke van der Spek aus Groningen den Vortrag „Freiheit des Geistes“ über Werkman (18 Uhr). Am 24. Januar spricht Stefan Soltek vom Klingspormuseum Offenbach über das Thema „Dialog von Bild und Buchstabe“ bei Werkman (18 Uhr). Am 14. Februar hält Professor Jordens aus Nijmwegen einen Vortrag über „Werkman: The Next Call und der osteuropäische Konstruktivismus“ (18 Uhr).

Workshop: Am 10. Januar 2019 leitet die Fotografin und Künstlerin Christine de Boom den Workshop „Drucken mit Licht – Fotogramme“ plus Führung durch die Ausstellung (18 Uhr).

Gespräch: Am 31. Januar lädt das Staatliche Museum zum Gespräch über „Werkman und die deutsche Kunst nach 1945“ mit dem Sammler und Zeitzeugen Wolfgang Glöckner aus Bonn und dem Kurator Dirk Blübaum (18 Uhr).

Musik: Am 7. Februar 2019 gibt es ein Konzert „Jazz bei Werkman“ samt Führung durch die Ausstellung mit Wisse Pieter Klaassen (18 Uhr).

Konstruktivismus, Expressionismus, Kubismus, Fluxus, Bauhaus – alles da im Werke Werkmans. Und im Bezug zur Bauhaus-Bewegung, die stets auf der gesunden Basis des Handwerks arbeitete, liegt auch der Schlüssel zum Verständnis des Werkes. Hendrik Nicolaas Werkman stammt aus einer Akademikerfamilie in den Niederlanden, lernte das Druckhandwerk, arbeitete als Drucker und Typograph und betrieb sogar eine eigene Druckerei. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch seiner Firma widmete er sich der Kunst. Dem, was ihn interessierte und antrieb. Er arbeitete und experimentierte mit Lettern aus Blei, Holz und den verschiedensten Blindmaterialien. Bis heute sind einige seiner aufwändigen Drucktechniken nicht vollständig nachvollziehbar. Blübaum sagt: „Er begann in den 20er-Jahren im Bereich der Druckerei zu experimentieren, brachte seine außergewöhnliche Technik mit seinem Wissen über die Avantgarde zusammen und schuf eine Kunst, die zwischen Expressionismus und Konstruktivismus schwankt.“ Und an einigen Punkten weit darüber hinaus geht – zum Beispiel in der typographischen Tixel-Kunst.

400 Grafiken von Museen aus Amsterdam, Groningen, Heerenveen, Offenbach und von privaten Leihegebern zeigt das Staatliche Museum Schwerin in seinem Neubau vom 30. November bis zum 24. Februar 2019. Die erste Ausstellung mit Werken Werkmans habe es kurz nach Kriegsende 1945 in den Niederlanden gegeben. Nach dem Motto der Niederländer: „Deutschland hat uns unsere Künstler genommen, aber unsere Kunst können sie uns nicht nehmen.“ Denn auch Hendrik Nicolaas Werkman wurde Opfer der Nationalsozialisten. Besonders tragisch: Werkman wurde drei Tage vor der Befreiung der Niederlande 1945 hingerichtet. Als Künstler hat er sich in den 30er-Jahren dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer angeschlossen, zwar nicht an Sabotageakten teilgenommen, aber über die intellektuelle Widerstandsgruppe „De Blauwe Schuit“ („Der blaue Kahn“) gegen die Nazis künstlerisch Propaganda gemacht. Pirko Kristin Zinnow, Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MV, zu denen das Schweriner Museum gehört, sagt: „Mit Werkman wollen wir unserer Blick weiten. Er ist aktuell wie nie.“ Und mit dieser Schau gibt das Museum Deutschland einen Künstler zurück. Denn über Künstler wie HAP Grieshaber (1909-1981) und Josua Reichert (81) wurde Werkman in den 60er-Jahren vorwiegend in Westdeutschland bekannt, wurde sogar auf der Documenta III 1964 in Kassel ausgestellt, geriet dann aber weitgehend in Vergessenheit. Nun ist er wieder da. Im vereinigten Gesamtdeutschland.

Von Michael Meyer

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