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Städel zeigt „Helden“ von Baselitz

Frankfurt a.M Städel zeigt „Helden“ von Baselitz

. Mit ihren kolossalen Körpern und kleinen Köpfen, ihrem taumelnden Gang und ihren Verwundungen erinnern sie an die Trolle aus der „Herr-der-Ringe“-Filmtrilogie von Peter Jackson.

Frankfurt a.M. . Mit ihren kolossalen Körpern und kleinen Köpfen, ihrem taumelnden Gang und ihren Verwundungen erinnern sie an die Trolle aus der „Herr-der-Ringe“-Filmtrilogie von Peter Jackson. Vor 50 Jahren schuf der damals 27-jährige Maler und Bildhauer Georg Baselitz in wenigen Monaten seine später sogenannten „Helden“ und „Neuen Typen“, die heute weltweit als Schlüsselwerk der deutschen Kunst der 1960er Jahre gelten. Das Frankfurter Städelmuseum präsentiert ab heute bis zum 23. Oktober rund 70 Gemälde und 130 Zeichnungen auf Papier aus der Werkgruppe sowie aus dem Frühwerk des Künstlers. Die „Helden“ oder „Neuen Typen“ – „der Rebell“, „der Hirte“, „der Partisan“ oder „der Maler“ – sind stets in der Bildmitte zu finden und tragen ein Repertoire an wiederkehrenden Gegenständen, wie Tornister, Schubkarre und Malerpinsel, mit sich. Die sie umgebende trostlose Landschaft mit ihren brennenden Ruinen, ihren Baumgerippen und nackten Erdwällen zeugt, in Analogie zu ihren geschundenen Leibern, von Zerstörung und Verwüstung.

Wer die Bilder verstehen will, muss tief in die Biografie eines der erfolgreichsten zeitgenössischen Künstlers weltweit hinabsteigen. Geboren wird er 1938 im sächsischen Deutschbaselitz als Hans-Georg Kern. Seine ersten Lebensjahre sind gekennzeichnet von Terror und Bombenkrieg, Flucht und Hunger. Von seiner Mutter wird der Siebenjährige losgeschickt, bei Bauern um ein Stück Brot oder Kartoffeln zu betteln. „Ich bin in eine zerstörte Ordnung hineingeboren worden, in eine zerstörte Landschaft, in ein zerstörtes Volk, in eine zerstörte Gesellschaft“, formuliert er im Rückblick.

Baselitz habe sich ganz bewusst der Vereinnahmung durch kategorische Systeme verweigert, sekundiert der Kurator und langjährige Städeldirektor Max Hollein. Stattdessen habe er seine eigene gesellschaftliche und künstlerische Position entwickelt – „eine wuchtige Selbstbehauptung und Identitätsbestimmung entgegen den Strömungen der damaligen Zeit“.

Mit seinen „Helden gab Baselitz den Startschuss zur Aufarbeitung der jüngsten deutschen Vergangenheit. Erst Jahre später entfachen Studierende einen massiven Sturm der Entrüstung über die moralische Verkrustung der Nachkriegszeit oder, wie es Alexander und Margarete Mitscherlich ausdrückten, über „die Unfähigkeit zu trauern“.

OZ

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