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Kultur Star ohne Allüren: Ursula Werner wird 75
Nachrichten Kultur Star ohne Allüren: Ursula Werner wird 75
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00:00 28.09.2018
Ursula Werner und Horst Westphal in einer erotischen Szene in „Wolke Neun“ des aus MV stammenden Regisseurs Andreas Dresen Quelle: Foto: Senator/verleih
Berlin

Sie war eine der bekanntesten Theaterschauspielerinnen Berlins. Doch erst mit dem Spielfilm „Wolke Neun“ von Andreas Dresen wurde Ursula Werner vor zehn Jahren deutschlandweit bekannt. Heute feiert sie ihren 75. Geburtstag. Von einem beschaulichen Rentnerleben kann nicht die Rede sein. Zwei neue Spielfilme mit ihr kommen demnächst ins Kino.

Geboren wurde Ursula Werner am 28. September 1943 in Eberswalde. Die Angst vor den Bomben hatte die Mutter zur Flucht aus Berlin in die Uckermark veranlasst. In ihrer Autobiografie „Immer geht’s weiter“ (2014) vermutet Ursula Werner, dass ihr Drang zur Bühne von der privaten Sangeslust ihres Vaters genährt wurde. Sie wollte zunächst Architektin werden und absolvierte eine Tischlerlehre. 1962 wurde sie auf einer Party für eine Rolle in einem Studentenfilm entdeckt.

Nach dem Studium an der Berliner Schauspielschule – heute Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ – folgte ein Engagement nach Halle. Entscheidend waren aber die Jahre am Ost-Berliner Kabarett „Die Distel“. Ursula Werner sagt: „Da habe ich alles gelernt, wie man Pointen setzt, wie man das Publikum bekommt. Eine gute Schule.“

Das „Glück des Berufes“, wie Ursula Werner sagt, hat sie von 1974 bis 2009 als Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater in Berlin erlebt. Hier hat sie die ganze Bandbreite ihres Könnens in Inszenierungen wie „Drei Schwestern“ (1979), „Die Übergangsgesellschaft“ (1988) und „Der Biberpelz“ (2007) zeigen können. Werner war schon einer der bekanntesten Theaterstars Ostberlins. Fernsehen und Kino der DDR nutzten ihr komisches Talent. Mit der Hauptrolle in der Komödie „Ein irrer Duft von frischem Heu“ eroberte sie sich 1977 Popularität.

Nach dem Ausscheiden aus dem Gorki-Theater war sie in TV-Rollen zu erleben. Dann kam „Wolke Neun“. In dem 2008 bei den Filmfestspielen von Cannes uraufgeführten und ausgezeichneten Film begeistert Ursula Werner als Pensionärin, die der großen Liebe ihres Lebens begegnet. Ursula Werner sieht „Wolke Neun“ als „wunderbares Geschenk“. Seitdem folgten gute Filmrollen, so 2013 im Drama „Schwestern“. Im Rückblick meint sie jedoch, dass die Jahre am Theater die besten waren: „Es war immer das Schönste, wenn ich nach einer Premiere gespürt habe, dass wir mit unserer Arbeit angenommen worden sind, dass wir verstanden wurden.“ Generell nennt sie als das Entscheidende ihres Berufes „die Möglichkeit, gute Gedanken in die Welt zu setzen“. Sie meint: „Das ist die Chance und die Verpflichtung unseres Berufs: Wir können die Welt nicht ändern, aber wir können das Publikum dazu bringen, über die Welt nachzudenken und im Kleinen was zu tun.“

Über ihren runden Geburtstag redet die Jubilarin nicht so gern. Wichtiger ist ihr, dass sie in zwei Filmen von Caroline Link zu sehen sein wird. Ende des Jahres startet „Der Junge muss an die frische Luft“, nach den Memoiren von Hape Kerkeling. Die Romanverfilmung „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ kommt 2019 in die Kinos.

Peter Claus

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