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Starke Kunst aus der DDR im Güstrower Schloss

Güstrow Starke Kunst aus der DDR im Güstrower Schloss

„Zurück in die Moderne. Malerei aus Dresden“ heißt eine neue Schau in der Barlachstadt. Zu sehen sind eindrucksvolle Werke aus Beständen des Staatlichen Museums Schwerin.

Güstrow. Stillleben, Landschaften, Porträts, Akte; Gegenständliches, Konstruktivistisches und Abstraktes: Ein enorm breites Spektrum an individuellen Handschriften, geschaffen von Künstlern der Dresdner Schule, ist ab morgen im Güstrower Schloss zu sehen. 38 Gemälde und eine Plastik von Wieland Förster, die sich im Rückblick als Vorarbeit zu seinem „Großen Trauernden“

sehen lässt, insgesamt 15 Künstler, auf 400 Quadratmetern. Man schaue und staune!

Kunst aus der DDR — die Wogen der Aufregung, die dieses Thema noch vor kurzem im Kontext der deutsch-deutschen Wiedervereinigung auslöste, haben sich geglättet. Heute fördert ein neugieriger, fairer, differenzierter Blick auf Werke aus dem 1990 untergegangenen Land grandiose Schätze zutage.

„Es ist einfach eine sehr schöne Malerei“, sagt Kuratorin Regina Erbentraut, die diese Schau zusammengestellt hat. Vertreten sind klangvolle Namen wie Hermann Glöckner oder Bernhardt Kretzschmar.

Beider Schaffen fiel 1937 unter das Nazi-Verdikt der „entarteten Kunst“, Glöckner wurde später in der DDR mit dem Vorwurf des „Formalismus“ erneut aus dem Kunstbetrieb gedrängt, Kretzschmar lehrte nach 1946 als Professor in Dresden. Oder Wilhelm Rudolph, der bereits in den 1930er Jahren als Professor der Kunstakademie Dresden gewirkt hatte, bis seine Bilder durch die Nazis als „entartet“

verdammt wurden, der dann 1946 bis 1949 erneut dort als Professor lehrte, bis er durch die DDR-Kulturpolitik wieder entlassen wurde.

Viele der Dresdner Maler-Laufbahnen erfuhren solche Brüche, berichtet Regina Erbentraut. Der entscheidende Bruch war der vom Februar 1945, als Dresden durch anglo-amerikanische Bombenangriffe zerstört wurde. „Dann stand die Frage, wie macht man Kunst in einer derart traumatisierten Stadt. Die Künstler begannen sofort, wieder Kunst zu machen, sie arbeiteten in den Ruinen, schon 1945 gab es in der zerstörten Stadt erste Ausstellungen“, sagt die Kuratorin.

Nach dem Krieg und der brutalen NS-Kulturpolitik der „entarteten Kunst“ stand die Frage des Neubeginns für alle deutschen Künstler. „Im Osten“, so Erbentraut, „hat man angeknüpft an die Tradition, im Westen brach man mit ihr.“ Zwei gegensätzliche Orientierungen, die sich bis zum Bilderstreit der Wiedervereinigung hinzogen. „Aber Weite und Vielfalt gab es trotzdem auch immer“, betont die Kuratorin und greift damit einen Slogan der letzten DDR-Jahre auf.

Im aktuellen Güstrower Ausstellungstitel „Zurück in die Moderne. Malerei aus Dresden“ klingt verhaltene Polemik an: gegenüber der DDR-Kulturpolitik, aber auch gegenüber jener berühmten Weimarer Schau „Aufstieg und Fall der Moderne“, mit der 1999 der Ost-West-Bilderstreit zum Bilderkrieg eskaliert war. „Zurück in die Moderne“ — damit dokumentiert die aktuelle Schau, wie auch Künstler in Ostdeutschland sich an der internationalen Moderne orientierten. „Oder man kann beim Betrachten dieser Bilder auch sehen, woher Gerhard Richters Rakeltechnik kommt“, sagt Erbentraut.

Die Schau gehört zu einer Reihe von Ausstellungen, mit denen das Staatliche Museum Schwerin seine Bestände an DDR-Kunst systematisch präsentiert. Nach einer großen Schweriner Schau 1998 hatte das 2011 neu begonnen — mit Leipzig. Erbentraut: „Davon besitzen wir ja Kultbilder wie Mattheuers ‘Liebespaar‘ oder Sighard Gilles ‘Autofahrer‘.“ 2012 gab es Kunst auf Usedom. Folgen sollen Werke aus Berlin und aus der Region.

Insgesamt hat das Staatliche Museum 600 Gemälde aus der DDR im Bestand. Darunter viele sehenswerte. „Wegen einer klugen Ankaufpolitik zu DDR-Zeiten“, sagt die Expertin. Man habe sich an der eigenen Holländer-Sammlung orientiert, auf klassische Themen und Genres gesetzt. Und auf Qualität.

Dietrich Pätzold

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