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Starker Auftritt zwischen Indiepop und Rocktheater

Rostock Starker Auftritt zwischen Indiepop und Rocktheater

Die österreichische Band Wanda spielte vor 1500 Gästen im Rostocker Moya

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Wanda auf der Rostocker Kulturbühne Moya.

Quelle: Foto: Frank Hormann/nordlicht

Rostock. Austropop – das ist immer so eine hilflose Vokabel. Sie sagt eigentlich nichts über die Stilistik aus, sondern meint einfach Popmusik aus Österreich. Die österreichische Band Wanda hatte sich gleich mit ihrem Debütalbum einen Namen gemacht. 2014 erschien „Amore“, ein Jahr später legten fünf Musiker die CD „Bussi“ nach. Und wenn schon Austropop, dann sind damit vielleicht Ironie, Charme, Mehrdeutigkeiten, Melancholie und auch ein bisschen Hinterlist gemeint. All das bleibt in diesem Fall auf der Bühne dem Sänger vorbehalten: Michael Marco Fitzthum, der sich inzwischen Marco Michael Wanda nennt.

Einen kleinen Schreckensmoment gab’s allerdings kurz nach dem Konzertbeginn, als der Wanda-Frontmann bei einem Wortwechsel mit einem Besucher die Bühne fürs Publikum freigab, worauf mehrere Dutzend Konzertbesucher über die Barriere kletterten und die Bühne enterten. Dort blieben sie aber nur für einen gemeinsam gesungenen Song, dann bat Marco Michael Wanda das „Rostock Symphonic Orchestra“, wie er es nannte, wieder herunter. Der charismatische Sänger hatte auch in dieser schwierigen Situation sein Publikum im Griff.

Musikalisch servierten Wanda eine Mischung aus Pop, Indie und ein bisschen Rockabilly, mit manchmal etwas vorhersehbaren Song-Abläufen, dabei tief verwurzelt in der Rockgeschichte, bei Wanda werden auch Gitarren- und Keyboardsoli noch mitgeliefert! Und auch die Bühnenshow ist nicht nur Imponiergehabe, sondern einfach eine theatralische Verstärkung eines Moments, wenn es passt. Wenn zum Beispiel der Sänger, in grünes Bühnenlicht getaucht, wie eine Heuschrecke über die Bühne schwirrt, während seine Band in einen psychedelischen Rock abgleitet, dann hat das schon was von Theater. Vielleicht ist es auch das, was die österreichischen Popkünstler von ihren deutschen Kollegen unterscheidet: Sie sind verwurzelt in einem kleinen Land, in dem Kultur einfach stärker komprimiert ist. Bei Wanda wird dieses Kulturbewusstsein am ehesten in den manchmal verrätselten Texten deutlich, die zwar mitsingfähig sind, in denen aber auch literarische Qualitäten stecken.

Und dann ist Wanda – von Österreich aus schon rein geografisch gesehen – ein bisschen mehr in Richtung Mittelmeer orientiert, was im ersten CD-Titel „Amore“ bereits klar wurde, natürlich auch im Song „Bologna“. Dieser erste Wanda-Hit dreht sich im Grunde darum, ob man etwas mit der Cousine anfangen sollte oder nicht. Auch Texte wie „Meine beiden Schwestern“, „Stehengelassene Weinflaschen“ oder „Bussi Baby“ stecken voller Irritationen. Aber in einem Punkt treffen sich die neueren deutschsprachigen Bands: Auch die Gruppen AnnenMayKantereit oder Von Wegen Lisbeth halten sich mit Kreativität und Originalität selbstbewusst vom Mainstream fern, bleiben aber trotzdem dicht an ihrem Publikum.

So fand das Wanda-Konzert in sehr gelöster Party-Atmosphäre statt, das Songmaterial aus den beiden CDs reichte für anderthalb Stunden. Marco Michael Wanda agierte wie ein Entertainer der alten Schule, der alles gab und mit seinen vier Bandkollegen einen sehr souveränen Auftritt lieferte. Das sehr mitsingfreudige Publikum honorierte diese Show.

Popmusik mit Amore

2012 wurde Wanda in Wien gegründet. Ihren musikalischen Stil bezeichnet sie selbst als „Popmusik mit Amore“. Die Band ist nach der Zuhälterin Wanda Kuchwalek benannt. Im Oktober 2014 wurde ihr Debütalbum Amore vom österreichischen Label Problembär Records veröffentlicht. Es stieg von null auf Platz 13 in die österreichischen Alben-Charts ein.

Parallel dazu startete die Band eine Tournee durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Bei den österreichischen Amadeus Awards 2015 wurde Wanda in der Kategorie Alternative Pop/Rock ausgezeichnet und gewann den FM4 Award. Daneben war sie als Band des Jahres sowie für das Album und für den Song des Jahres nominiert.

Thorsten Czarkowski

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