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Kultur Starkes Spiel vom Hunger nach Liebe
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00:00 11.04.2015
Cornelia Wöß in der Rolle der magersüchtigen Anna. Quelle: Christoph Herz
Rostock

„Das dicke, fette, vulgäre Ich. Wie ich sie hasse! Sie ist in mir, aber ich denke nicht daran, mit ihr zu leben.“ Sie rennt über die Bühne, redet sich in den Wahn und schreit markerschütternd, nur um danach vor Schwäche fast umzufallen. Denn Anna — gespielt von Cornelia Wöß — leidet an Anorexia nervosa, kurz „Ana“. Die etwa 16-jährige Jugendliche hat sich bereits von 60 auf 50 Kilogramm runtergehungert und will noch weiter abnehmen. Unterstützung sucht sie bei den Anhängern ihres Pro-Ana-Blogs. Ein Ort im Internet, an dem sich ihre „Schmetterlinge“ über die Vorteile von Magersucht austauschen. Dabei lebt sie nach dem Abc der Magersucht. Es geht von A wie Anorexie bis zu Z — „Zeit zu sterben, fette Anna“.

Das Monodrama „Pro An(n)a“ der polnischen Autorin Marzena Rylko feierte gestern im Volkstheater Rostock seine deutschsprachige Erstaufführung. Cornelia Wöß ist eine Darstellerin, die es spielend schafft, alle Augen auf sich zu konzentrieren. Obwohl sie alleine auf der Bühne steht, interagiert sie mit den Zuschauern, die ihre Internet-Community darstellen sollen. So findet sie den direkten Zugang zum Publikum. Verzweiflung, Wut und innerer Kampf sind beinahe direkt spürbar. Locker trifft die 25-jährige Schauspielerin den Ton einer Schülerin, ohne anbiedernd oder aufgesetzt zu wirken. Eine Schwäche ihrer Darstellung zeigt sich nur beim Fall in die Ohnmacht, der nicht wirklich überzeugt.

Die Inszenierung von Sonja Hilberger richtet sich besonders an Jugendliche und soll als Produktion des mobilen Klassenzimmers auch in Schulen aufgeführt werden. Doch mit dieser unmittelbaren Darstellung des Themas Magersucht ist „Pro An(n)a“ auch für Zuschauer außerhalb des Schulalters zu empfehlen. Nächste Vorstellung: Pro An(n)a, 16. April, 10 Uhr, Volkstheater Rostock



Johanna Hegermann

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