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Kultur „Stellung nehmen“: 100 Jahre Kestnergesellschaft
Nachrichten Kultur „Stellung nehmen“: 100 Jahre Kestnergesellschaft
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00:00 03.06.2016

Wer jetzt die Kestnergesellschaft betritt, sollte sich für einen Auftritt wappnen. In der ersten Halle gibt es „First“, das täglich neu entstehende Videokunstwerk des dänischen Künstlers Christian Falsnaes, vor dessen Kamera der jeweils erste Besucher sich vorstellen, vortanzen, ein Geheimnis verraten, eine Forderung erheben muss – eben Stellung nehmen.

Genau so heißt die Ausstellung der Kestnergesellschaft, die bis zum 21. August acht Künstler präsentiert. Alle eint ein Blickwinkel – und fast alle eine künstlerische Strategie: Sie fokussieren das Verhältnis zwischen Kunst und Konsumenten, und fast alle zielen direkt auf die Aktivierung des Betrachters. Die Gruppenschau zeigt nicht nur Stellungnahmen von Künstlern, sie zielt auch auf Stellungnahmen des Publikums zu Kunst und Leben ab. „Es geht darum, wie Kunst uns abholt“, sagt Christina Végh, Direktorin der Kestnergesellschaft. „Stellung nehmen“ soll aber nicht nur der Ausstellungstitel sein. „Das ist für uns auch ein Leitsatz, denn das hat die Kestnergesellschaft stets getan“, sagt Végh unter Hinweis darauf, dass sich die Gesellschaft nicht von den Nazis hat gleichschalten lassen und schon ihre Gründung 1916 eine Stellungnahme gegen das antimodernistisch konservative Kunstverständnis des hannoverschen Kunstvereins war.

Ihrem hundertjährigen Bestehen widmet die Kestnergesellschaft eine Rückschau. Auch eine eigens für diese Ausstellung geschaffene Installation reflektiert Geschichte und Gegenwart von Hannovers Avantgarde-Kunstverein. „It's not just a matter of black and white“ heißt die raumgreifende Arbeit des aus der Schweiz stammenden und in Berlin lebenden Christian Philipp Müller, die den Betrachter dem suggestiven Sog einer Schwarz-Weiß-Spirale aussetzt, in deren Mitte ein ausgestopfter Zebrakopf mit verbundenen Augen prangt. Für diese Arbeit hat Müller zahlreiche Mitglieder der Kestnergesellschaft befragt. Ihre Antworten nebst selbst inszenierten Fotos prangen auf den Spirallinien, und die Betrachter können mit Klebepunkten gegebenenfalls ihre Zustimmung signalisieren.

Auch hier geht es um Teilhabe des Publikums.

Daniel Alexander Schacht

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