Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Sting lieferte Partystimmung in Zeiten der Paranoia

Berlin Sting lieferte Partystimmung in Zeiten der Paranoia

Britischer Star spielte vor 22000 Fans seine Hits: Rockiges – und Nachdenkliches über die Zerbrechlichkeit des Menschen

Berlin. Pop-Konzerte im Jahr 2016 beginnen meist absurd. Auf mehreren hundert Metern stehen sich am Montagabend Sting-Fans vor der Berliner Waldbühne die Beine in den Bauch, ihre Taschen werden doppelt durchsucht. Die Polizei ist präsent wie vor einem Fußballspiel, bewaffnete Beamte patrouillieren zwischen partywilligen Fans. Wer erst mal drin ist, erlebt ein friedliches Familienfest. Ausgelassenheit statt Anschlagsangst, lange Schlangen gibt’s hier nur vorm Prosecco-Stand.

 

OZ-Bild

Der britische Sänger Sting sang in der Berliner Waldbühne seine größten Hits.

Quelle: Vincenzo Pagliarulo / Dpa

Sting war halt schon immer ein Mann der guten Tat. Beim ausverkauften Konzert am Montagabend in der Berliner Waldbühne besteht diese darin, den Fans reichlich von dem zu geben, was sie wollen: viele Police-Hits und die tanzbarsten Solostücke. Der britische Superstar – juvenil, trainiert und drahtig – liefert den 22000 Fans, was sie bestellt und bezahlt haben. Und weil er so ein Edelmann ist, gönnt Sting auch der eigenen Familie ein Stück vom großen Kuchen namens Ruhm. Sohnemann Joe Sumner spielt als Vorband des berühmten Vaters lieblich dahintröpfelnden Fahrstuhl-Folk. „Das ist ganz einfache Musik“, sagt eine Zuschauerin und meint das positiv. Stings kleine Enkelin tänzelt auf der großen Bühne zum letzten Song vor Opas Auftritt.

Nach so viel Kitsch geraten Stings schnörkellos gespielte Superhits zur Wohltat. Der 64-Jährige steigt mit „Every Breath You Take“ ein, später komplettieren „So Lonely“, „Message In A Bottle“ und „Roxanne“ das Konglomerat der Hits von The Police, die Reggae, New Wave und Pop miteinander vermählten, sich aber nach fünf sagenhaft erfolgreichen Alben (vier davon auf Platz 1 der britischen Charts) voneinander genervt getrennten. Sogar von Tourbus-Schlägereien war damals zu hören.

Mittlerweile sind Prügeleien bei Sting so undenkbar wie ein Bierbauch. Der diesmal bartlose Menschenrechts-, Klimaschutz-, Regenwald- und Kinder-in-Afrika-Unterstützer mischt ein paar ruhige Songs fürs Herz zwischen die rockigeren Hits, die eher für die Beine gedacht sind. Bei „Shape of My Heart“ zum Beispiel kehrt abrupte Balladenstille ein, es ist so ruhig, dass man die Mücken brummen hören könnte. Doch auch die pieksen an diesem ärgernisfreien Abend nicht.

Die Show ist auf das Allernötigste reduziert – Instrumente, Mikros, Licht, sonst nichts. Verglichen mit dem Bombast anderer Waldbühnen-Konzerte, etwa von Rammstein oder Iron Maiden, wirkt der Auftritt von Sting wie ein Zelt, das neben Palästen steht. Der wahre Glanz erschließt sich bei ihm erst musikalisch. Die Band harmoniert wie ein Ehepaar, das das Streiten verlernt hat. Gitarrist Dominic Miller zum Beispiel arbeitet seit rund 25 Jahren mit Sting, auch die Background-Sängerin Jo Lawry bereichert den leicht jazzigen Klang im besten Sinne routiniert.

Die Rundreise durch das mittels jahrzehntelanger Radioberieselung ins Hirn gebrannte Hit-Repertoire dauert knapp zwei Stunden. Ob junge Kerle mit Hipster-Bärten, Männer mit Rentner-Bäuchen oder Eltern mit umgeschnallten Babys – sie alle blicken selig drein. Das Konzert endet mit „Desert Rose“ und „Fragile“ bedächtig. Von der Zerbrechlichkeit des Menschen ist darin die Rede. Wie wahr, wie wahr – und so zerbrechlich ist auch der Frieden. An diesem Abend aber bleibt er bestehen. Großer Applaus – Happy End.

Lehrer, Schauspieler, Bassist, Sänger

1951 wurde Sting als Gordon Matthew Thomas Sumner in Nordengland geboren. Nach seinem Studium arbeitete er als Englisch- und Sportlehrer. Mit der 1977 gegründeten Band The Police kam der weltweite Erfolg, ihre fünf aufgenommenen Platten verkauften sich millionenfach.

Sting war auch als Schauspieler aktiv, der Sänger und Bassist startete im Jahr 1985 seine Solokarriere und nahm seitdem zahlreiche erfolgreiche Alben auf, so etwa „Nothing Like The Sun“

(1987) oder „Mercury Falling“ (1996). Der Popmusiker experimentierte auch mit Klassik und Weltmusik.

Maurice Wojach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Penzlin/Schwerin
Norbert Schumcher, Freier Horizont, stellte sich den Fragen der OSTSEE-ZEITUNG. Das Interview führten Chefredakteur Andreas Ebel, Chefkorrespondent Frank Pubantz und der OZ-Leser Edmund Jänsch.

OZ-Interviews zur Landtagswahl: Norbert Schumacher, Freier Horizont, will die Bürger mehr in Entscheidungen einbinden.

mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.