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Kultur Störenfriede beim Kino-Gottesdienst
Nachrichten Kultur Störenfriede beim Kino-Gottesdienst
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00:00 16.05.2017
Cannes

Der Konkurrent des Kinos ist in der Stadt: „Netflix“ steht auf riesigen Plakaten in Cannes. Das Kuriose: Das Festival hat den Streamingdienst selbst eingeladen. Mit zwei Filmen ist er im Wettbewerb des weltweit prestigeträchtigsten Kinotreffens vertreten, das Mittwoch beginnt – eine rein künstlerische Entscheidung, wie Festivaldirektor Thierry Frémaux sagt. Das Problem ist, dass Netflix seine Filme gar nicht auf der großen Leinwand zeigen will, sondern seinen Abonnenten im Netz. Amazon ist auch vor Ort, hält sich aber an die heilige Regel:

Erst kommt das Kino, dann kann kommen, wer will.

Die Festivalleitung soll ergebnislos mit Netflix verhandelt haben. Vergebens. Jetzt sollen „The Meyerowitz Stories“ von US-Regisseur Noah Baumbach und „Okja“ des Südkoreaners Bong Joon-Hoo zwar im Palmen-Rennen starten dürfen, aber künftig will Cannes Produzenten darauf verpflichten, ihre Filme für die Leinwand zu reservieren – so wie es auch beim Oscar der Fall ist. Selbstbewusstes Festival gegen Global Player: Der Zweikampf hat begonnen und spiegelt den Umbruch im Filmgeschäft.

Dabei wollte Cannes zum 70. Geburtstag gelassen einen Spagat wagen: „Cannes ist Versuchslabor und Vitrine“, verkündet die Festivalleitung. An der Côte d’Azur schwelgt man gern in Geschichten, die das Kino schrieb: Das Starlet Simone Silva enthüllte 1954 am Strand seine Brüste, Robert Mitchum konnte sein Glück kaum fassen. Regisseur Jean-Luc Godard hängte sich 1968 als Zeichen der Solidarität mit streikenden Studenten an den Kinovorhang und provozierte den Abbruch des Festivals. Lars von Trier bezichtigte sich 2011 als Nazi und ist verbannt.

Cannes ist für Filmemacher ein Kino-Gottesdienst, für Produzenten El Dorado und für alle ein gigantisches Spektakel mit mehr als 4000 Journalisten. Nicht schlecht für eine Kinosause, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg als Gegenveranstaltung zur faschistischen Venedig-Ausgabe geplant worden war. Andere mögen von Kinokrise reden, Cannes ruft unbeirrt die namhaftesten Autorenfilmer zusammen – Sofia Coppola, François Ozon, Michael Haneke, Roman Polanski, Claude Lanzmann, Todd Haynes. Fatih Akin aus Hamburg vertritt mit der Rachegeschichte „Aus dem Nichts“ (Hauptrolle Diane Kruger) deutsche Farben.

Und wenn das immer langweiliger werdende Hollywood nicht mehr zu bieten hat als Johnny Depp als torkelnden Captain Jack Sparrow? Dann darf „Fluch der Karibik 5“ gar nicht erst im Hafen ankern. Kein einziger Film eines großen US-Studios ist gemeldet.

Cannes weiß, dass die Stars auch ohne Blockbuster kommen. Erwartet werden Robert Pattinson, Kirsten Dunst, Tilda Swinton, Jake Gyllenhaal, Michelle Williams, Isabelle Huppert, Marion Cotillard, Kristen Stewart und Juliette Binoche. Nicole Kidman könnte zum Gesicht dieses Festivals werden: Sie ist mit vier Beiträgen am Start und zwei Mal – in den Filmen von Sofia Coppola und Yorgos Lanthimos – im Palmen-Rennen. Der neunköpfigen Jury um Präsident Pedro Almódovar gehören Will Smith, Jessica Chastain, Agnès Jaou, Paolo Sorrentino und auch die deutsche Regisseurin Maren Ade an, deren Tragikomödie „Toni Erdmann“ im Vorjahr ihren Triumphzug in Cannes begann. Es dürfte auch politisch in Cannes zugehen, zumal der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore sich in der Doku „Eine unbequeme Fortsetzung“ erneut mit der Zerstörung unseres Planeten auseinandersetzt. Am 28. Mai steht die Palmen-Vergabe an, zum runden Geburtstag wurde das gute Stück mit 167 Diamanten verziert.

Stefan Stosch

OZ

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