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Streit um Riesenskulptur von Jeff Koons wird zum Politikum

Pro und Kontra Streit um Riesenskulptur von Jeff Koons wird zum Politikum

Der Streit um die unerwünschte Skulptur von Jeff Koons zieht Kreise. Das Geschenk des US-Künstlers an Paris sollte eigentlich eine Hommage an die Opfer der Pariser Attentate sein. Nun wird es zum Politikum.

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Jeff Koons' „Tulpenstrauß“ („Tulips“) in Bilbao. Eine ähnliche Riesenskulptur will der US-Künstler der Stadt Paris schenken.

Quelle: Alfredo Aldai/efe

Paris. Protest und Empörung: Der seit Wochen andauernde Streit um die über 11 Meter hohe und rund 30 Tonnen schwere Riesenskulptur von Jeff Koons in Paris nimmt kein Ende.

Immer mehr Kulturschaffende laufen gegen die Errichtung der monumentalen Plastik Sturm, die einem bunten Tulpenstrauß gleicht und als Geschenk an Paris im Gedenken an die Opfer der Attentate in Frankreich gedacht ist. Nun kommt Frankreichs Kulturministerin Françoise Nyssen dem US-Star zu Hilfe.

Man werde gemeinsam mit Vertretern der französischen Kunstszene eine Lösung finden, die der symbolkräftigen Geste von Koons gerecht werde, sagte die Politikerin in einem Interview. Zuvor hatte die 66-Jährige Koons im Ministerium empfangen. 

Zugleich hat Montpellier die Hand gehoben: Bürgermeister Saurel Philippe erklärte sich bereit, die Skulptur in seiner Stadt in Südfrankreich aufbauen zu lassen. Wenn in Paris niemand das tolle Geschenk von Jeff Koons haben wolle, dann sei Montpellier bereit, es zu empfangen, schrieb der Politiker auf seinem Twitter-Account.

Die Skulptur aus Stahl und Bronze sei eine Geste der Freundschaft zwischen dem amerikanischen und französischen Volk, verkündete Koons vergangenen November in Paris. Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, sprach von „unwiderruflicher Verbundenheit zwischen Paris und Amerika“.

Doch viele Kulturschaffende sehen das anders. Protest-Petitionen und empörte Kolumnen häufen sich. Vor wenigen Tagen hat das Maison des Artistes, das Haus der Künstler, sogar eine Meinungsumfrage gestartet. Die Kritiker bemängeln die Ästhetik des Kunstwerks ebenso wie den geplanten Standort. Denn die Skulptur soll auf dem viel besuchten Vorplatz zwischen zwei Museen für moderne und zeitgenössische Kunst im schicken 16. Arrondissement ihren Platz finden - einem Ort, der mit den Pariser Anschlägen in keinem Zusammenhang stehe, wie die Gegner argumentieren.

Koons setze auf diesem prominenten Platz zwischen dem Palais de Tokyo und dem Musée d’Art moderne de la Ville de Paris eher sich selbst ein Denkmal. Die Anschläge am 13. November 2015 mit 130 Toten und über 350 Verletzten wurden unter anderem auf eine Konzerthalle und das Fußballstadion Stade de France verübt.

Koons ist der teuerste zeitgenössische Künstler der Welt. Viele sehen in dem Geschenk einen kommerziellen Coup, so wie der ehemalige Kulturminister Frédéric Mitterrand. Koons sei das Symbol einer industriellen, spektakulären und spekulativen Kunst geworden, sein Atelier und seine Händler multinationale Luxus-Unternehmen, schrieb er in einer Kolumne.

Denn die auf über drei Millionen Euro geschätzten Herstellungskosten trägt nicht der Künstler, sondern französische und amerikanische Sammler und Mäzene. Zu ihnen gehört auch François Pinault. Der steinreiche Unternehmer und bedeutende Kunstsammler besitzt mehrere Museen und zahlreiche Werke von Koons.

Angefertigt werden soll das tonnenschwere Werk, dessen Installation im Frühjahr geplant ist, in Deutschland. Koons selber hat sich zu dem Streit bislang nicht geäußert. Auf den geplanten Standort scheint der Star offensichtlich nicht verzichten zu wollen.

Frankreichs Kulturministerin befindet sich in einer delikaten Situation. Wie ihre Lösung aussehen wird, weiß bislang noch niemand. Doch der einflussreiche französische Dachverband der Kunstgalerien (CPGA) hat in einer Pressemitteilung bereits wissen lassen, dass er gegen jeden Standort sei, der sich in der Nähe einer Kunsteinrichtung befinde.

dpa

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