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Kultur Streitbarer„Redner der Republik“
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00:00 08.03.2013
Der Schriftsteller Walter Jens (90).
Tübingen

Manche halten ihn für den letzten großen Intellektuellen der Republik. Doch davon weiß Walter Jens nichts mehr. Seit fünf Jahren kann er nicht mehr reden, nicht mehr denken, nicht schreiben. Eine Demenz-Erkrankung ließ den Denker verstummen.

Unzufrieden scheint er nicht zu sein. Der Mann, für den ein Leben ohne die Künste früher so unvorstellbar war, dass er lieber durch eine tödliche Spritze sterben wollte, kämpft mit unbändigem Lebenswillen gegen jede Krankheit, erzählt seine Familie. Heute wird der langjährige Präsident der Berliner Akademie der Künste 90 Jahre alt.

Eigentlich wollte Jens Strafverteidiger oder Prediger werden. 1947 begann er, Romane, Dramen, Hörspiele und Essays zu schreiben. 1950 kam er als Dozent an die Universität Tübingen, wo er 38 Jahre Rhetorik lehrte. 1950 stieß er zu der legendären Autorenvereinigung „Gruppe 47“. Er übersetzte Evangelien aus dem Neuen Testament, erzählte die Odyssee nach und widmete sich dem „Fall Judas“, den er ungerecht beurteilt sah. Viele Neuauflagen erlebte sein Standardwerk „Statt einer Literaturgeschichte“ von 1957.

Vor allem prägte er wie nur wenige als engagierter Moralist und Pazifist das geistige Nachkriegsdeutschland. „Intellektuelle müssen sich einmischen und warnen“, fand er. Mit seiner Frau Inge wurde Jens in den 80ern Galionsfigur der Friedensbewegung. 1984 nahm er an Sitzblockaden vor dem Atomwaffendepot Mutlangen teil, während des Golfkriegs 1990 versteckte er desertierte US-Soldaten in seinem Haus, kam dafür vor Gericht.

1989 wählte die Akademie der Künste Jens zum Präsidenten. Nach der Wiedervereinigung betrieb er nach Skepsis den Zusammenschluss mit der Akademie der Künste der DDR.

Mit Hilfe seiner Frau kam Jens mit 80 zu Bestseller-Ehren. Die gemeinsam verfasste Biografie „Frau Thomas Mann — Das Leben der Katharina Pringsheim“ verkaufte sich besser als manche Thomas-Mann-Biografie.

W. Mommert,

M. Herwig

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