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Studenten aus Wismar helfen bei neuem Christo-Projekt in Norditalien

Wismar Studenten aus Wismar helfen bei neuem Christo-Projekt in Norditalien

Auf schwimmenden Stegen sollen bald Besucher über den Iseo-See wandeln

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Arbeiter setzen im Januar auf dem Iseo-See Schwimmkörper für die Installation „The Floating Piers“ von Christo zusammen.

Quelle: Wolfgang Volz, Dpa

Wismar. Trockenen Fußes übers Wasser gehen – diese Fähigkeit wurde bisher allenfalls Jesus angedichtet. Bei dem neuen Projekt „The Floating Piers“ – die schwimmenden Stege – des Verhüllungskünstlers Christo soll dies in Norditalien bald auch Normalsterblichen möglich sein. Zu Christos Helfern gehören auch 19 Studenten der Hochschule Wismar und ihre Dozentin Annette Leyener.

OZ-Bild

Auf schwimmenden Stegen sollen bald Besucher über den Iseo-See wandeln

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Es ist ein internationales Mammutprojekt, an dem die Studierenden aus MV teilhaben dürfen. 16 Meter breit und gut drei Kilometer lang sind die schwimmenden Stege, die in knapp drei Wochen den Ort Sulzano auf dem Festland mit den Inseln Monte Isola und San Paolo verbinden sollen. 16 Tage lang, vom 18. Juni bis zum 3. Juli können Kunstinteressierte dann übers Wasser wandeln.

Getragen werden sie dabei von 200000 miteinander verbundenen Kunststoff-Würfeln, die mit 70000 bis 90000 Quadratmetern dicht gewebtem Nylon-Stoff in schimmerndem Gelb-Orange bezogen werden und so den See zeitweise verfremden.

Dass die Studenten dies nun hautnah erleben, haben sie ihrer Dozentin Annette Leyener zu verdanken, die Christo seit 1983 kennt und schon bei zwei seiner Projekte mitgemacht hat. Das war 1983 bei den „Surrounded Islands“ in Miami und 1984 bei der Verhüllung des Pont Neuf – der ältesten Brücke in Paris.

Die Teilnahme beim aktuellen Projekt ist über Christos langjährigen Fotografen Wolfgang Volz, den Leyener augenzwinkernd „das Auge Christos“ nennt, zustande gekommen. „Wir sind seit Studienzeiten befreundet. Er hatte mich wegen etwas anderem angerufen, dann haben wir ein bisschen getrickst und schließlich hat es geklappt“, verrät Leyener stolz. Denn: Der Andrang an Helfern ist riesig. „Es gab insgesamt 10000 Bewerber, soweit ich weiß, sind zwischen 800 und 1000 genommen worden“, sagt die Dozentin.

Dass es geklappt hat, darüber freuen sich natürlich auch die Studenten, die in Wismar Kommunikations-Design, Architektur, Innenarchitektur, Licht- oder Produktdesign studieren. „Es ist eine einmalige Chance, vor Ort dabei zu sein und zu sehen, wie das Werk von Christo entsteht“, sagt Pia Mohring (21). Derselben Meinung ist auch Paula Ibs-von-Seht. „Wir lernen in den Seminaren zwar etwas über den Künstler, aber die Techniken erschließen sich einem besser, wenn man auch wirklich am Entstehungsprozess beteiligt ist“, sagt die 20-Jährige.

Die Voraussetzungen – schwimmen können, fit sein und 20 Kilo tragen können – erfüllen alle Studenten. Was sie in Sulzano genau machen, wissen sie noch nicht. „Bisher haben wir noch keine Ahnung, aber das wird sich alles vor Ort klären“, sagt Jonathan Müller.

Vom 10. Juni bis 21. Juni reisen die Jungen und Mädchen an den Iseo-See in Norditalien. „Am 11. Juni bekommen sie ein Training, damit sie wissen, worauf sie in Sachen Naturschutz, Material und Publikum achten müssen. Es werden viele Leute vor Ort sein und Fragen stellen, und die Studenten müssen dann auch kompetent antworten“, sagt Leyener. Auch die Dozentin, die selbst Künstlerin ist, freut sich auf bekannte und neue Gesichter. „Ich werde viele Leute wiedertreffen, die ich seit Jahren nicht gesehen habe. Man lernt aber auch Menschen aus aller Welt kennen. Für die Studenten ist das eine Möglichkeit, internationale Kontakte zu knüpfen.“

„So etwas macht man nicht jeden Tag“, sagt auch Jonathan Müller. „Es ist sicher gut für den Lebenslauf, aber man ist auch mal zehn Tage von der Uni weg“, fügt er lächelnd hinzu. „Nun hoffen wir nur noch, dass das Wetter gut wird.“

Christo und Jeanne-Claude

Der Künstler Christo wurde am 13. Juni 1935 als Christo Wladimirow Jawaschew in Gabrowo (Bulgarien) geboren. Mit sechs Jahren erhielt er seine ersten Zeichen- und Malstunden. Seine Leidenschaft im Umgang mit großen Stoffbahnen entdeckte er während seiner Jugendzeit in der Fabrik seines Vaters. Christo studierte von 1953 bis 1956 an der Akademie der Künste Sofia. Nach einem Semester an der Akademie der bildenden Künste Wien und einem Aufenthalt in Genf ging Christo im März 1958 nach Paris. Dort begann er Alltagsgegenstände zu verhüllen. Bekannt wurden 1958/59 Christos „Verpackte Dosen und Flaschen“, die er mit harzgetränkter Leinwand umgab, verschnürte und mit Leim, Firnis, Sand und Autolack behandelte.

Gemeinsam mit Ehefrau Jeanne-Claude († 18. November 2009) verwirklichte Christo ab 1961 unzählige Projekte, darunter die Verhüllung des Berliner Reichstags, die Verhüllung der Pont Neuf in Paris sowie die „Wrapped Walk Ways“, eine Verhüllung von Wegen im Loose Park in Kansas City (USA).

Stefanie Büssing

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